Mysterious Women, copyright Sylvia Knelles

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Harald Krassnitzer - „Mir wird von Frauen nicht auf der Straße hinterher gepfiffen!“

Zweimal im Jahr ermittelt er als Wiener „Tatort“-Kommissar im Ersten und ist ansonsten in guten Einzelfilmen vertreten. Nun aber kommt der gebürtige Salzburger wieder mit seiner Hauptrolle in 13 neuen Folgen seiner ARD-Serie „Der Winzerkönig“. Im Interview redet der Dauerfreund von Kollegin Ann-Kathrin Kramer über seinen ersten Rausch und Midlife Crises 

Gut beschäftigte Schauspieler wie Harald Krassnitzer (47) müssen berufsbedingt viele Nächte in großen Hotels verbringen. Bereits vor Jahren hatte sich der in Salzburg geborene Mime („Der Briefbomber“) leise aber stetig darüber muckiert, dass er da immer nur südamerikanische und australische Rotweine angeboten bekommt. Auch wenn sich das nach seiner Aussage mittlerweile geändert hat, so wundert es vor diesem Hintergrund nicht, dass ausgerechnet Harald Krassnitzer nun wieder in 13 neuen Folgen seiner erfolgreichen ARD-Serie „Der Winzerkönig“ (ab 25. Februar, montags, 20.15 Uhr) vor Millionenpublikum eine Lanze für Weine aus seiner Heimat bricht. Momentan steht der große Blonde fürs ZDF und die Serie „Das Traumschiff“ in Papua Neuguinea vor der Kamera und lebt ansonsten im Bergischen Land. Im Privatleben ist Harald Krassnitzer seit rund acht Jahren mit der Schauspielkollegin Ann-Kathrin Kramer (41) zusammen und der Ersatzvater für ihren Sohn Leonard (10), aus einer früheren Beziehung zu Schauspieler Jan Josef Liefers (43). In unserem Interview redet der über die Fortsetzung seiner ARD-Serie, seinen ersten Rausch und das Thema Midlife Crises:

Der Programmdirektor der ARD, Dr. Günter Struve, sagt, dass maßgeblich Frauen zu Hause entscheiden, was im Fernsehen geguckt wird und, dass deshalb vor allem sie eine Serienhauptfigur mögen müssen. Sie sind als „Der Winzerkönig“ so erfolgreich, dass es nun eine Fortsetzung gibt. Sehen Sie sich selber als einen Womanizer?

(lächelt): „Das ist die Einschätzung eines einzelnen, anderen Menschen und eines Mannes. Ich selber sehe mich nicht als Frauentyp. Mir wird auch nicht auf der Straße hinterher gepfiffen und ich brauche das auch nicht zum Leben. Trotzdem sollte eine Serienhauptfigur sicher auch Sympathieträger sein und auch das muss man als Schauspieler bei seiner Arbeit bedenken.“

Die ARD-Serie „Der Winzerkönig“ (13 Folgen ab 25. Februar, montags, 20.15 Uhr) ist so erfolgreich, dass nun eine zweite Staffel startet. Kennen Sie bei Ihrer Arbeit Erfolgsdruck oder wie gehen Sie so eine Sache an?

„Bestimmt ist eine erfolgreiche Arbeit immer der Wunsch eines jeden Beteiligten, gerade deshalb aber muss man sich auf seine Arbeit und sein Handwerk konzentrieren. Das habe ich getan. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben und wie das fertige Produkt dann vom Publikum angenommen wird oder nicht, das liegt nicht mehr in meiner Hand.“

Was war für Sie und Ihre Lieben das größte Problem, das mit Ihrer Serienhauptrolle verbunden war?

