Interview mit Elmar Wepper

zu: „Ich trag dich bis ans Ende der Welt“, 26. März, 20.15 Uhr, ARD

 

Lange Zeit war der jüngere Bruder von Fritz Wepper in Serienerfolgen wie „Unsere schönste Jahre“ auf den Ehemann und Familienvater abonniert. Vater eines Sohnes ist Elmar Wepper privat bereits seit 31 Jahren und vor rund sechs Jahren hat der bis dahin überzeugte Junggeselle dann tatsächlich auch geheiratet

 

Elmar Wepper

„Ich liebe meinen Beruf, aber er ist nicht mein Leben!“

 

Über einen Mangel an Arbeit kann sich Elmar Wepper (wird am 16. April 66) nicht beklagen – und abwechslungsreich sind seine Rollen obendrein. Ob als zwielichtiger Herbergsvater im BR-„Tatort – Tod auf der Walz“, als trauernder Witwer im Kinoerfolg „Hanami – Kirschblüten“ oder nun als grantiger Vater, der sich mit seiner Tochter zu seiner letzten Reise auf den Jakobsweg aufmacht, in „Ich trag dich bis ans Ende der Welt“ (Sendung: 26. März, 20.15 Uhr, ARD). Durch eine Reihe von Serienerfolgen wie „Unsere schönsten Jahre“ und „Zwei Münchner in Hamburg“ mit Uschi Glas war der jüngere Bruder von Fritz Wepper im Fernsehen lange auf die Rolle des Familienvaters und Ehemannes abonniert und wurde ein Publikumsliebling. So sehr Elmar Wepper seine Schauspielarbeit aber auch liebt, genügend Zeit fürs Privatleben ist dem leidenschaftlichen Golfer und Fischer nicht minder wichtig. Vater seines Sohnes Elmar jr. ist der gebürtige Augsburger privat bereits seit 31 Jahren und vor sechs Jahren hat der bis dahin überzeugte Junggeselle dann mit Anita Schlierf (50) auch im wahren Leben den Weg vor den Traualtar gefunden. Sein Sohn arbeitet heute als freier Journalist in Kopenhagen, hat sich nach sieben Jahren von seiner schwedischen Freundin getrennt und  ist nun mit einer Dänin liiert. Im ehrlichen Interview redet Elmar Wepper über berufliche Veränderungen seit seiner Glanzrolle im Kinofilm „Hanami – Kirschblüten“ von Regisseurin Doris Dörrie und verrät seine Einstellung zum Pilgern:

 

Sie spielen eine Hauptrolle in dem ungewöhnlichen Freitagabendfilm „Ich trag dich bis ans Ende der Welt“ (Sendung: 26. März, 20.15 Uhr, ARD). Mussten Sie lange überlegen, als das Thema „Jakobsweg“ (so war der Arbeitstitel des Films) und Pilgern auf Sie als Angebot zugekommen ist?

 

„Nein, mir hat die Geschichte gefallen, auch weil die Figur jemand ist, der eine starke Veränderung erfährt und nicht von Anfang bis Ende der Gleiche bleibt. Ich habe bei dem Drehort Nord-Spanien schon gedacht, dass das nicht so eine typische Urlaubsregion ist. Dann haben wir gehört, dass wir auch westlich von Madrid drehen, in einer ganz und gar nicht touristischen Gegend, auf einem unbekannten Teil des Pilgerweges. Und natürlich wusste ich, dass Ann-Kathrin Kramer meine Tochter spielen sollte, und darauf habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das ist unsere erste Zusammenarbeit.“

 

In dem Film werden natürlich schöne Landschaften gezeigt, Sie und Ihre Film-Tochter pilgern aber durchaus auch neben stark befahrenen Straßen mit Fernlastverkehr.

 

„Ja, es ist in so einem Film nicht notwendig, eine absolut dokumentarische Authentizität durchzuziehen, dann kann man gleich einen Dokumentarfilm drehen. Aber ich finde es auch gut, dass diese Umstände zumindest am Rande mit beleuchtet werden. Es regnet auch mal und auch Herbergen gibt es unterschiedliche, mit Schlafsaal und Stockbetten – das ist eben auch Jakobsweg.“

 

Sind denn die Figur und das Thema Pilgern oder wahlweise auch ein zeitlich begrenzter Aufenthalt in einem Kloster, ganz weit weg von Ihnen persönlich oder können Sie sich diese Form der Selbstfindung und Einsamkeit vorstellen?

 

„Ich habe keine Probleme damit, Urlaub ohne Luxus zu machen, das habe ich auch öfter schon mit meinem Sohn zu zweit gemacht. Da geht es nach Alaska zum Fischen, wo es heißt Schlafsack und keine Dusche, auch mal das Hemd über Nacht anzulassen, das man am Tag anhatte und das durchgeschwitzt ist. Ich muss nicht immer den supertollen Luxusurlaub haben. Aber es ist ja dann noch etwas anderes, zu sagen, ich nehme jetzt zwei oder drei Wochen Zeit und gehe zum Pilgern.“

 

Auf der Suche nach sich oder nach Gott zu sein.

