Mysterious Women, copyright Sylvia Knelles

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Francis Fulton-Smith - „Ich habe wieder Lust auf Glauben bekommen!“

Während der Münchner als Internist in Serie („Familie Dr. Kleist“, ARD) seit Jahren erfolgreich ist, startet nun auch noch eine Sendereihe mit ihm als TV-Geistlichen im ZDF. Im Interview erzählt der Gerne-Workaholic, ob er seine Präsenz auf beiden öffentlich-rechtlichen Sendern als Glückfall sieht

Seit rund vier Jahren ist der Schauspieler Francis Fulton-Smith im Ersten als herzensguter Internist in der Erfolgsserie „Familie Dr. Kleist“ (3. Staffel ab Herbst mit 13 neue Folgen) im Einsatz für mehr Harmonie und Menschlichkeit. Nun aber startet Francis Fulton-Smith (41) auch als katholischer Pater mit kriminalistischer Spürnase in der neuen Sendereihe  „Ihr Auftrag, Pater Castell“ (ab  8. Mai, donnerstags, 20.15 Uhr) im ZDF-Programm – und spielt damit erstmals einen Geistlichen. Pater Simon Castell wird direkt vom Vatikan immer dann ausgesendet, wenn es in Deutschland besonders brenzlige Fälle zu lösen gilt. Vorerst ermittelt der Motorroller fahrende TV-Gottesmann in vier Filmen, aber die nächsten sechs sind beim ZDF (ohne dass der Sende die Quoten abwartet!) bereits in Vorbereitung. Die Vielfalt seiner Rollen ist das, was Francis Fulton-Smith, der sich nach eigener Aussage bereits mit fünf Jahren zum Schauspiel berufen fühlte, seit Jahr und Tag reizt und antreibt. Zuletzt war er als schneidiger Korvettenkapitän im Zweiteiler „Die Gustloff“ zu sehen und dreht aktuell in Leipzig den ARD-Film „Der weiße Ritter“ (Arbeitstitel). Im Interview redet Francis Fulton-Smith offen über die Dreharbeiten in der heiligen Stadt und Glaubensfragen:

Sie sind in der ZDF-Serie „Ihr Auftrag, Pater Castell“ (vier Folgen, ab 8. Mai, donnerstags, 20.15 Uhr) zum ersten Mal als Geistlicher zu sehen. Hatten Sie keinerlei Berührungsangst?

„Als das Angebot für ,Ihr Auftrag, Pater Castell' kam, war für mich das Spannende, herauszufinden: Kann man Unterhaltung, kombiniert mit Krimi und Glaubensfragen präsentieren, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Heute glaube ich, dass es uns ganz gut gelungen ist.“ (schmunzelt)

Hat Ihnen persönlich diese Arbeit neue Einblicke gebracht?

„Eindeutig ja. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung und dieser Arbeit habe ich für mich wieder einen neuen Blickwinkel auf die Kirche als solche, aber auch auf den Glauben im Speziellen bekommen. Das war für mich ein unerwarteter, positiver Aspekt auf dieser Reise.“ (lächelt)

Würden Sie sagen, Sie sind mehr positiv überrascht worden, als dass sich negative Eindrücke und Erinnerungen bestätigt haben?

„Absolut – ich habe wieder Lust auf Glauben bekommen. Das ist für mich das große Aha-Erlebnis gewesen, auch zu erkennen, dass Glaube viel mehr umfasst. Das ist auch das Dilemma der katholischen Kirche, denn nicht alles, was der Papst sagt, ist vielleicht nachvollziehbar und man kann es sicher auch kritisch hinterfragen. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es sich um eine Weltorganisation handelt, die zwei Milliarden Mitglieder hat. Deshalb muss man manchmal vielleicht bestimmte Dinge einfach radikaler formulieren, damit es überhaupt bis unten hin greift., denn sonst würde alles auseinander fallen.“

Wie waren Ihre Gefühle, wenn Sie nun als aus der Kirche Ausgetretener in die heiligen Hallen Roms eintreten durften?

„Ich habe in der Vorbereitung relativ hohe Kirchenvertreter kennen lernen dürfen und meine Erkenntnis dabei war, wenn man mit diesen Menschen direkt redet, dann wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Man muss aber eben verstehen, wie so ein Konzern funktioniert. Es ist ganz wichtig, dass man an der Spitze ganz unmissverständlich, präzise formuliert, und das erscheint vielleicht für den Einzelnen erst einmal erschreckend oder nicht nachvollziehbar. Wenn man es jedoch richtig durchdenkt, dann hat das schon einen gewissen Berechtigungswert.“

Haben Sie sich bei solchen Treffen mit hohen Kirchenvertreten wohl gefühlt? Haben Sie sich ernst genommen gefühlt oder waren Sie mitunter nur der Schauspieler aus Deutschland, der einen Pater im Fernsehen spielt?

„Ich glaube schon, dass den Leuten bewusst ist, ich bin Schauspieler – Punkt. Ich bin kein Kirchenmann, ich bin auch nicht der Missionar, der plötzlich herum reist und dazu aufruft, in die Kirche zu gehen. Um Gottes Willen!“

Aber Sie transportieren das Thema Glaube und Kirche in einem deutschen Massenmedium.

