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Im 28.
Sendejahr wird das Moderatoren-Duo der beliebtesten Talkshow der dritten
Programme mal wieder durchgewechselt - beim Interviewtermin setzen sich
beide gegen die vom Sender verliehenen Etiketten „Diva“ und „Grandseigneur“
zur Wehr, es gibt aber auch ein paar Gemeinsamkeiten
„Ohne Humor geht gar nichts!“
Seit rund 28
Jahren ist die legendäre „NDR Talkshow“ (alle vierzehn Tage, freitags, 22.00
Uhr, N3-Fernsehen) auf Sendung und ein Jahr vor dem 30-jährigen Jubiläum
(Erste Sendung: 9. Februar 1979) wird das Moderatoren-Duo der beliebtesten
Talkshow in den dritten Programmen (Premiere: 18. Januar, 22.00 Uhr) mal
wieder durchgewechselt. Die blonde Barbara Schöneberger (33) war in jeder
Fernsehsendung schon mal zu Gast und wechselt nun in die Rolle der
Gastgeberin. Der leger-lockere Hubertus Meyer-Burckhardt (51) ist eigentlich
Filmproduzent und arbeitet hinter den Kameras, war aber von 1994 bis 2001
bereits Gastgeber der „NDR Talkshow“ und kehrt quasi an den Tatort zurück.
Dieser sieht nun aber ganz anders aus - neue Studio-Dekoration, neuer
Vorspann, etwas andere Musik. Beim Interview setzen sich beide
TV-Schaffenden gegen die vom Sender verliehenen Etiketten „Diva“ und
„Grandseigneur“ zur Wehr, es gibt aber auch ein paar Gemeinsamkeiten
zwischen Hubertus Meyer-Burckhardt, verheiratet, ein Sohn, und Barbara
Schöneberger, frisch getrennt und nun wieder mal Single:
Früher gab es
in der „NDR Talkshow“ eine Rollenverteilung: Wolf Schneider war der
kritische Journalist, Hermann Schreiber der Kulturmann und Alida Gundlach
die Unterhaltende. Wird es bei Ihnen so eine Verteilung geben?
Hubertus
Meyer-Burckhardt: „Also, ich fand Alida im Regelfall ziemlich substanziell
in ihren Fragen und insofern kann ich mit diesen Schubladen nichts anfangen
und deshalb gibt auch diese Rollenverteilung zwischen uns nicht. Wir stellen
Fragen, gemäß unseres Interesses …“
Barbara
Schöneberger: „Und gemäß der Situation, die sich ergibt.“
So eine Rolle
kann einengen im Sinne einer Schublade, es kann aber auch markant für eine
Talkshow sein und von daher nicht nur negativ.
B.S: „In dem Fall
würde ich aber zum Beispiel die Aufteilung sehr unbefriedigend finden, denn
ich weiß schon, welchen Part ich da spielen würde. Ich persönlich würde es
als sehr unbefriedigend empfinden, die lustige Schrille zu sein, die sich
immer um die witzigen Gäste kümmert, während er die Gespräche mit Tiefgang
und Ernsthaftigkeit nach vorne treibt.“
H.M.-B.: „Ich
habe Barbara als eine sehr nachdenkliche Frau kennen gelernt und ich darf
für meine Seite versichern, ich kann ziemlich albern sein.“ (lächelt)
Sehen nur Sie
das so?
