Mysterious Women, copyright Sylvia Knelles

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zu: „höchstpersönlich“, 11. Oktober, 14.03 Uhr, ARD und: „Der Besuch der alten Dame“, 13., Oktober, 20.15 Uhr, ARD

 Mit einer wahren Paraderolle wird die stets adrette Wienerin am Abend ihres 70. Geburtstages in Österreich und Deutschland in einer Dürrenmatt-Verfilmung zu sehen sein – und das Geburtstagskind fühlt sich damit von seinem Publikum übermäßig beschenkt

Christiane Hörbiger wird 70

„Ich hatte bisher großes Glück und mehr kann man nicht erwarten!“

 Therese Giehse wirkte 1956 in der Uraufführung mit und Elisabeth Flickenschildt übernahm drei Jahre später die Hauptrolle in der ersten Verfilmung der Tragik-Komödie. Das sind nur zwei große Namen von Schauspielerinnen, die bislang das Friedrich-Dürrenmatt-Werk „Der Besuch der alten Dame“ umgesetzt und mit reichlich Leben gefüllt haben. Nun tut es Christiane Hörbiger ihnen gleich und sie füllt die großen Fußstapfen ganz wunderbar aus. Kein Wunder eigentlich, denn die in Wien geborene und stets adrette Grand Dame der Schauspielkunst wird am 13. Oktober runde 70 – und Christiane Hörbiger hat sich genau dieses tragisch-komische Filmwerk zu ihrem Ehrentag ausdrücklich gewünscht. Beruflich dreht Christiane Hörbiger, deren Autobiografie „Ich bin der weiße Clown – Mein Leben“ (288 Seiten, 19 Euro 95, ISBN 978-3-7844-3150-5, LangenMüller Verlag) gerade erschienen ist, momentan Film auf Film, was private Unternehmungen mit ihrem Lebensgefährten, dem Wiener Regisseur und Schriftsteller Gerhard Tötschinger (62), etwas einschränkt. Doch für Luka (wird im Dezember 3), ihrem ersten Enkelsohn, dem Kind ihres in Amerika lebenden Sohnes Sascha (39), zwackt sich die überstolze Großmutter immer mal wieder Zeit ab. Im Interview zu ihrem Ehrentag plaudert Christiane Hörbiger über trostlose Drehorte, Bilanz ziehen, Glück und nennt ihre Wünsche:

 Es war Ihr persönlicher Wunsch, eine Neuverfilmung des Dürrenmatt-Stoffes „Der Besuch der alten Dame“ (Sendung: 13. Oktober, 20.15 Uhr, ARD) zu Ihrem 70. Geburtstag spielen zu dürfen. Gehen Sie anders an Dreharbeiten heran, wenn dieser Wunsch dann wahr wird?

„Wahrscheinlich im Unterbewusstsein. Ich habe mir viele Gedanken im Vorfeld gemacht und alles vorher für mich durchprobiert. Dann biete ich dem Regisseur an, der ein sehr charmanter Herr ist, aber ebenso ein strenger Regisseur. Das ist aber auch gut und es tut mir gut, habe ich festgestellt, und es spricht wieder ein bisschen für mich, dass ich das weiß, dass er streng ist und dass mir das gut tut.“ (lächelt)

 Haben Sie sich in der Vorbereitung auch altes, bestehendes Film-Material angeschaut oder gerade nicht?

„Bewusst nicht, sondern ich habe mich sehr mit Dürrenmatt beschäftigt. Ich habe ihn durch viele Jahre, während ich in Zürich am Schauspielhaus war, gekannt, und ich habe ziemlich viel seines Gedankengutes aufnehmen können. Über ,Der Besuch der alten Dame' hat Dürrenmatt aber nur gesprochen, in dem er eine Kollegin aus Deutschland als Idealbesetzung genannt hat. Er meinte, dass  diese alte Dame eine war, die mit den Männern auch großen Spaß gehabt hat. Sie hat mit dem Körper und dem Hirn dann auch viel Geld verdient, bis sie bei dem reichsten Mann geblieben ist. Diese Dame war also keine Madonna und das musste man im Spiel glaubhaft machen.“

 Wie wichtig waren für Sie beim Drehen und zum Einfinden in diese Figur Requisiten, wie der Stock?