„Genau – und vor diesem Hintergrund waren die Leute mir gegenüber schon offen. Ich habe auch kritische Fragen stellen können, die sie wirklich ernsthaft beantwortet haben. Und das war für mich auch das Überraschende, zu sehen, dass sie mir gegenüber nicht arrogant auftreten und mich belächeln – na, ja, jetzt erzählen wir dem mal, wie das eigentlich läuft. Sondern diese Leute haben mir ganz bodenständig und wirklich offen bestimmte Dinge nahe gebracht.“

Hat das etwas mit Ihnen gemacht?

„Das hat mich bewogen, meine Position, die ich bis dahin hatte, zu überprüfen und ich habe jetzt ein größeres Verständnis, für das, was in der Organisation Kirche vorgeht. In meiner Schulzeit habe ich das mehr so als das Gefälle von oben nach unten empfunden. Ich bin so das kleine Schaf in der Herde und da oben ist der Hirte, der mir etwas mit dem erhobenen Zeigefinger sagt. So ist es aber nicht. Es ist für mich fast eine neue Begegnung mit dem Glauben, meinem Glauben und das fand ich wirklich spannend. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, man muss nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen, finde es jedoch ganz wichtig, dass man sich über seinen eigenen Glauben Gedanken macht “

Wie sehen Sie die Tatsache, dass Sie mit einer Serie in der ARD und mit einer im ZDF im TV-Programm vertreten sind – damit sind Sie einzigartig unter deutschen Schauspielern?

„,Ihr Auftrag, Pater Castell' ist keine Serie, sondern eine Reihe.“

Aber es gibt zunächst vier Folgen und an den nächsten sechs  der Fortsetzung wird bereits gearbeitet, heißt es von Seiten des Senders.

„Ja, aber es wird nie 13 oder gar 26 Folgen geben. Das geht aufgrund der Komplexität der Fälle schon gar nicht. Man kann nicht Schema-F-Dialoge schreiben: Wo waren sie gestern zwischen 18.00 und 19.00 Uhr?' Sondern es muss sich dem Zuschauer in jedem Fall wieder erklären, warum der Vatikan Pater Castell zum Ermitteln aussendet. Das ist der große Vorteil, denn dadurch machen wir nicht so viele und das war auch der Konsens mit dem ZDF, beziehungsweise mit der ARD, dass man sagt, ich werde in dem Sinne nicht zwei Serien auf zwei Sendern haben, aber es ist trotzdem beides öffentlich-rechtlich. Es ist auch ein freies Land und ich bin ein freier Mensch.“

Sagen Sie, damit bin ich da angekommen, wo ich hin wollte?

„Nein, aber ich bin auf jeden Fall im Augenblick in einer sehr glücklichen Lage, das so tun zu können und das ist herrlich. Aber ich bin Schauspieler und ich möchte auch als solcher wahrgenommen werden. Ich möchte gerne auch andere Figuren spielen, wobei ich mich weder für ,Familie Dr. Kleist', noch für irgendetwas anderes entschuldige. Um Gottes Willen! ,Kleist' ist eine hervorragend gemachte, sehr erfolgreiche Hauptabendserie, und so lange der Zuschauer das gutiert, gibt es keinen Grund, dies abrupt zu beenden. Wir drehen die Serie aber nur alle zwei Jahre und das heißt, dazwischen gibt es unheimlichen Freiraum. Und so lange es keine Exklusiv-Verträge mit Sendern gibt, so lange muss es Schauspielern auch gestattet sein, anderweitig tätig zu sein.“

Könnten Sie zu einem Workaholic werden? Merken Sie, dass Sie Auszeiten brauchen oder empfinden das nicht so?

„Nein, ich bin ja noch jung! Ich bin ein Mensch, der gerne arbeitet  und ich arbeite gerne viel. Ich komme schließlich vom Theater und ich kenne das von Anfang an, dass ich mit mehreren Rollen gleichzeitig beschäftigt bin.“

Sieht das, was man im Film zu sehen bekommt, nur gefährlich aus oder waren die Dreharbeiten mitunter tatsächlich nicht ohne?  Sie waren in Höhlen unter der Erde und vielleicht kann auch das Fahren mit einem Motorroller durch Rom schon gefährlich sein?

„Das kann absolut lebensgefährlich sein.“ (lächelt) 

 Werden da die Straßen nicht abgesperrt?

„Nein, das ging gar nicht. Also, man hat einen vorne und einen hinten, aber man muss trotzdem höllisch aufpassen, denn die Römer fahren auch kreuz und quer.“

Und die Dreharbeiten unter der Erde, in so genannten Erdställen, sehen die nur bedrohlich aus?

„Nein, das war echt spannend und da ist nichts von der Ausstattung gebaut, sondern diese Löcher gibt es tatsächlich. Das war nicht lebensbedrohlich, aber es war schon abenteuerlich, an welche Orte man vordringt und was da mal so gestanden hat. Natürlich ist das kein Museum da unten, sondern die historischen Gegenstände werden schon woanders hingeschafft und untersucht, aber dafür haben wir die Ausstattung gebraucht. Und eben auch die Bereitschaft von Seiten des ZDF und der ,Ufa',, zu sagen, wir wollen nicht nur die berühmten Talking Heads haben, die immer nur über alles sprechen, sondern das Ganze physisch erleben und wirklich in Höhlen reingehen.“

Wofür war denn die wenigste Vorbereitung nötig? Konnten Sie bereits Motorroller, beziehungsweise wie in der Folge „Der zehnte Mönch“ Motorrad fahren?

„Ja, da fährt Pater Simon Castell mit einer wunderbaren, historischen ,Triumph' – und Motorrad fahren konnte ich ein bisschen.“

©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (04/2008)