Mysterious Women Magazin

Interview - Mareike Carriére

 

Nach 17 Jahren Pause ist die muntere Wahl-Hamburgerin nun wieder an der Seite ihres früheren Serienpartners Jan Fedder aus „Großstadtrevier“ zusammen in einem Film zu sehen – und redet über sich früher und heute

Interview mit Mareike Carrière

„Ich bin nicht ausgeprägt abergläubisch!“

Schauspielerin wollte Mareike Carriére (54) schon immer werden. Heute arbeitet die in Hannover geborene Arzttochter – wie ihr vier Jahre älterer Bruder Mathieu Carriére – mit großem Erfolg in diesem Beruf und sie empfindet sich als privilegiert, weil sie sich ihre Rollen aussuchen kann, sagt: „Die Möglichkeit der Auswahl meiner Arbeiten in meinem Beruf ist für mich auf jeden Fall eine Form von Luxus!“ Populär wurde die zierliche Wahl-Hamburgerin, weil Mareike Carriére in acht Jahren und 62 Folgen die erste Ordnungshüterin in der Fernsehgeschichte in der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“ war. Nach 17 Jahren Pause ist Mareike Carriére in der kurzweiligen Komödie „Meine Tochter und der Millionär“ (22. Mai, 20.15 Uhr, ARD) nun wieder an der Seite ihres früheren Serienpartners aus dem „Revier“ Jan Fedder zu sehen. Im ehrlichen Interview redet Mareike Carriére, die kinderlos mit dem Zahnarzt Gerd Klement (55) verheiratet ist und in einer schmucken Hamburger Altbauwohnung lebt, über sich früher und heute:

Sie spielen noch bis zum 17. Mai in „Die 7 Todsünden“ auf der Bühne der „Komödie Winterhuder Fährhaus“ in Hamburg die hochnäsige Schwiegermutter, und sind in der kurzweiligen Komödie „Meine Tochter und der Millionär“ (22. Mai, 20.15 Uhr, ARD) die hochnäsige Verena von Wrede – machen Sie sich darüber Gedanken, dass Ihnen dieser Typ Frau verstärkt angeboten wird oder ist das weit genug weg von Ihnen und dadurch interessant?

(lacht): „Zur erste Frage: Ja, ich mache mir darüber Gedanken. Zur zweiten Frage, nein, es ist nicht weit weg von mir, denn alles, was ich spiele, kommt aus mir. Ich suche nach den zur Figur gehörenden Gedanken und Gefühlen, und wenn ich die umsetze, entstehen die der Figur entsprechenden Eigenschaften.“

Also müssen Sie für den einen oder anderen Charakterzug vielleicht etwas tiefer in sich gehen und suchen?

„Ja, ich muss offen und durchlässig bleiben für alles, was mich bewegt und bin oft erstaunt darüber, was ich alles finde, wenn ich in mir grabe. Das ist ein spannender Aspekt meines Berufs.“

Wie unterscheidet sich für Sie der Feierabend nach einem Drehtag von dem, nach einer Bühnenvorstellung?

„Nach dem Theaterabend bin ich aufgekratzt und wach. Ich treffe mich mit Freunden, esse etwas, manchmal gehe mit den Kolleginnen noch in ein Lokal, und zuhause setze ich mich meistens noch an den Schreibtisch oder gucke mir einen Film an, um wieder runter zu kommen. Die Pia Reinmann ist eine sehr anstrengende Rolle, sie treibt und drängt und macht den anderen Druck, da brauche ich nach dem Theater eine Weile, um zu entspannen, bis ich dann bettreif bin. Nach einem Drehtag jedoch bin ich einfach leer. Da kann ich gerade noch etwas essen und dann falle ich ins Bett. Das ist vom Energie-Level her ein großer Unterschied.“

Wie ist das mit Ihrem Mann, der dann in der Nähe ist, zu vereinbaren? Kann das bei Dreharbeiten positiv sein, dass Arbeit und Privates räumlich voneinander getrennt sind, wenn Sie in München oder Berlin drehen?