„Das größte Problem war für mich ganz eindeutig, dass ich Ann-Kathrin durch diese Serienhauptrolle für ein halbes Jahr unser komplettes Familienleben allein aufgebürdet habe. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen. Sicher war ich an jedem möglichen Wochenende bei meiner Familie im Bergischen Land und die Produktion ist mir auch insofern entgegen gekommen, als dass man Brückentage eingebaut hat, so dass ich auch mal für vier Tage am Stück in Deutschland war. Aber trotzdem blieb in dem Zeitraum von Mai 2007, mit einer Sommerpause im Juli, bis Ende November 2007 eine ganze Menge Zeit übrig, in der Ann-Kathrin den familiären Alltag allein zu bewältigen hatte.“

Sie ermitteln zweimal im Jahr als „Tatort“-Kommissar, haben 13 Folgen „Der Winzerkönig“ gedreht und machen immer wieder auch exzellente Einzelfilme wie zum Beispiel „Der Briefbomber“. Würden Sie sagen, dass Sie ein Workaholic sind?

„Ich bin überhaupt kein Workaholic und das möchte ich auch nicht sein. Es ist aber durchaus so, dass meine Arbeit mir sehr viel Freude macht und ich im Jahr rund auf 120 Drehtage komme. Wenn man das kurz durchrechnet, dann sieht man, wie viele Tage ohne Arbeit mir im Jahr bleiben.“

Sie haben sich als gebürtiger Salzburger in Tirol ein Bauernhaus gekauft und leben sonst mit Familie in Deutschland. Wie oft können Sie dort sein?

„Ich bin ein großer Patriot, den es immer wieder und nicht nur zum Arbeiten in die Heimat zieht. Deshalb haben wir uns als Sommerdomizil ein Bauernhaus in Tirol gekauft. Aber mit dem Begriff Heimat ist das bei mir so eine Sache. Ich merke mit der Zeit immer mehr, dass Heimat überall dort für mich ist, wo ich meine Familie um mich habe – und das kann wirklich überall auf der Welt sein.“

Können Sie als gebürtiger Österreicher das gleiche Phänomen feststellen, wie Ihre Serien-Kollegen Carin C. Tietze , dass die Weine vor Ort besser schmecken, als wenn man sie mit nach Hause nimmt?

„Das Schöne an den österreichischen Weinen ist, dass sie international schmecken. Das heißt, man könnte sie wahrscheinlich auch auf dem Mond verkosten und sie hätten noch immer dieselbe Kraft und Intensität. Beim Mond muss ich allerdings sagen, würden sie nicht die volle Ausprägung bekommen, die sie eigentlich insich verbergen, weil dort bekannterweise keine Luft ist und damit der Wein nicht atmen kann. Aber ansonsten gibt es dieses Phänomen nur bei den klassischen Urlaubsweinen. Man fährt irgendwo nach Italien, hat dort ein kleines Restaurant, wo die Mutti oder der Vati kochen, und dann sitzt man bei einem gemütlichen Abend und denkt sich: Ach, ist das aber ein schöner Wein. Das ist dann nicht besonderes, es ist in der Regel ein Landwein, aber der passt einfach zum Essen und er beflügelt einen so, weil es lustig und schön ist. Also nehme ich den doch mit und dann stellst du Zuhause fest, dass das ein fürchterlicher Sauerkrautsaft ist, mit dem du gar nichts anfangen kannst. Aber das hat in der Regel immer damit zu tun, dass sich dieses Phänomen auf Landweine bezieht. Wenn du in Italien aber wirklich die großen Italiener kaufst, aus dem Pyrmont oder aus der Toskana, dann, bin ich überzeugt, dass diese Weine auch Zuhause schmecken.“ (grinst)

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Rausch? Kann der mit Wein zusammen hängen oder sind Weintrinker Genießer und hören rechtzeitig auf?

„Der erste Rausch war bei mir auch der einzige, bei dem ich so eine Art Ausfall hatte. Danach muss ich irgendeine natürliche Sperre in mir geweckt haben. Jedenfalls trinke ich seither immer nur soweit, wie ich weiß, das tut mir noch gut. Es gibt auch so einen Punkt,. an dem ich sage, jetzt schmeckt es mir nicht mehr und jetzt mag ich nicht mehr. Mein erster Rausch hing damals mit einem ungarischen Wein vom Plattensee zusammen. Der hatte einen Kronenkorken, war sehr süß und kam dann in einer ganz anderen Form, als ich ihn geschluckt hatte, wieder raus. (schmunzelt) Das macht man einmal im Leben und dann hat man dieses Thema auch hinter sich. Und dann weiß man, dass man bestimmte Sachen nicht mehr anfasst und sich einfach auch zügeln muss.“

