Interview mit Dieter Thomas Heck

zu: „C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz, 9. Mai, 20.15 Uhr, RTL

 

Warum ihn ein tragisches Erlebnis aus früheren Jahren bis heute prägt und ihm Angst vor Krankheit einflößt, und er nun ausgerechnet einen an Demenz erkrankten Doktor in einer RTL-Komödie spielen wollte

 

Dieter Thomas Heck

„Ich kann mir ein Comeback vorstellen!“

 

Allein 183mal moderierte Dieter Thomas Heck in seiner unnachahmlichen Art und Weise die „Hitparade“ im ZDF und wurde nicht nur damit ein Gesicht des Zweiten Deutschen Fernsehens. Nachdem der gebürtige Flensburger jahrzehntelang mit  TV-Shows wie „Die Goldene Stimmgabel“ und „Melodien für Millionen“ erfolgreich war, verabschiedete sich der Publikumsliebling vor zwei Jahren zu seinem 70. Geburtstag von der großen Bühne. Heute lebt Dieter Thomas Heck mit seiner Ehefrau Ragnhild (61) im sonnigen Spanien, hat eine schmucke Villa an der Costa del Sol, aber zu still soll es bittschön um die lebende Legende denn doch nicht werden. Sehr zur Freude seiner immer noch großen Fangemeinde gibt es bald ein Wiedersehen, denn Dieter Thomas Heck hat eine Schauspielrolle in der RTL-Komödie „C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz“ (Sendung: 9. Mai, 20.15 Uhr, RTL) neben Sasha und Martina Hill übernommen. Im ehrlichen Interview redet der Showmaster von Format über seine Rolle als demenz-kranker Doktor Alfred Schwarz, er beschreibt sich als Vater und warum ihn ein tragisches Erlebnis aus früheren Jahren bis heute prägt und Angst vor Krankheit auslöst:

 

„C.I.S. – Chaoten im Sondereinsatz“ (9. Mai, 20.15 Uhr) ist ein RTL-Comedy-Movie und es tauchen alle RTL-Gesichter wie Christian Rach, Tine Wittler  und Peter Zwegat auf – warum aber spielen Sie, der in Jahrzehnten seiner Fernsehkarriere nie bei RTL zu sehen war, in diesem Film mit?

 

„Das ist eine sehr gute Frage – und für mich ein großes Kompliment von RTL-Mann Tom Sänger, dass der gesagt hat: Den Heck will ich haben, denn der Heck ist ja ein typisches ZDF-Gesicht. Aber nun ist er ja frei, ich habe vor zwei Jahren gesagt, jetzt werde ich 70 und nun kann ich auch mal andere Sachen machen.“

 

Was war der Grund für Ihren Rückzug von der großen TV-Bühne?

 

„Ich wollte zuerst einmal Ruhe haben, außerdem ging es meiner Frau nicht so besonders gut und das war ein ganz entschiedener Punkt. Ich wollte nicht mehr alle vierzehn Tage unterwegs und weg sein, aber Gott sei Dank geht es meiner Frau wieder gut und dann kam dieses Angebot. Ich habe gesagt, das ist eine interessante Rolle und das ist lustig.“ (lächelt)

 

Ist es Ihnen als Showmaster und Produzent schwer gefallen, damals von 180 auf Null umzuschalten, verbunden mit einem Umzug vom Schwarzwald nach Spanien?

 

„Produzent war mehr meine Frau als ich, aber das Umschalten ist uns beiden nicht schwer gefallen. Wir haben in Spanien so eine tolle Ecke gefunden. Da sind wir ja nicht erst seit jetzt, sondern wir leben schon seit langem in diesem Ort in Spanien, wir haben jetzt das dritte Haus dort. Das erste hatten wir zu einer Zeit, in der ich alles konnte, nur kein Haus kaufen, aber dann habe ich durch einen Zufall das erste Haus erworben. Umgebaut, verkauft, gut verkauft und dann das nächste gekauft. Das wieder umgebaut und wieder verkauft und dann wieder rein durch Zufall dieses, was wir jetzt haben, ein richtig schönes und großes Haus. Ich würde mich aber aus Deutschland nie abnabeln, denn dazu bin ich viel gerne Deutscher.“ (grinst)

 

Hat Ihnen die Arbeit trotz allem gefehlt? Ist das wirklich so einfach mit dem Umschalten gewesen?

