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Interview mit Iris Berben |
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zu: „Kennedys Hirn“, (1/2), 3. April, 20.15 Uhr und 21.45 Uhr, ARD
Auch wenn die Schöne im August runde 60 wird, ans Kürzertreten mag Iris Berben keine Gedanke verschwenden – im Interview redet sie über starke Frauen, das Alter und ihren 60. Geburtstag im August
Iris Berben „Optimismus ist eine meiner Triebfedern!“
Obwohl Publikumsliebling Iris Berben (59) in der zweiteiligen Henning-Mankell-Verfilmung „Kennedys Hirn“ (3. April, 20.15 Uhr 21.45 Uhr, ARD) wieder einmal sehr überzeugend in der Rolle einer starken Frau zu sehen ist, so möchte die attraktive Mimin ihre Arbeit nicht darauf reduziert sehen. Iris Berben bemüht sich sogar ganz bewusst gegen diese Etikette zu wirken und die Mimin, die am 12. August runde 60 wird, sieht auch sich selbst nicht als besonders starke Frau an. Während sich Iris Berben in „Kennedys Hirn“ als schwedische Archäologin nach dem rätselhaften Tod ihres erwachsenen Sohnes mutig auf Spurensuche begibt, sind die Frauentypen ihrer nächsten Filme bewusst andere. Über ihre verschiedenen Arbeiten redet die sympathische Mimin, die ihre Freizeit mit Jack-Russel-Terrier Paul und ihrem Lebensgefährten Heiko Kiesow (48) teilt, sehr gern und nimmt ausgiebig Stellung, über ihr Privatleben allerdings hüllt Iris Berben lieber den Mantel des Schweigens:
Bevor Sie „Kennedys Hirn“ zu drehen begonnen haben, waren Dreharbeiten zum Dreiteiler „Krupp – Eine deutsche Familie“ und dazwischen hätten Sie sich eigentlich eine kleinere Pause gewünscht. Konnten Sie die bereits nachholen?
„Ich übe immer noch, zwischendurch mal Pausen zu machen, aber ich bekomme dies bestimmt auch einmal hin.“
Wie sieht so eine Pause dann aus? Im Beruf müssen Sie sehr diszipliniert sein, es gibt feste Zeiten, Dispos, Sie werden gebracht und geholt und arbeiten im Team. Gibt es Sie ohne Arbeit komplett undiszipliniert und bis mittags schlafend im Bett?
„Nach anstrengenden Dreharbeiten wie bei ,Kennedys Hirn‘, die mit Vorbereitung über Monate dauerten und mich in drei Kontinente führten, wünsche ich mir natürlich, eine Pause einzulegen und einfach mal los zu lassen, jetzt mal die Zügel aus der Hand geben. Ehrlich gesagt, wüsste ich aber gar nicht einzuschätzen, wie lange das bei mir wohl gut geht.“
Gibt es da Erfahrungswerte?
„Letztes Jahr beispielsweise habe ich bis Weihnachten gedreht und habe Anfang Februar wieder angefangen. Die übrige Zeit war ich auf Lesereise mit ,Frauen bewegen die Welt‘. Das geht mir immer so und ist vielleicht eine Wesensart, die mir gut tut. Wenn das nicht so wäre, würde ich es ändern. Wenn andere Menschen sich bis mittags schlafend erholen, regeneriere ich mich durch unterschiedliche Arbeit. Natürlich überlege ich genau, wo ich mich engagiere – gerade jetzt, wo diese Riesenzahl auf mich zukommt. Das ist natürlich Lebenszeit, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie bei meiner Arbeit verloren wäre.“
Sondern?
„Das ist eine andere Form von Lebenszeit. Ich kann mir auch vorstellen, dass mal schön wäre, ganz banal ins Blaue hinein leben zu können. Ich glaube aber, in dem Moment, wo ich das so dringend möchte, weil es auch mein Körper und meine Seele brauchen, dann wird mir das gelingen.“
Ist der Hund, Paul, womöglich so ein wenig der Schritt in Richtung dieser privaten Normalität gewesen?
„Paul habe ich jetzt schon acht Jahre.“
Ein Hund fordert aber doch auch Zeit für sich ein und Aufmerksamkeit, auch wenn er gut mit der Arbeit zu vereinbaren ist?