B.S.: „Ich sehe
das ganz genauso.“
H.M.-B.: „Ich
habe keine Umfrage gemacht, was ich aber viel interessanter finde, dass die
Talkshow wieder an die Tradition anknüpft, die sie ganz früher mal hatte, wo
Moderatoren hier waren, die eigentlich keine Moderatoren gewesen sind,
nämlich Journalisten wie zum Beispiel Helmuth Karasek, Schneider und
Schreiber und Michael Jürgs. Das waren ja alles Leute und das trifft auf
Schöneberger in gleicher Weise zu, die beruflich woanders verortet sind.“
B.S.: „Und auch
noch woanders ihr Geld verdienen, und nicht so ein eingeordneter Moderator
sind, der am Montag wieder Haue von den Kollegen kriegt, weil er eine
falsche gestellt hat oder so.“
Herr
Meyer-Burckhardt, Sie haben in einem Interview gesagt, dass Barbara
Schöneberger 90 Prozent der Redezeit sprechen wird …
H.M.-B.: „Also,
das muss man in einen Zusammenhang stellen: Ich habe der ,Süddeutschen
Zeitung' gesagt, ich kann mir die Sendung nur deswegen leisten, weil Frau
Schöneberger eben eine sehr temperamentvolle Frau ist, 90 Prozent der Fragen
stellen wird, und ich insofern meine anderen Tätigkeiten als Produzent ...“
B.S.: „Null
einschränken muss!“ (lächelt)
H.M.-B.: „Null
einschränken muss und insofern wird es vielleicht auch Sendungen geben, wo
ich gar nicht komme. Und man wird am Ende gar nicht wissen, war er da?“
B.S.: „Ja, genau!
Wer war da? Na, der Meyer-Burckhardt! Wer? Der Mann, der da immer sitzt! Der
im Hintergrund? Jaaa!“ (lächelt)
Was lockt Sie
wieder vor die Kamera und können Sie sich vorstellen, etwas ohne Kamera zu
machen?
B.S.: „Ich kann
mir extrem viel ohne Kamera vorstellen. Das glauben Sie überhaupt nicht, wie
wenig Kamera eine Rolle in meinem Leben spielt. Aber wenn sie denn dann
schon mal laufen …“
Ich meine zum
Beispiel eine Tätigkeit im Bereich Regie oder als Produzentin?
B.S.: „Wenn sie
schon mal laufen, dann finde ich es auch gut, sage ich mal, das zu tun, was
man auch erwartet. Also, ich halte das einfach für eine professionelle
Haltung, wenn ich befragt werde, viel zu reden und das habe ich immer getan.
Ich habe einfach das getan, wofür man mich engagiert hat und ich werde jetzt
eben auch das tun, wofür man mich jetzt engagiert hat, nämlich, um Fragen zu
stellen und anderen Menschen den Raum zu geben. Und das werde ich dann
genauso können.“
Und was hat
Sie am Zurück vor die Fernsehkamera gereizt?
H.M.-B.: „Mein
Leben - und das habe ich erst jetzt gemerkt, als ich dann selber mal begann,
darüber nachzudenken - mein berufliches Leben hat sich sehr in sechs- sieben
Jahres-Zyklen vollzogen: Sechs, sieben Jahre .,BBDO, sechs, sieben Jahre
eine eigene Firma, dann verkauft, sechs, sieben Jahre Vorstand ,Springer,
ProSieben/Sat.1', früher sechs Jahre ,NDR Talkshow' moderiert und dann sechs
Jahre nicht mehr moderiert. Das ist, glauben Sie mir, Zufall, aber
vielleicht auch nicht nur, denn vielleicht habe ich es auch ganz gerne, wenn
mal ein Bruch passiert.“
B.S.: „Ich freue
mich auf die nächsten sechs Jahre ,NDR Talkshow' mit dir.“ (grinst)
H.M.-B.: „Ich
freue mich auch auf die nächsten sechs Jahre und wer weiß, was dann ist. Ich
habe mein Leben nie geplant. Ich mag den Satz von Woody Allen sehr:
Lebensplanung ist das Ersetzen des Zufalls durch Irrtum.“ (schmunzelt)
B.S.: „Hättest du
es geplant, was wäre dabei rausgekommen?“
H.M.B.: „Ich weiß
es nicht. Also Planung setzt ja ein strategisches Denken im Hinblick auf die
eigene Person voraus - und das habe ich nicht.“
B.S.: „Ja und man
muss antizipatorische Fähigkeiten haben, sich in Dinge reinzufühlen und zu
wissen, so könnte es laufen oder so wird es laufen, und dann werde ich mich
so und so verhalten. Aber jedes Mal, wenn man das praktisch durchlebt, dann
sagt man, man kommt ja doch immer ganz woanders raus, als da, wo man es sich
so ausgedacht hat. Ich finde, es ist auch ein Stück weit Lebenserfahrung,
nicht mehr so viele Pläne zu machen.“
Ist Ihre
Rückkehr zur „NDR Talkshow“ für Sie, auch wenn es pathetisch klingt, so
etwas wie nach Hause kommen?