 

„Ja und der Pilgerer muss auch die körperliche Anstrengung auf sich nehmen. Oft geschieht das aus dem Denken heraus, man ist im Leben in einer Sackgasse. In der stecke ich persönlich Gott sei Dank nicht, aber ich kann diese Motivation gut nachvollziehen, dass jemand im Leben an einem Punkt angekommen ist, wo er glaubt, mit dem Leben, das er führt, den Verantwortlichkeiten in die er verstrickt ist, nicht mehr zurecht kommen und sich frei machen will. Im Film ist der Auslöser die Krankheit in Verbindung mit dem Alter, und das Nichtwissen, was soll da noch kommen. Vielleicht auch mit dem Wissen, dass diese selbstgerechte, besserwisserische Art, die er zu Anfang des Films seiner Tochter gegenüber ja noch zeigt, so nicht richtig ist.“

 

Wenn Sie Ihre Rollen seit dem Kinofilm „Hanami – Kirschblüten“ sehen, seit diesem Film sollen die Rollen sich auch noch mal verändert haben, wie beurteilen Sie das selbst? Ist das eine Form von Ernte nach langer Schauspielkarriere?

 

„Als nächstes drehe ich mit Gisela Schneeberger einen Fernsehfilm mit dem Titel ,Adel dich'. Eine witzige und melancholische Geschichte. Dann einen Kinofilm. Ohne ,Kirschblüten‘ würde das wahrscheinlich nicht passieren. Wir Schauspieler sind Nomaden, immer unterwegs, immer auf der Suche, ohne zu wissen, was noch kommt. Das macht diesen Beruf so aufregend.“

 

Was macht das mit Ihnen?

 

„Es ist es jetzt nicht so, dass ich mich auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen will, sondern ich freue mich, auf die Aufgaben, die noch kommen. Aber ich werde mir das sehr gut einteilen. Ich liebe meinen Beruf, aber er ist nicht mein Leben.“

 

Ist das auch eine Veränderung durch das Alter, Sie sind im letzten Jahr 65 geworden?

 

„Ich bin gelassener geworden. Und ich denke auch an die Zeit, wenn ich nicht mehr vor der Kamera stehe.“

 

Suchen Sie Angebot jetzt anders aus? Hat sich da für Sie etwas verändert?

 

„Natürlich. Das Rollenangebot ist größer geworden, auch interessanter. Aber ich setze mich da nicht unter Druck. Ich brauche meine Ruhe und meine Freiräume. Mit 65 hat man eine andere Energie, als mit 40 – das ist einfach so, man muss sich das einteilen. Das sieht nicht jeder so, es gibt auch Kollegen, die in meinem Alter noch von Film zu Film hetzen oder sogar parallel drehen. Okay, wenn einer das mag.“

 

Hat sich Ihr Bedarf an Freizeit auch durch Ihre Ehe verändert? Wollen Sie Ihre späte Ehe nun auch bewusster erleben?

 

„Ich möchte meine Ehe genießen können und wir haben viele Bereiche, der Hund, der Garten, das Haus usw. Wenn ich mal zwei Monate nichts arbeite, dann ist das wunderbar und mir fehlt nichts.“ (lächelt)

 

Aber es ist trotzdem ein beruhigendes Gefühl, wenn Sie wissen, dass ein paar Drehbücher als Angebote auf Ihrem Schreibtisch liegen?

 

„Diese Rückversicherung brauche ich nicht. Ich bin materiell unabhängig. Das ist ein Privileg, dessen ich mir durchaus bewusst bin.“

 

Hat sich durch Ihre Ehe verändert, dass Sie Angebote und womöglich Fernreisen, die damit verbunden sind, mit Ihrer Frau absprechen?

 

„Meine Frau kommt ja aus der Branche. Sie hat beim Bayerischen Rundfunk in der Hörspielabteilung gearbeitet. Anita würde nie sagen, dass ich einen Film nicht machen soll, nur weil sie vielleicht gerade mit mir nach Italien fahren möchte. Ich kann da natürlich frei entscheiden, aber meine Frau berät mich sehr gut. Wenn ein Drehbuch kommt, dann lese ich es und dann sage gar nichts darüber und gebe es ihr zu lesen. Von ,Kirschblüten', zum Beispiel, war Anita zutiefst bewegt und meinte: ,Das musst du spielen!' Meine Frau puscht mich nicht und sie bremst mich nicht. Sie kennt mich genau und weiß um meine Befindlichkeiten. Sie ist mir diesbezüglich eine große Hilfe.“

 

Zunächst drehen Sie einen Film mit Gisela Schneeberger. Was kommt danach?

 

„Ich mache einen Kinofilm mit dem Titel ,Dreiviertelmond'.  Darin spiele ich einen Taxifahrer in Nürnberg, der eigentlich mit seinem Leben nicht mehr viel anzufangen weiß. Dann macht er die Bekanntschaft von einem kleinen türkischen Mädchen, deren Mutter zurück in die Türkei muss, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigung hat. Aber ich will da nicht zu viel verraten.“

 

Können Sie sagen, ob Sie tragische Filmfiguren mit einer glücklichen Ehe im wahren Leben besser spielen können? Brauchen Sie so einen Ausgleich, wenn Sie im Film oft tragische Figuren spielen?

 

„Als Schauspieler weiß man das sehr wohl zu unterscheiden. Den Ausgleich finde ich am besten zuhause mit meiner Familie. Was will man mehr!“

 

©Wolfgang Wittenburg - Jede Art der Infoauswertung ist honorarpflichtig (03/2010)

 

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