„Ja, denn nach einem 15-Stunden Drehtag bleibt definitiv kaum Raum für Zweisamkeit. Den schaffen wir uns dann an freien Tagen.  Mein Mann und ich haben schon zu Beginn unserer Beziehung vereinbart, dass wir nie länger als drei Wochen voneinander getrennt sein wollen, und das haben wir auch so gehalten“

Tatsächlich?
„Ich war jetzt zwei Monate auf Tournee. Da hat er mich besucht, und ich war auch mal zwischendurch Zuhause. Grundsätzlich finde ich es für eine Beziehung gut, wenn man ab und zu getrennt ist, denn dann wächst auch die Sehnsucht. Und jetzt gerade ist es optimal, in der Stadt zu arbeiten, in der ich lebe. Wenn ich nach der Vorstellung nach Hause komme, bekomme ich von meinem Mann oft etwas gekocht, wir erzählen uns, wie unser Tag war, hören manchmal gemeinsam noch Musik, das mag ich sehr.“

Gehen Sie, wenn Sie auf Tournee sind, gerne alleine ins Kino?

(grinst): „Ich war nicht alleine im Kino, sondern mit den Kolleginnen aus dem Stück.“

Fehlt Ihnen Ihr Mann nicht, wenn Sie so unterwegs sind?

„Wenn ich vom Bahnhof zum Flughafen düse, vom Hotel zum Drehort, oder wenn ich auf Tournee bin, komme ich kaum dazu, ihn zu vermissen. Wenn ich dann abends im Hotel bin,  ist das anders. Oder wenn ich zwischendurch Dinge erlebe, die ich gerne mit ihm teilen würde. Da vermisse ich meinen Mann schon.“

Welche Bedeutung hat Geld für Sie?

„Geld zu haben, beruhigt mich. Aber ich würde mich nicht dafür verrenken, immer mehr davon anzuhäufen. Wenn ich mir anschaue, wie unglücklich viele Menschen trotz ihres materiellen Reichtums sind, kann ich nur sagen: Es gibt Wichtigeres.“

Was würden Sie mit einem Millionengewinn tun?

„Ich bin Jungfrau im Aszendenten, die würde das Geld wahrscheinlich in eine Lebensversicherung investieren. Aber mein Hauptsternzeichen ist Löwe, und der ist verschwenderisch. Wenn ich eine Million zum Ausgeben hätte, dann würde ich eine große Party schmeißen und meinen Freunden all ihre materiellen Wünsche erfüllen. Es würde mich allerdings sehr wundern, wenn sie danach zufriedener wären als vorher, denn schon Wilhelm Busch hat gewusst: ,.... jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.‘ Ich glaube, Materie anzuhäufen, macht innerlich hohl – bzw. umgekehrt.“

Ist das so?

„Ich finde es völlig in Ordnung, sich mit Geld Wünsche zu erfüllen, und ich bin natürlich froh über eine schöne Wohnung, ein Auto, eine Heizung und gutes Essen. Dafür bin ich dankbar, und ich bin mir bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist. Aber sich grundsätzlich jeden Wunsch erfüllen zu können, stelle ich mir schrecklich öde vor. Und wenn ich in die toten Augen so mancher Jet-Setter schaue, sehe ich meine These bestätigt.“

Was war bisher Ihre unnötigste Investition? Haben Sie sich mal etwas angeschafft, was Sie gar nicht gebraucht haben?

„Werfen Sie mal einen Blick in meinen Kleiderschrank, da erübrigt sich meine Antwort. Dort hängen viele unüberlegte Schnellkäufe, Ziemlich viele – ich müsste mal wieder entrümpeln.“ (schmunzelt)

Gibt es da Aussicht auf Besserung? Arbeiten Sie an sich?

(lächelt): „Ja, man hört aus meinen Schweigen, dass es mit der Arbeit an mir, was das anbelangt, nicht so weit her ist. grinst) Ich kann nur sehr schwer wegschmeißen.“

In „Meine Tochter und der Millionär“ kommen zwei Generationen „Großstadtrevier“ zusammen. Sie spielen seit 17 Jahren das erste Mal wieder mit Jan Fedder vor der Kamera – verfolgen Sie die ARD-Serie heute noch?

„Verfolgen würde ich das nicht nennen. Aber wenn ich mal durch die Programme zappe und auf eine Folge stoße, bleibe ich hängen. Ich sehe die Serie heute noch gern.“

Ist das etwas Bleibendes? War Ihre Rolle als erste Polizistin im deutschen Fernsehen die Arbeit, auf die das Publikum am meisten reagiert hat?