H.M.-B.: „Mein
ganzes berufliches Leben hat sich in den letzten Jahren hervorragend gefügt.
Ich wollte, nach sechs Jahren Pause wieder produzieren, was ich tue. Ich
habe mich sehr gefreut, als die Produzentin Katharina Trebitsch mich gefragt
hat, willst du mein Nachfolger werden - zusammen mit dem Drehbuchautor
Richard Reitlinger, ich mache das nicht allein, an der ,Hamburg Media
School'. Und ich habe mich auch extrem gefreut, als Thomas Schreiber mich
gefragt hat, ob ich die ,NDR Talkshow' wieder moderieren möchte. Ich habe
dann noch einmal gefragt: Wer ist denn die andere? Und dann hat er gesagt:
Na ja, das könnte Barbara Schöneberger sein. Und dann habe ich gesagt: Ich
mach's umsonst!“ (lächelt)
B.S.: „Und das
gleiche habe ich jemandem übrigens auf einer Serviette attestiert, im ICE
von Berlin nach Hamburg, wo ich mich auch zum Umsonst-Moderieren dieser
Sendung verpflichtet habe, weil ich das so gerne machen wollte. Und das
lustige ist, wahrscheinlich ist das der Grund, warum wir es machen. Das hat
nichts mit deiner und meiner Person zu tun. Wir sind einfach nur deshalb
hier, weil wir nischt so viel kosten und freundlich sind.“ (grinst)(
Kennen Sie
beide Lampenfieber und was hilft gegen dieses Gefühl?
B.S.: „Am 17.
wird es sicher losgehen und am 18. Januar wird es schlimm sein. Kurz vorher
denkt man sich jedes Mal, warum mache ich das eigentlich und mache nicht
einen anderen Job? Aber wenn man dann draußen sitzt und die ersten fünf
Minuten sind rum, dann weiß man wieder, warum man es macht und dann ist es
wie ein großer Rausch, und dann ist es wunderbar. Gegen Lampenfieber kann
man rein gar nichts tun, aber ohne Lampenfieber wäre auch alles nichts. Also
man muss doch immer diese innere Spannung haben und man braucht die
Ausschüttung dieser ganzen Hormone, damit man entsprechend aufmerksam ist.“
Und Sie
wollten genau diesen Reiz wieder haben?
H.M.-B.: „Ich
bewundere das, was Barbara Schöneberger macht zutiefst, nämlich auf eine
Bühne zu gehen und dann viele Hunderte oder gar Tausende in einem Raum zu
unterhalten. Das würde ich - abgesehen davon, dass ich nicht singen kann -
nicht schaffen. Da würde ich nach nur einer Minute einknicken und das ginge
gar nicht. Aber ich bin beim Fernsehen nie nervös, weil ich immer das Gefühl
habe, ich gucke in eine Kamera und dahinter ist eine zweiköpfige Familie,
und da ist eine dreiköpfige Familie, und da ist ein Single, der seinen
Dackel krauelt.“
B.S.: „Oft ist es
ja auch nicht mehr. Wenn du bei SAT.1 moderierst, dann hast du wirklich nur den Dackel und die
zweiköpfige Familie - und sonst guckt wirklich keiner.“ (lächelt)
H.M.-B.:
„Insofern habe ich beim Fernsehen, das gestehe ich, diese Nervosität nicht
und auch nie gehabt. Was aber auch daran lag, ich war auf der Filmhochschule
in München und da hat man logischerweise mit Kameras gearbeitet.“
B.S.: „Du hast
dich dem sozusagen technisch genähert. Über die Technik hast die
Kamerascheue verloren.“
H.M.-B.: „Ja,
irgendwie. Der eine war davor, was nichts besonderes war, der andere war
dahinter und, ich glaube, daran lag es.“
Vor wem müssen
denn die Gäste der „NDR Talkshow“ mehr Angst haben?
B.S.: „Oh, ich
hoffe, niemand hat Angst und wenn, dann werden wir überraschend reagieren.
