|
Interview mit Desireé Nosbusch |
|
zu: „Tatort – Vergissmeinnicht“, 28. März, 20.15 Uhr, ARD
Zum ersten Mal ist die Moderatorin, Schauspielerin und Regisseurin mit einer Rolle in einem „Tatort vertreten! Ihre Figur verdreht dem Kommissar mächtig den Kopf, der im wahren ihr Lebensgefährte Mehmet Kurtulus ist – Gründe genug für ein neues Interview!
Désireé Nosbusch
„Man darf seine Träume nie aufgeben!“
Als Regisseurin arbeitet Désireé Nosbusch (45) seit sechs Jahren fleißig an ihrem eigenen Filmprojekt mit dem Titel „Nigeria“. Als Moderatorin präsentiert die gebürtige Luxemburgerin am 26. März die Verleihung des „Adolf-Grimme-Preises“ in Marl und als Schauspielerin ist die ebenso attraktive wie natürliche Powerfrau bald zum ersten Mal in einem „Tartort“ zu sehen – und das auch noch an der Seite ihres Lebensgefährten, des Schauspielers Mehmet Kurtulus (37), der den Hamburger „Tatort“-Kommissar Cenk Batu mimt. Im spannenden „Tatort – Vergissmeinnicht“ (Sendung: 28. März, 20.15 Uhr, ARD) geht es um Werksspionage und Désireé Nosbusch spielt Mia Andergast, eine Undercover-Spionin, die dem Kommissar reichlich den Kopf verdreht …Gründe genug, um die sympathische Wahl-Amerikanerin und stolze Mutter von Lennon (15) und Teresa (12) zum Interview zu treffen:
Sie sollen vor der Zusage für Ihre Rolle im „Tatort – Vergissmeinnicht“ (Sendung: 28. März, 20.15 Uhr, ARD) erst etwas gezögert haben – warum war das so?
„Ich reagiere allergisch bei Vetternwirtschaft und wollte nicht, dass es in dieser Richtung Häme geben könnte. Deshalb habe ich einen kurzen Moment lang gezögert.“
Was hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben?
„Man muss doch eine Grenze zwischen Beruf und Privatem ziehen können – Voraussetzung ist eine professionelle Haltung. Und die Sache muss stimmen.“
Und hier stimmte es?
„Ja. Die Idee ist gemeinsam entstanden, an einem kreativen Abend zwischen Mehmet und mir. Diese fand dann auch große Zustimmung beim NDR. Da lag es natürlich sehr schnell nahe, dass wir uns dieser Herausforderung gemeinsam stellen wollten. Ich habe mich von meinen Zweifeln frei gemacht und gedacht: Ich bin Schauspielerin. Das ist eine tolle Rolle und ich gehe jetzt zur Arbeit.“ (lächelt)
Haben Sie mal schlechte Erfahrungen mit Vetternwirtschaft gemacht und reagieren deshalb etwas allergisch darauf?
„Man kennt ausreichend Geschichten aus der Branche und ich wollte nie etwas damit zu tun haben.“
Haben Sie schon einmal eine Rolle wegen Vetternwirtschaft anderer nicht bekommen?
„Natürlich war auch ich schon mal das Opfer von solchen Situationen und genau deshalb sind Mehmet und ich sehr vorsichtig bei der Auswahl unserer Projekte und versuchen, unser Privatleben zu schützen.“
Sind all das Dinge, die Sie seit der Liebe zu einem Schauspiel-Kollegen lernen mussten?
„Zum Glück haben Mehmet und ich eine sehr ähnliche Auffassung von dem, wie wir unseren Beruf ausüben möchten. In unserer Arbeit geben wir gerne alles, aber wenn es ums Private geht, sind wir sehr sparsam. Unser Beruf hat sehr viel mit Geheimnis und Phantasie zu tun und je mehr der Zuschauer glaubt, von mir zu wissen, umso uninteressanter macht es mich doch für ihn.“
Hat es Ihrer Partnerschaft gut getan, dass Sie und Mehmet Kurtulus einen Zeitraum von sechs Jahren zwischen zwei Arbeiten haben verstreichen lassen?
„Wir haben uns damit Zeit gelassen. Der nächste gemeinsame Film sollte etwas ganz besonderes sein. Eine spannende Herausforderung. Die haben wir bei ,Vergessmeinnicht‘ gefunden.
Ist der „Tatort – Vergissmeinnicht“ auch ein Film für Ihre Kinder? Es gibt eine sehr liebe Szene zwischen Ihnen und Mehmet Kurtulus im Taxi, wo sie gegenseitig den Kopf anlehnen – schönes Bild. Es ist aber auch „Tatort“ und auf den Kommissar wird in Ihrem Beisein geschossen.