„Es hat mich beim ersten Ansehen des Films ganz fröhlich gemacht, dass ich es richtig erwischt habe, dass es dieser alten Dame immer schlechter geht, je mehr sie eingekreist wird, desto mehr merkt sie auch, dass ihre Aufgabe, die sie sich selber im Leben gestellt hat, zu Ende geht, indem auch sie ihren körperlichen Verfall immer mehr mitbekommt. Sie kann immer schlechter gehen und sich zum Schluss kaum mehr auf den Beinen halten. Und das stimmt im Film. Da habe ich richtig gearbeitet und nichts vergessen. Darüber bin ich glücklich.“ (lächelt)

 Haben Sie sich während der Drehzeit regelrecht an den Stock gewöhnen können oder dieses Requisit auch das eine oder andere Mal vergessen?

„Ich habe sehr früh angefangen für mich das Gehen mit Gehstock zu üben. Erst habe ich das Zuhause mit einem Regenschirm probiert, bis mir dann mein Gerhard Tötschinger einen schönen Stock seines Großvaters geschenkt hat. Wir hatten am Set aber auch einen wunderbaren Requisiteur, der mir den Stock immer im rechten Moment in die richtige Hand gegeben hat. Ich denke, dass geht allen Kollegen so, die so eine Rolle spielen.“

 Sie haben diesen Film im österreichischen Ort Eisenerz gedreht. Die Bilder sind landschaftlich wunderbar, trotzdem ist es ein eher trister Ort mit der höchsten Suizidrate des Landes. Ihre Kollegin, Muriel Baumeister, hat gesagt, dass sie diese Tristesse nur dadurch aushalten konnte, weil das Drehen mit Ihnen für sie ein Hochamt war. 

(lacht): „Das ist aber schön, dass die Kollegin das gesagt hat.“

 Was aber war für Sie das Mittel gegen Tristesse und Depression?

„In dem Ort ist der Erzberg und da waren mal 1.500 Bergarbeiter beschäftigt. Heute sind es nur mehr 400 und es sind viele Menschen abgebaut worden, was Schicksale nach sich zieht. Das sind Menschen, die zwischen 40 und 50 sind, die finden keinen Job mehr als Bergarbeiter. Und die leben dann recht und schlecht in diesem fast lichtlosen und sonnenlosen Ort, der rückwärts hinaus einen wunderschönen See hat, der auch nicht verbaut ist. Wenn da die Sonne hinkommt, dann ist es so schön, wie es der Film zeigt, aber das ist nicht unbedingt eine Reklame für Fremdenverkehr, um dort hinzufahren. Der Leopoldsteiner-See ist ein berühmter See, aber die Tristesse des Ortes ist enorm.“

Was haben Sie für sich und Ihre Stimmung dagegen tun können oder hatten Sie keine Zeit für solche Stimmungen?

„Ich wohnte in St. Michael, musste dafür jeden Tag 35 Minuten von meiner Maskenzeit hergeben und früher aufstehen, denn das liegt über dem Präbichl, das ist der Berg neben dem Erzberg, und da musste ich jeden Tag mit meinem Fahrer drüber. Auf der anderen Seite hat immer die Sonne geschienen und immer, wenn wir nach Eisenerz hinunter gefahren sind, kamen die dicken Nebelschwaden. Aber ich wusste, ich konnte am Abend wieder auf die andere Seite fahren.“ (schmunzelt)

 War das für Sie als Österreicherin eine neue Ecke des Landes, die Sie durch diese Dreharbeiten kennen gelernt haben?

„Eigentlich ja, aber, ich glaube, als Schülerin war ich mal dort. Damals musste man als österreichisches Schulkind über den Erzberg Bescheid wissen und man musste ihn auch mal gesehen haben und wissen, wo dieser für das Land wirtschaftlich nicht unwichtige Erzberg ist.“

 Könnern Sie sich vorstellen, die Tragik-Komödie „Der Besuch der alten Dame“, am Abend Ihres 70. Geburtstages anzusehen, Sie haben in Deutschland und Österreich zeitgleich die Möglichkeit, oder wollen Sie anders feiern?

„Wissen Sie, so viel Glück hat man selten, dass an einem Geburtstag, der wegen der Zahl ein unangenehmer sein könnte, dass da eine Wunschrolle im Fernsehen gezeigt wird. Das ist so fantastisch und ich empfinde das als ein Geschenk, nicht nur von der ARD, sondern ich habe das Gefühl, ganz Deutschland schenkt mir das. Ich bin darüber so glücklich, dass ich am liebsten nur mit meinem Mann davor sitzen würde und die Hand halten und diesen guten Film ansehen.“

 In Österreich wird eine Woche zuvor, auch um 20.15 Uhr, ein TV-Porträt über Sie gesendet, bei dem Gerhard Tötschinger die Regie führt.