Es geht aber überhaupt nicht darum, Leute in Bedrängnis zu bringen, sondern
es geht darum, dass wir versuchen werden, wenn man das jetzt schon mal
theoretisch planen kann, den Leuten ein gutes Entree zu bieten, ihnen eine
gute Atmosphäre zu bieten und dann müssen sie schon selber gucken, was sie
damit machen. Also, ich kann auch nicht die Verantwortung für jeden
übernehmen. Ich meine, die haben die Möglichkeit, sich da in zwölf Minuten
ins rechte Licht zu rücken und wir werden dabei unterstützend tätig sein.“
H.M.-B.: „Die
Frage ist ja immer, wie willst du den ,knacken'? Und ich finde, man muss
sich von dem Gedanken, in 15 Minuten jemanden zu ,knacken' völlig befreien,
denn das ist nicht möglich, wir machen keine Psychotherapie. Was aber
entwaffnend sein kann, ein schönes, deutsches Wort, das ist Humor, und Humor
schließt ja Intelligenz mit ein. Ich denke, mit Humor kann man sicherlich
den einen oder anderen verführen - das ist im Privatleben auch so.“
B.S.: „Ja, ohne
Humor geht gar nichts. Das stimmt.“
Soll denn die
„NDR Talkshow“ mit Ihnen als Team lustiger werden?
B.S.: „Es wird
dann vielleicht witziger, aber auch das kannst du nicht planen, Du kannst
nicht sagen, hier soll es so werden und hier so. Das muss sich wirklich
ergeben. Ich bin mir sicher, es wird tolle Momente geben, aber es wird auch
Gespräche geben, wo man sagt, dass es nicht so doll war.
H.M.-B.: „Ich
finde Jörg und die Westlake haben das sehr gut gemacht. Ich meine, wir
übernehmen da ein gut geführtes Haus, mit einem sehr guten Marktanteil - und
wir werden dem eine andere Note geben. Sicher wird es bei uns anders
aussehen, so wie es eines späteren Tages unsere Nachfolger auch wieder
anders machen werden. Das ist doch das Schöne.“
Wollen Sie
denn etwas anders machen als früher mit Alida Gundlach?
H.M.-B.: „Ich
habe ja nie etwas gesehen, nie. Und wenn die ,Talkshow classics' laufen und
ich bin zufällig Zuhause und sehe das, dann schalte ich immer weg. Ich habe
kein Verhältnis dazu. Ich gehe auch nicht zu Klassentreffen. Ich mache für
den NDR gerade eine Dokumentation über George Lord Weidenfeld, das ist ein
Mann in den späten 80zigern. Und der hat mir, bevor ich ihn dafür gewonnen
habe, gesagt: Passen sie auf, ich stehe ihnen in vier Städten der Welt zur
Verfügung, in New York, in London, in Wien und in Berlin. Aber eine
Voraussetzung gibt es, sonst mache ich das nicht: Es interessiert mich keine
Frage zu meiner Vergangenheit! Mich interessiert nur Zukunft - und so geht
es mir auch. Ich genieße die Gegenwart und ich freue mich auf die Zukunft.
Aber ich habe kein Verhältnis zur eigenen Vergangenheit, obwohl ich
Historiker bin.“ (lächelt)
B.S.: „Ich finde
auch, man war bei diesen Sendungen ja selbst dabei und dann ist diese
Dokumentation dessen auch überflüssig. Ich gucke es mir auch nie noch mal
an.“
Wie wichtig
ist, dass Hamburger die „NDR Talkshow“ moderieren? Bleiben Sie in Hamburg
wohnen?
B.S.: „Ich
glaube, man sollte Hamburg mögen.“
H.M.-B.: Ich meine, es macht die Sache einfacher. Ich fahre von meinem
Zuhause bis zum Studio eine halbe Stunde und das ist natürlich praktisch,
aber das spielt wirklich keine Rolle.“
Bleiben Sie in
Hamburg?
B.S.: „Ich werde
in Hamburg immer eine Bleibe haben und für mich ist ein Wohnsitz auch
relativ zweitrangig, denn es sind alle zwei Wochen zwei Tage der Woche, die
ich in Hamburg arbeite und den Rest der Zeit bin ich sowieso immer irgendwo.