 

„So einfach ist das nicht gewesen, das muss ich ganz ehrlich sagen. Aber nun sind das zwei Jahre und da ist eine Menge Wasser den Berg herunter gelaufen. Ich bin ja auch jemand, der immer wieder unterwegs ist und immer wieder etwas macht, zum Beispiel diesen Film für RTL. Die Arbeit ist ja nicht ganz weg. Es war aber mein eigener Wunsch, zu sagen, so, nach 40 Jahren ist nun mal Schluss. Das ist so, wie Michael Schumacher gesagt hat, immer im Kreis herum fahren, das ist dummes Zeug. Wenn du dann aber raus bist, aus der Nummer, dann willst du wieder im Kreis herum fahren.“ (schmunzelt)

 

Ist das so?

 

„Wenn zu mir morgen jemand kommen würde und sagt: Wir haben da eine tolle Sendung für dich, so vier- bis sechsmal im Jahr eine Sendung, das könnte ich mir gut vorstellen.“

 

Sehen Sie denn einen legitimen Nachfolger für sich oder ist es eher so, Sie sind weg und damit ist auch alles andere weg?

 

„Eine Sache, die mir Leid tut, ist, dass das ZDF bei der Goldenen Stimmgabel nicht gesagt: Pass mal auf, mach doch jedes Jahr eine Sendung, denn die Goldene Stimmgabel war ein großer Erfolg.“

 

Warum gibt man so eine eingeführte Marken so leichtfertig weg?

 

„Das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen, da bin ich überfragt.“

 

Aber Sie haben sich das so nicht vorgestellt?

 

„Sicherlich habe ich gesagt, ich möchte Schluss machen, aber ich habe schon gedacht, vielleicht kommt der eine oder andere und sagt, aber die Stimmgabel, die schmeißt du nicht einfach weg, die machst du weiter. Das war auch mal so angedacht, aber dann fiel es immer weiter untern Tisch – und dann fragst du ja auch nicht mehr.“

 

Sie würden aber in dem Fall an ein Comeback denken?

 

„Ich würde schon, wenn jemand Morgen kommt und sagt, Könntest du dir vorstellen, vier- bis sechsmal im Jahr eine Sendung X zu machen? Da kann man ja vieles machen, die bei mir – toi, toi, toi, alle gut gelaufen sind, bis auf ,Kreuzworträtselspiel‘, was ich mal gemacht habe, das weiß heute keiner mehr, sind es alles erfolgreiche Geschichten gewesen, also, das verlernt man ja nicht. Und das hat auch nichts mit 70 oder 17 zu tun.“

 

Kann das mit Ihrem Leben in Spanien zu tun haben? Traut man sich nicht, Sie dort zu stören?

 

„Nein, wenn ich heute den Anruf kriege, dann bin ich am nächsten Morgen da, oder wenn der Anruf morgens kommt, auch noch am selben Tag. Ich bin in Spanien auf dem Festland und nicht auf Mallorca. Selbst wenn du sagt, du machst vier oder sechs Sendungen, und plötzlich streiken die Piloten, dann kann ich zur Not mit dem Auto kommen. Das ist alles machbar.“

 

Ihre Figur in „C.I.S.. – Chaoten im Sondereinsatz“, Dr. Alfred Schwarz, ist altersdement – und damit verbindet sich die Frage, ob Krankheit etwas ist, wovor Sie Angst haben?

 

„Ja, ich habe vor Krankheiten Angst und meine Frau würde auch sagen, dass ich ein Hypochonder bin. Ich bin schon einer, der ungern krank ist, ganz schwer ins Bett zu kriegen ist, um sich dort auszukurieren.“

 

Ist das etwas, was sich mit dem Alter verändert hat? Haben Sie früher Krankheiten eher ignoriert und heute ist das sicher auch durch die Krebserkrankung Ihrer Frau anders?

 

„Das kann ohne Weiteres sein, ja. Demenz ist eine furchtbare Krankheit, wobei dieser Dr. Schwarz dabei ja harmlos ist und wir das ins Komödiantische ziehen, wenn er mit einer Banane telefoniert und die auch noch falsch herum hält.“ (grinst)

 

Woher, glauben Sie, dass Ihre Angst vor Krankheit kommt?

 

„Meine Angst rührt von einem Erlebnis, das ich mit meinen Vater gehabt habe. Mein Vater war nie krank, er war ein unglaublich dynamischer Mann. Ich war damals beim Radio in Luxemburg und meine Mutter rief mich an und sagte traurig: ,Papa ist ins Krankenhaus gekommen!‘ Ich sagte, Um Gottes Willen, was hat er? „Prostata.‘ Ich habe gesagt, du, das ist nicht so schlimm, aber ich tausche die nächsten drei Sendungen sofort mit Frank und bin übermorgen in Hamburg. Dann habe ich mit meinem Freund Timmy, also Frank Elstner, getauscht und bin nach Hamburg zu meinem Vater ins Barmbeker Krankenhaus.“

 

Wie war das Wiedersehen?