In „Der Winzerkönig“ spielen Sie mit Thomas Stickler einen Mann im Spätsommer des Lebens, der in einer Art Midlife Crises sein Leben komplett umgestellt hat und das Weingut seiner Eltern übernommen hat. Wie stehen Sie selber zum Thema Midlife Crises? Kennen Sie solcherlei Gefühle

„Mein Leben ist einfach irre spannend und davon bin ich überzeugt. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich etwas verpasse. Für mich ist das Leben wirklich eine aufregende Reise. Es ist immer irgendwo etwas Neues zu entdecken. Es ist dann letztendlich auch neu, auszusteigen und sich wieder mit einem neuen Thema auseinander zu setzen. Und am Schluss steht man halt am ganz großen Bahnhof und dieser ganz große Bahnhof, der hat es ja auch in sich, denn von dem gibt es keine Rückfahrkarten. Und das Schöne ist, sich auch darauf vorzubereiten und einfach Spaß und Freude am Leben bis dahin zu haben. Ich habe, ehrlich gesagt, egal, welches Alter ich hatte, stets die Reize darin empfunden und meinen Spaß gehabt. Solange man das Leben so begreift, kann es schwer zu einer Midlife Crises kommen.“

Gibt es deshalb auch keine Zeit, die Sie als am schönsten empfinden, weil die Lebensphasen, wenn man sie zu nutzen weiß, alle gleichschön sind?

„Nee, wenn die Zeiten da sind, von denen man sagt, die war am schönsten, dann hat man ja bereits das Problem, dass man eine Wertigkeit im Verhältnis zu dem, was gerade ist, setzt. Insofern ist für mich die schönste Zeit immer gerade die, in der ich mich befinde. Ich persönlich tue mich auch verhältnismäßig schwer mit Erinnerungen und Sentimentalitäten, wo man sagt: Mein Gott, als wir jung waren, da haben wir dies und das gemacht. Ich denke mir dann, ja, ich weiß, dass ich das gemacht habe, aber es nicht so, dass ich mich dahin zurück sehne. In der Regel genieße ich immer den Spaß, jetzt gerade das zu erleben oder die nächste Aufgabe anzugehen.“

Wird der nächste Ort Ihres Lebens denn geplant oder lassen Sie alles lieber auf sich zukommen?

„Ich glaube, dass es heutzutage in diesem Geschäft nicht mehr so einfach ist, etwas zu planen. Sondern man  muss sich auf vieles einlassen, was auf einen zukommt und man muss dann reagieren. Trotzdem gibt es sicher Dinge, die kann man planen. Aber dieses Durchstylen und Durchdesignen, bis ins letzte, ist ja nun eine Neigung, die in vielen Bereichen unserer Gesellschaft Überhand genommen hat und insofern genieße ich es, manchmal auch Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen, und sie nicht gleich, von vornherein, in ein vorgesehenes Gewand zu stecken und dann zu sagen, das habe ich jetzt bis ins letzte Detail geplant oder designt und vorgesehen. Vieles im Leben ist bei mir spontan oder es kommt auf mich zu und ich bin überrascht. Aber man merkt im Endeffekt, dass es trotzdem offensichtlich am Schluss wieder in einem großen Plan drinnen steckt, weil man kontinuierlich an einer Sache weiter arbeitet.“

Oftmals ist es so, wenn man sich eine Zeit besonders schön plant, dann ist die Enttäuschung groß, wenn es nicht so wird?

„Ja, ich bin davon überzeugt, dass man oft etwas ganz penibel plant und dann wird es ganz anders. In solchen Moment hat man logischerweise immer ein Enttäuschungspotential, weil planen ja auch mit Erwartungshaltungen zu tun hat. Solche Enttäuschungen kenne ich jedoch nicht.“

©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (01/2008)