Für mich ist ein Wohnsitz jetzt nicht so, wie man sich das vorstellt, dass
man jeden Abend da isst, und den Kühlschrank aufmacht und der ist voll und
man ist in dieser Wohnung und man schläft in diesem Bett.“
Läuft das dann
eher auf ein Hotel hinaus oder auf eine Wohnung?
B.S.: „Das weiß
ich nicht, noch habe ich ja in Hamburg ein Haus und wenn wir über Berlin
sprechen, dann ist es durchaus so, dass man die Entfernung an einem Tag gut
hin und wieder zurück bewältigen kann.“
Glauben Sie
beide, dass Erfolg in Ihrem Beruf einen Preis hat und wie definieren Sie den
jeweils für sich persönlich?
H.M.-B.: „Ich
glaube, jede Entscheidung für etwas bedeutet Entscheidungen gegen vieles
andere. Wenn man einen Weg entschieden geht, dann geht man zehn andere Wege
entschieden nicht.“
B.S.: „Aber man
macht sich den Preis nicht so bewusst oder?
H.M.-B.: „Doch,
in meinem Leben schon, ohne das vertiefen zu wollen, habe ich einen Preis
gezahlt - und ich habe ihn in der Erkenntnis gezahlt, dass es anders nicht
möglich gewesen wäre. Es fängt aber damit an, dass privates Leben in den
letzten 20 Jahren sicherlich zu kurz gekommen ist.“
Trotzdem haben
Sie auf die Frage nach der größten Einzelleistung, auf die Sie stolz sind,
gesagt, es ist die, ein guter Vater zu sein?
H.M.-B.: „Ja, ich
bin ein guter Vater. Ich glaube, das kann ich immer noch sagen. Der
Hamburger Regisseur Fathi Akin hat gesagt: Ich würde lieber als ein guter
Vater in Erinnerung bleiben, denn als ein guter Profi - und das ist bei mir
ganz genauso. Also, ich lege den größten Wert darauf, ein guter Vater zu
sein und das bin ich auch.“ (lächelt)
Ihre größte
Angst war mal, dass Ihr Sohn Beamter wird - hat sich das gelegt oder
erkennen Sie Anzeichen dafür?
H.M.-B.: „Mein
Sohn ist jetzt 16 Jahre alt und heute sage ich, er soll das machen, was ihn
glücklich macht und er hat meine Unterstützung in jeder Lebenslage.“
Was ist für
Sie eine Kraftquelle?
B.S.: „Ich lasse
mich nie vereinnahmen von dem, was ich tue. Ich arbeite wirklich wahnsinnig
viel und ich bin jeden Tag woanders, aber ich gehe wirklich aus diesen Jobs
raus und ziehe es mir wie ein Kleid aus. Ich gehe von der Bühne runter und
binde mir meine Haare nach oben zusammen und ziehe mir die unglaublichsten
Dinge an. Ich schlürfe zu mir nach Hause und bin wirklich nach einer sehr
kurzen Zeit wieder die Barbara aus Grünzell. Ich putze nachts um halb zwei
wie eine Bekloppte das Waschbecken oder ich hänge Wäsche auf. Ich tendiere
dazu, übernormal zu leben. Wo andere Leute sagen, das kann man doch alles
erledigen lassen kann, da brauche ich ganz doll für mich zu sein. Ich lege
dann auch überhaupt keinen Wert darauf, wie ich aussehe, wenn ich vor die
Tür gehe oder sonst was, sondern ich führe ein ganz normales Leben. Ich habe
keine prominenten Freunde, sondern ich bin total raus aus diesem Leben,
sobald ich privat bin.“
Geht das
tatsächlich?
B.S.: „Absolut
ja. Ich bin wie in einer Klorolle verpackt. Wenn ich am Flughafen rumsitze,
ich habe Stöpsel im Ohr, ich habe einen ,Nintendo' in der Hand oder eine
Zeitung vorm Gesicht - ich bin total mit mir abgeschlossen und ich mache
dann wirklich die Luken zu.“ (grinst)
Gibt es für
Sie beide einen Wunschgast für die „NDR Talkshow“?