„Nein, Paul ist für mich ein klasse Komplize, bei den vielen und langen Hotelaufenthalten, die ich habe, ist mein Hund einfach ein toller Begleiter. Wir sind ein eingespieltes Team.“
Im Zweiteiler „Kennedys Hirn“ (Sendung: 3. April, 20.15 Uhr und 21.45 Uhr, ARD) sind Sie eine couragierte Frau, wie im Leben – nicht erst seit der Ehrung mit dem Leo-Beck-Preis. Reizen Sie als Schauspielerin mehr die anderen Charaktere oder sollen Figuren möglichst weit weg Ihnen sein?
„Ich suche die Rollen nicht danach aus. Im Kinofilm ‚Es kommt der Tag' spiele ich einen ganz anderen Typ von Frau. Ich finde, die Figuren sind unterschiedlich, obwohl ich weiß, dass man sich als Schauspielerin vor einer Etikettierung in Acht nehmen sollte. Die Menschen verwechseln sehr leicht die Rolle mit der Schauspielerin. Auch wenn ich starke Frauenrollen spiele, ändern sie ihre Meinung, wenn sie genauer hinsehen.“
Ist das so?
„Ich weiß auch gar nicht, ob die Louise Cantor so couragiert ist, sondern sie ist vielmehr verzweifelt und ist fast stoisch. Ich sehe diese Verhaltensweisen aber in ihrem Beruf als Archäologin begründet, Puzzle zusammen setzen, Steine zusammen fügen, ein Bild entstehen lassen, suchen, suchen und suchen, bis es endlich so weit ist. Das hat etwas Analytisches, aber was heißt starke Frau? Das ist ein so beliebiger Ausdruck geworden.“
Warum erscheinen Sie vielen Menschen so?
„Man wird anders wahrgenommen, weil man in der Öffentlichkeit ist. Das Buch ,Frauen bewegen die Welt' mit Nicole Maibaum ist genau deshalb entstanden: Der Verlag wollte, dass ich über mich schreibe, ich aber wollte das nicht. Ich wollte nicht nur über starke Frauen schreiben, sondern über Frauen, die es überall auf der Welt gibt, die Dinge in die Hand nehmen. Manchmal ist Wut oder Hass der Auslöser, mitunter das Gefühl, allein gelassen zu sein, manchmal ist es Lebenswille und die einzige Möglichkeit zu überleben. Das ist ganz unterschiedlich, aber ich persönlich fühle mich mit diesem Etikett ‚starke Frau' nicht wohl. Ich habe einen weiteren Film gemacht, ‚Meine verrückte Familie' heißt der, da bin ich alles andere als stark, sondern das ist eine ganz verunsicherte Frau, die zwischen allen Stühlen steht und überhaupt nicht weiß, wo es weiter geht. Ich würde schon gerne eine große Bandbreite von unterschiedlichen Dingen spielen, um dieses Etikett auch nicht ständig zu bekommen und quasi erfüllen zu müssen.“
Tun Sie als Louise Cantor in „Kennedys Hirn“ etwas, was Sie in all den Jahren als TV-Kommissarin im ZDF-Samstagskrimi „Rosa Roth“ vermeiden - schießen?
„Absolut richtig, ich streite mich jedes Mal darüber, wenn Rosa Roth schießen soll.“
Wie war das bei „Kennedys Hirn“?
„Auch hier war es eine Geschichte, über die wir uns lange mit dem Produzenten Ronald Mühlfellner und Regisseur Urs Egger unterhalten haben. Was passiert da mit der Figur Louise Cantor? Wie kommt es dazu, dass diese Frau schießt? Sie erschreckt sich selber darüber, dass es passiert ist. Sie wusste gar nicht, dass sie so etwas fertig kriegt. Und das ist noch mal etwas anderes, aber Sie haben recht.“
Empfinden Sie die Art von Rollenangeboten, die an Sie heran getragen werden, auch als eine Form von Ernte nach all den Jahren mit Erfolg im Schauspielberuf?