„Ich glaube, ja.“

 Ist das alles, was Sie sich erträumen, am Ehrentag gefeiert zu werden oder sind noch Wünsche offen?

„Eindeutig nein. Mehr Fantasie, was ich an Glück im Leben erleben konnte, habe ich nicht. Ich spiele lieber die reichste Frau der Welt, als dass ich es bin. Ich könnte gar nicht mehr umlernen. Ich wüsste gar nicht wie man ein großes Haus mit vielen Angestellten führt. Ich will es auch gar nicht können. Ich könnte auch keine Yacht besitzen und damit umgehen, und im Sommer dann für drei Monate dorthin fahren und dort auch noch den Kapitän betreuen oder was weiß ich. Also, ich könnte ein großes Leben, der wirklich reichsten Frau der Welt, gar nicht führen. Und es ist für mich sehr angenehm, diese Dinge nur spielen zu können. Das ist mit ein Grund, warum ich zu diesem Beruf gegangen bin, dass es alles nicht so furchtbar ernst ist, wenn wir es darstellen.“

 Ihr Kollege aus wunderbaren Filmen wie „Alpenglühen“, Götz George, wollte es zu seinem 70. Geburtstag im Juli, Zitat:  „Möglichst leise krachen lassen!“ Wie möchten Sie Ihren Ehrentag verbringen?

(lacht): „Das möchte ich auch, aber es wird nicht gehen, denn man muss Freunde einladen. Und da jetzt jeder weiß, dass der Geburtstag stattfindet, werde ich im November oder Dezember alle Freunde in Wien zusammen trommeln. Eigentlich müsste ich aber in Hamburg eine Geburtstagsfeier machen, in München und in Zürich und dann noch eine in Wien.“

Dann wird es aber stressig.

„Ich weiß noch nicht, wie es ich mache, aber ich möchte es machen. Vorher soll man sowieso nicht feiern und am Tag selbst habe ich wahrscheinlich keine Zeit mehr, aber irgendwie muss ein Fest mit Freunden klappen.“

 Sie drehen aber am 13. Oktober nicht, das wissen Sie schon?

„Richtig, drehen werde ich dann nicht.“

 Ist dieser runde Geburtstag für Sie Grund, Bilanz zu ziehen? Sind Sie ein Mensch, der zurück und nach vorne blickt und resümiert?

„Das habe ich schon getan und das ist eine unangenehme Arbeit. Ich habe immer gefunden, man muss nach vorne schauen und das tue ich auch. Aber ich habe im 69. Lebensjahr ein wenig nach hinter geschaut und überlegt, bin dann zu dem Schluss gekommen, und ich habe wirklich ein verdammtes Glück in meinem Leben gehabt, alleine schon Ort und Stunde der Geburt, und was da rundherum alles passieren hätte können, daran darf man gar nicht denken. Ich kann nur sagen, ich hatte bisher großes Glück und mehr kann man gar nicht erwarten, als dass man sagt, der liebe Gott soll mich noch vor einer schweren Krankheit bewahren.“

 Schön, wenn man das so sagen kann!

„Ja!“ (strahlt)

 Gibt es trotzdem etwas, von dem Sie sagen, das muss aber ab dem 14, Oktober unbedingt noch passieren?

„Ich möchte einmal mit dem Schiff von Hamburg nach New York fahren. Allerdings habe ich dabei die Angst, es wird mir schlecht. Aber ich möchte genau diese Strecke fahren, die viele Emmigranten, auch Wiener Freunde, Bekannte meiner Eltern, gemacht haben, mit dem Schiff da hinüber, nicht mit dem Flieger, husch, husch. Ich weiß noch nicht, ob ich diese Reise mache, ich möchte keine teure Schiffskarte bezahlen und dann wird mir totenübel.“

 Wenn die berühmte gute Fee erscheint und Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das spontan?

„Erstmal die Schiffsreise nach New York. Dann wünsche ich mir, dass mein Sohn und meine Schwiegertochter und mein Enkel für mehrere Jahre nach Europa kommen. Ja, und der doch blöde Gedanke, aber das ist nun mal so, dass ich gesund bleibe.“

©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (10/2008)