„Meine Kinder sind in der Zwischenzeit 12 und 15 Jahre alt und da stellt sich eher die Frage: Finden sie den Film spannend oder nicht? Dass ihre Mutter da mitspielt, heißt noch lange nicht, dass sie dran bleiben. Sie sind kritische Zuschauer. Den ,Mama-Bonus‘ gibt es da nicht.“ (schmunzelt)
Sind Sie das erste Mal in einem „Tatort“ zu sehen?
„Ja, ,Vergissmeinnicht‘ ist mein erster ,Tatort‘. Aber es hat sich gelohnt, so lange zu warten. Die Rolle der Mia ist ein schönes Geschenk.“
Sie sagen, dass der „Tatort“ auch in Amerika einen guten Ruf hat?
„Der ,Tatort‘ wird oft als das große Flaggschiff der deutschen Unterhaltung erwähnt und als bestes Beispiel für langjährigen Erfolg hochgehalten.“
Ist der „Tatort“ für Désireé Nosbusch eine feste Marke im Programm, nicht nur, wenn Mehmet Kurtulus mitspielt, sondern allgemein, wenn Sie in Deutschland sind?
„Ich gebe zu, dass es keine Fernsehsendung auf dieser Welt gibt, die mir vorschreiben kann, wann und zu welcher Zeit ich auf meinem Sofa sitzen soll. Das war schon immer so. Wenn ich aber Zuhause bin und es ist Viertel nach Acht am Sonntagabend, natürlich schaue ich dann ,Tatort‘.“
Was steht in beruflicher Hinsicht als Nächstes an?
„Am 26. März moderiere ich in Marl die Verleihung des Grimme-Preises. Darauf freue ich mich sehr. Es wird einen neuen Fernsehfilm geben und meine erste Kino-Regie steht an. Man braucht für die Entwicklung von eigenen Projekten viel Geduld und einen langen Atem. Aber nach sechs Jahren scheint es jetzt zu klappen. 2010 wird beruflich ein sehr spannendes Jahr werden.“
Haben Sie denn als Schauspielerin die Geduld, die Sie als Regisseurin brauchen?
„Geduld musste ich lernen. Es gab viele Momente, in denen ich frustriert war. Ich dachte, ich stehe kurz vor Drehbeginn und dann brach wieder ein Stück Finanzierung oder Förderung weg. Schon stoppt der Apparat und man fängt wieder von vorne an. Wolfgang Petersen hat mir mal erzählt, dass er zehn Jahre in Los Angeles saß, bevor sein Projekt endlich passieren durfte. Da bin ich mit meinen sechs Jahren gerade in der Halbzeit … Man darf seine Träume nie aufgeben!“
Ihr Wohnort ist nach wie vor Amerika? Wie steht es um Ihre Pläne ganz in Europa oder Deutschland zu leben?
„Meine Kinder gehen immer noch in Amerika zu Schule – an unserem Lebensmittelpunkt hat sich nichts geändert.“
In Bezug auf Ihre Biografie fällt auf, dass Sie ab dem Jahr 2000 immer nur ein bis zwei Filmprojekte pro Jahr machen. Ist das von Ihnen bewusst strategisch berechnet und würde alles andere als Mutter von zwei Kindern in Amerika schwieriger werden?
„Man bekommt leider nicht jedes Jahr zwei Drehbücher wie ,Vergissmeinnicht‘ angeboten. Ich bemühe mich, eine gewisse Qualität zu bewahren und mich nicht mehr auf Dinge einzulassen, die zu große Kompromisse erfordern. Meine Agentin sagt immer: Qualität tut weh! Es gibt Momente, in denen ich unruhig werde, aber solange ich über die Runden komme, möchte ich es lieber so handhaben, als meine Biografie zu kompromittieren.“
Es ist keine Frage, dass Ihnen die Distanz zwischen Deutschland und Amerika persönlich und familiär gut tut – wie ist es in Bezug auf Ihre Arbeit?
„Jede Medaille hat zwei Seiten. Ich mag die Gute-Laune-Mentalität der Amerikaner. Lasse mich gerne davon anstecken. Man geht positiver und offener durch den Alltag. Die Weiterbildungsmöglichkeiten für meinen Beruf sind in Los Angeles ein Traum. Man kommt gar nicht erst in die Gefahr sich auf alten Lorbeeren auszuruhen. Man bleibt in Bewegung und wach im Kopf. Ich empfinde es immer wie eine Vitamin-Spritze.“
Was empfinden Sie als die Kehrseite der Medaille?
„Viele denken vielleicht nicht immer an mich, weil ich so weit weg bin. Aber es ist meine Geschichte und es ist gut so! Es ist doch bis jetzt 30 Jahre lang ganz gut gelaufen.“ (grinst)
©Wolfgang Wittenburg - Jede Art der Infoauswertung ist honorarpflichtig (03/2010) |

|
Mysterious Women Magazin |
|
Interviews: Robert Atzorn
Gemischtes New York
law & order Impressum |