H.M.-B.: „Ich finde Westernhagen und Jil Sander interessant.“
B.S.: „Ich hätte
gerne Politiker, weil ich finde, dass Politiker immer sehr spannend sind.
Die sind so geschult und man kann denen dabei zugucken, wie sie sich von
Fragen entfernen und Antworten nicht geben wollen. Und dann, finde ich, kann
man dazu aber auch genau befragen. Bei den Politikern ist mir eigentlich
jeder recht, ob Gysi oder Merz. Und dann gerne alles aus dem Musik- und auch
Wirtschaftsbereich. Gern auch Leute, die nicht so in der ersten Reihe
stehen, wenn es ums Talk geht.“
Werden Sie als
Moderatorin einer Talkshow in Zukunft weniger in Talkshows zu sehen sein?
B.S.: „Ich werde
wieder ganz viel dann zu sehen sein, wenn ich für meine Konzerte Werbung
mache, aber ich werde nicht mehr ganz so viel inhaltslosgelöst zu sehen
sein, einfach, um mich auch mal wieder zu äußern. Es sei denn, man wird
irgendwann zu einer wirklichen Person der Zeitgeschichte, deren Meinung
immer etwas zählt, aber davon bin ich ja noch weit entfernt.“
H.M.-B.:
„Natürlich weiß man über das Privatleben von beispielsweise Madonna viel.
Klar, wenn man sich entscheidet, diesen Beruf auszuüben und dies auf einem
hohen Niveau wie Barbara tut, dann kann und sollte man auch vielleicht nicht
verhindern, dass bestimmte Aspekte des Privatlebens nach außen kommen.
Insofern gibt es da eine große Differenz: Arbeite ich als Produzent hinter
den Kulissen oder arbeite ich vorne? Ich knie vor jedem Künstler nieder,
denn das sind diejenigen, die auf eine Bühne oder vor die Kamera gehen. Es
sind die, die Jobs generieren, die nachgeordnet kommen. Wenn keiner mehr auf
einer Bühne oder vor einer Kamera steht, dann gibt es auch keine
Journalisten und keine Produzenten und keine Autoren und Beleuchter und
Set-Designer mehr. Insofern reise ich munter durch die Lande und sage:
Kinder, pflegt diejenigen, die auf Bühnen gehen und Musik machen oder vor
Kameras spielen, denn sie sichern Arbeitsplätze.“
Darf man in
Ihrem Beruf nostalgisch sein? Dürfen Sie „Sowieso - die Sonntagsshow“
nachtrauen und Sie „Blondes Gift“?
H.M.-B.: „Meine
Vergangenheit ist in meinem Kopf weg.“
B.S.: „Das ist
bei mir auch so. Gemacht ist gemacht und raus ist raus. Ich gucke es mir
deswegen auch nicht mehr an und ich trauere auch nie nach, denn ich habe mit
,Blondes Gift' zu einem Zeitpunkt aufgehört, als ich merkte, ich bin das
überhaupt nicht mehr, ich bin gar nicht mehr authentisch. Das war nicht mehr
ich und dann war das genau der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Genauso
muss man das immer halten. Man darf sich nicht an Projekten festbeißen und
sagen: Aber früher war es doch lustig. Es muss doch noch gehen!“
Und „Sowieso -
die Sonntagsshow“ interessiert Sie auch als Produzent nicht mehr?
H.M.-B.: „Nö, das
war eine Zeit und da haben wir die Wackel-Kamera von MTV adaptiert und heute
würde man dazu ,Herrgott, lächerlich' sagen. So. Das war ein Ding in seiner
Zeit. Und in seiner Zeit war es erfolgreich und hat Resonanz gehabt, aber
jetzt machen wir etwas Neues.“
B.S.: „Keine
Wiederauflagen von erfolgreichen Dingen, finde ich.“
Und wie fühlen
Sie, Frau Schöneberger, sich als Single?
B.S.: „Mir geht
es gut. Danke der Nachfrage.“
©Wolfgang
Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (01/2008) |