„Die Reaktion der Zuschauer war schon enorm, denn eine weibliche Polizistin war vor 20 Jahren sowohl auf der Straße als auch im Fernsehen ein Novum. Viele Menschen identifizieren mich heute noch mit Ellen Wegener, aber ich merke auch, dass da eine Veränderung in der Wahrnehmung stattgefunden hat. Ich bin vor 16 Jahren aus der Serie ausgestiegen, und seitdem haben mich die Menschen in vielen anderen Rollen gesehen, mit denen sie mein Gesicht jetzt verbinden.“

Sie spielen noch bis zum 17. Mai in Hamburg fast jeden Abend Theater – was passiert ab dem 18. Mai?

„Ich habe zwei interessante Drehbücher auf dem Tisch. Da diese Projekte aber noch nicht in trockenen Tüchern sind, spreche ich nicht darüber. Da bin ich abergläubisch. Sie werden`s  aber rechtzeitig erfahren.“

Es kann gleich mit Arbeit weitergehen und Sie brauchen keine Auszeit?

„Ich war zwischen Tournee und Spielbeginn in Hamburg zwei Wochen im Urlaub und bin fit. Außerdem gibt mir das Theaterspielen ungeheuer viel Energie.“

Wären die Dreharbeiten mit einer räumlichen Veränderung verbunden?

„Ja.“

Ist das als Kontrast mal wieder ganz angenehm, nachdem Sie nun wochenlang in Hamburg gelebt und gearbeitet haben?

„Klar. Allerdings hätte ich nach dem Theater gerne so einen kleinen Zwischenstopp, um zum Beispiel die Post abzuarbeiten, die sich seit Jahresbeginn auf meinem Schreibtisch stapelt und Freunde zu treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Aber es stehen Anfragen an, und darüber freue ich mich sehr.“ (lächelt)


Spielen Sie auf der Bühne anders, wenn Ihr Mann im Publikum sitzt?

(grinst): „Das ist ja eine süße Frage: Nein.“

Sie bitten ihn nicht, sich erst ab Reihe 10 hinzusetzen?

„Naja, das ist schon ein Aspekt. Man sieht von der Bühne aus die ersten zwei bis drei Reihen. Da kann man, wenn man sich anstrengt, Gesichter erkennen. Das tue ich aber nicht. Meine Aufmerksamkeit geht nicht ins Publikum. Ich will auch nicht, während ich spiele so ein Aha-Erlebnis haben, „ach, der ist heute da, und wieso guckt der so oder so... Das mache ich nicht. Ich höre oft von den Kolleginnen, wen sie im Publikum sichten. Da halte ich mir lieber die Ohren zu. In dem Moment, wo ich die Bühne betrete, bin ich in meiner Rolle. Natürlich ist für mich das Publikum präsent. Allerdings nur als Gesamtheit, nicht aber einzelne Menschen.“


Hatten Sie  früher mal einen Talisman oder gibt es den heute, wenn Sie auf der Bühne stehen?

„Nein, ich bin nicht ausgeprägt abergläubisch (Manchmal schon, schaden kann es ja nicht!) (grinst). Obwohl es bestimmt tröstlich und hilfreich ist, einen Talisman zu haben, auf den man all seine Ängste und seine Aufregung projizieren kann, aber ich gehe damit anders um. Wenn ich Lampenfieber habe, mache ich das mit mir selber ab. Atmen statt Talisman.“

Können Sie einen Film mit sich daheim entspannt gucken?

„Die Erstausstrahlung schaue ich mir immer an – gerne auch in Gesellschaft von Freunden und Familie. Ich verfolge dann sehr genau, was ich da mache, und bin gespannt zu sehen, was von dem funktioniert, das ich mir für die Rolle gedacht hatte. Da bin ich sehr kritisch.“


Haben Ihr Mann und Ihre Freunde dann 90 Minuten Schweigepflicht und dürfen erst danach etwas dazu sagen?

„Nein, derartige Verpflichtungen gibt es bei uns nicht. Jeder darf sagen, was und wann er will, und wem es nicht gefällt, der soll meinetwegen auch nach Hause gehen. (lächelt) Ist aber noch nicht vorgekommen. Es macht einfach Spaß den Film mit mehreren zu gucken, da entsteht eine andere Energie, als wenn man alleine vor seiner Arbeit sitzt. Und ich bekomme Feedback. Das ist mir wichtig. Ich wünsche mir auch Kritik von meinen Freunden und von meinem Mann, der sehr streng und sehr ehrlich ist. Konstruktive Kritik!“

Wenn Sie über mögliche Projekte nicht reden wollen, können Sie trotzdem sagen, was Sie sich als Rolle nach der Theaterzeit wünschen würden?