 

„Ich kam rein, hatte meinen Vater länger nicht gesehen, weil ich relativ weit weg war und wir hatten bei ,Radio Luxemburg‘ jeden Tag Sendung. Ich habe meinen Vater gar nicht wieder erkannt, weil er so zusammen gefallen war. Ich habe meinen Vater wahnsinnig geliebt und er hat zu mir gesagt: Ja, mein Junge, im Moment geht es mir nicht so gut, aber das wird sicher wieder.‘ Dann bin zu seinem behandelnden Arzt und habe gesagt: Tun Sie mir einen Gefallen, ich bin relativ weit weg und ich hänge sehr an meinem Vater – ist es Krebs? Der Arzt stand auf und ging durch den Raum und redet laut: ,Ach, um Gottes Willen, mein junger Freund, ich bitte Sie. Quatsch! Das ist eine Prostata-Geschichte, die ist in 14 Tagen vorbei und in drei Wochen sieht er wieder aus wie vorher!‘“

 

Konnte Sie das beruhigen?

 

„Dieser Arzt war so ein typischer Gott in Weiß – und acht Tage später war mein Vater tot. Dann bin ich natürlich wieder nach Hamburg und dann hat meine Mutter mich in die Leichenhalle geschleppt: ,Du musst dich doch von Papa verabschieden!‘ Und wenn du dann jemanden siehst, der tagelang mit allen möglichen Spritzen aufgepumpt ist, vergisst du das nicht, denn es ist so schrecklich, dass ich immer gesagt habe, nie wieder würde ich in so eine Leichenhalle reingehen und sagen, ich muss mich verabschieden. Das hat mich über Jahre verfolgt.“

 

Das prägt sicher.

 

„Ich sage, ich habe keine Angst vor dem Tod, sondern Angst vor dem plötzlichen Oh-Gott-Erlebnis.“

 

Suchen Sie Ärzte seither anders aus? Sind Sie sensibilisiert?

 

„Der Arzt, der am lautesten redet, muss nicht der beste sein und ich achte darauf, dass ein Arzt etwas von seinem Fach versteht. Ich habe von ärztlicher Kunst keine Ahnung, aber ich bin jemand, der Ärzten zuhören muss und dann erkennt, was der Mann von seiner Kunst versteht. Zuhören können ist für einen Mediziner auch ein ganz wichtiger Punkt.“

 

Wie ist Ihre Einstellung zum Thema Geld?

 

„Ich kann heute noch nicht einfach so Geld für mich ausgeben. Ich gehe heute noch an einem Geschäft vorbei und sage: Mensch, die Jacke sieht gut aus. Dann gucke ich noch mal von der anderen Seite und ich schaue auf den Preis – dann steht da 680.-- Euro. Ich gehe hin und her und sage, dass die Jacke hübsch ist, ich sie aber doch nicht haben muss – und ich kaufe sie dann auch nicht. Wenn meine Frau aber schwärmen würde, ich habe heute ein Kleid gesehen, das kaufe ich es ihr sofort und es ist völlig Wurscht was es kostet. Für mich selber kann ich bis heute nur ganz ungern Geld ausgeben.“

 

Waren Ihnen Statussymbole mal wichtig?

 

„Ich habe ja mal in der Autobranche gelernt und deswegen ist das Auto für mich ein Statussymbol. Auto ist für mich immer etwas gewesen, was etwas ganz Besonderes ist. Ich träume jetzt zum Beispiel von der neuen E-Klasse, überlege aber immer, mein Wagen, ein Mercedes 320 SLK Cabrio, steht jetzt in einer Tiefgarage in der Schweiz bei unserer Wohnung und der hat jetzt 78.000 km gelaufen, ist Baujahr 1989 – und es ist Quatsch, den zu verkaufen.“

 

Hat das Auto für Sie reinen Wert als Status oder sind Sie auch jemand, der an Sicherheit denkt?

 

„Bestimmt ist auch die Sicherheit im Straßenverkehr ein Punkt. Ich gebe aber auch offen und ehrlich zu, dass ein Auto einen Status hat. Ich bin aber auch gerne mit meinem Trabbi vorgefahren. Ich habe mal einen Trabbi zum Geburtstag geschenkt bekommen, wunderschön lackiert und geputzt, aber es war alles irgendwie kaputt, die Schaltung hakte, das Zündschloss war ein Vierkant und man konnte die Türen nicht abschließen. Ich habe alles neu machen lassen und bin mit dem Wagen leidenschaftlich gerne vorgefahren, zum Beispiel vor ,Brenners Parkhotel‘ in Baden-Baden.“ (lächelt)

 

©Wolfgang Wittenburg - Jede Auswertung ist honorarpflichtig (05/2010)

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