„Ich wünsche mir mal wieder eine ernste Rolle. Gerade weil ich in letzter Zeit viel Komödie gemacht habe – das eine, was da in der Schwebe ist, wäre so eine Rolle. Eine gebrochene Frau. Das würde ich gerne spielen. Ich erarbeite für jede Rolle eine individuelle Biographie. Das ist ungeheuer spannend. Zu ergründen, was die Figur bewegt, ihre Schwächen, ihre Fehlbarkeiten, was sie antreibt. Ich habe große Lust auf diese Arbeit.“


Sagen Sie Ihrem Umfeld dann, Daumen drücken oder bei nicht so großem Aberglauben, das nützt sowieso nichts?

„Doch, ich freue mich sehr, wenn die Leute sagen, dass sie mir die Daumen drücken und an mich denken. Das hat auch mit Aberglauben nichts zu tun, sondern mit Energie. Ich glaube an die Energie von Gedanken und die Macht des gesprochenen Wortes.“


Wie gefallen Sie sich als Mutter?

„Das war nicht die erste Mutterrolle für mich, aber so einen großen Sohn zu haben, das hat schon was. Das hat mich irgendwie auch gerührt.“


Würden Sie als Mutter so sehr in das Leben des Kindes eingreifen? Was denken Sie?

„Natürlich würde ich das tun! Jede Mutter greift in das Leben ihrer Kinder ein, und ich wäre da bestimmt keine Ausnahme. Ich glaube allerdings nicht, dass ich meinen Sohn zwingen würde, eine Frau zu heiraten, die er nicht liebt.“


Gesetzt den Fall, Sie wären eine Mutter, gibt es Sachen, die Sie aus Ihrer Kinderstube bestimmt übernommen hätten?

„Ja, die Toleranz, die meine Eltern uns vorgelebt haben. Ich habe Zuhause gelernt, Menschen gegenüber Achtung zu haben und sie nicht zu kategorisieren in gut oder schlecht, in wichtig oder unwichtig. Jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht darauf, angesehen zu werden, egal, woher er kommt und an was er glaubt. Mein Vater hat ein paar Jahre in der Psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses gearbeitet, und wir wohnten in direkter Nachbarschaft zu den Patienten. Wir Kinder hatten gerne Umgang mit ihnen – vielleicht, weil sie in ihrem Verhalten oft auch kindlich waren. Die Haltung meiner Eltern den Patienten gegenüber war immer von Respekt und Achtung geprägt. Das hat sich auf uns übertragen, und dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Ich bin von dieser Toleranz geprägt.“

Gibt es etwas, was Sie aus Ihrer Erziehung nicht übernommen hätten?

„Ja. Meine Eltern waren sehr liberal, auch in der Kindererziehung. Meine Mutter fand es ganz schick, so anarchisch zu sein und hat uns Kinder machen lassen. Ich hätte aber gerne klare Grenzen aufgezeigt bekommen. So ein verlässlicher Rahmen, der von Seiten der Eltern abgesteckt wird, gibt Kindern Halt und Orientierung.“

Wenn theoretisch die Möglichkeit bestehen würde, für eine Woche das Leben eines anderen führen zu können, wessen könnte Ihnen spontan interessant erscheinen?

„Ich möchte niemandes Leben führen, nicht für eine Minute! Aber interessieren würde mich zum Beispiel das Leben des Dalai Lama. Den mal eine Woche lang zu begleiten, stelle ich mir sehr lehrreich vor. Und danach eine Woche mit Mick Jagger.“ (lächelt)


So richtig mit Groupies und so?

„Keine Ahnung, ob er immer noch eine Horde Groupies dabei hat, eher wohl ein paar Krankenschwestern, aber Sie wären der erste, dem ich es erzähle, wenn die Woche um ist.“

Kann es Theater wieder für Sie geben? Gibt es dahingehend Pläne?

„Oh ja, unbedingt! Ich würde sehr gerne wieder Theater spielen! Auch gerade in Hamburg. Und bin darüber auch im Gespräch. Nun muss es nur noch mit dem richtigen Stück und den Terminen klappen. Aber das wird. Da bin ich ganz sicher!“

©Wolfgang Wittenburg - Jegliche  Infoauswertung honorarpflichtig (05/2009)

Textfeld: (V. i. S. d. P.)  Sylvia Knelles
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