„Ja, so ein bisschen ernte ich jetzt und das ist ein gutes Gefühl. Ich blicke schon auf ein kraftvolles und sehr gefülltes und facettenreiches Berufsleben zurück. Aber ich will nicht nur zurück, sondern auch noch gnadenlos weiter nach vorne gucken. Ich denke, ich werde von außen dahin gedrängt – da ist zum 60. Geburtstag Resümee angesagt. Das kenne ich schon von meinem 50. Geburtstag. Das wurde auch zu einer Art Dienstjubiläum stilisiert. Eine Bilanz ziehe aber auch gerne zwischendurch, mitten in der Nacht für irgendetwas, wenn ich über Dinge nachdenke. Aber so eine runde Zahl wird natürlich in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen, und ich selbst nehme sie auch anders wahr. Ich finde auch, dass gerade in diesen letzten Jahren Filme wie ,Es kommt der Tag', oder andere, mir eine neue Dimension als Schauspielerin eröffnen. Vielleicht brauchte ich so lange, mich dahin zu entwickeln.“
Gab es vor 20 oder 30 Jahren auch mal den einen oder anderen dunklen Gedanken darüber, wie es heute wohl aussehen würde?
„Mit 50 Jahren habe ich für ein knappes Jahr rigoros aufgehört. Damals habe ich mit dem Auschwitz-Buch Lesungen und Diskussionen an Schulen organisiert. Ich dachte, ich müsste das selber in die Hand nehmen. Ich war an einem Punkt, mit der Schauspielerei aufzuhören. Damals wollte ich einer Situation quasi zuvor kommen, bevor ich einen Zeitpunkt vielleicht nicht sensibel genug wahrnehme oder bevor vielleicht mein Ego angeknackst wird, wollte ich den Zeitpunkt selbst bestimmen. Das hat Marlene Dietrich 20 Jahre früher auch gemacht, aber ich habe nach einem Dreivierteljahr gemerkt, dass meine Sorge ohne Grund war und es mir nicht gut tut. Heute hoffe ich, wach genug darauf zu achten, zu merken, wann ist der Punkt gekommen oder kommt er vielleicht gar nicht oder muss man ihn gar nicht bestimmen. Heute habe ich jedenfalls dieses Gefühl nicht mehr, ich müsste meinen Abschied von der Leinwand in Angriff nehmen.“
Haben Sie eine Portion Grundoptimismus?
„Optimismus ist eine meiner Triebfedern, genauso wie der Humor. Beides sind feste Bestandteile meines Lebens und das beflügelt mich. Ich finde, es ist immer wichtig für gute Stimmung zu sorgen, schlechte gibt es unter den Menschen nämlich schon genug.“
Geht der ZDF-Samstagskrimi „Rosa Roth“ mit Ihnen als Kommissarin weiter?
„Ja, wir haben vor Weihnachten zwei Filme abgedreht.“
Bleibt die Schlagzahl mit zwei Filmen pro Jahr?
„Ja, aber im letzten Jahr haben wir keinen gemacht und deshalb gibt es ‚Nachholbedarf', vor allem mit dem wunderbaren Thomas Thieme, der neu im Team ist. Wir wollten auch für Rosa Roth, dass sich mit Thieme so zwei Erwachsene auf Augenhöhe begegnen, zwei gelebte Leben, die auch wissen, worum es geht.“
Wir müssen über Ihren 60. Geburtstag, am 12. August, reden - ist das für Sie ein Grund zum Feiern oder mehr zur Flucht, vielleicht zur Mutter nach Portugal?
„Klar, werde ich meinen Geburtstag feiern! Ich weiß noch nicht, wie? Aber ich werde das Ereignis feiern und ich ziere mich ganz und gar nicht. Was ist denn die Alternative zum 60. Geburtstag? Gar nicht mehr da zu sein? Nein, danke!“
Sind sie auf dem Weg, schwer damit umgehen zu können, dass Ihre Lebenszeit kürzer wird, obwohl Sie doch noch viel vorhaben, weiter gekommen?
„Nein, ich bin nach wie vor nicht damit zufrieden, dass Lebenszeit weniger wird, obwohl ich noch so viel zu erledigen habe. Aber ich arbeite daran, denn ich glaube, diese Einstellung hat jeder Mensch, der älter wird. Das hört in sich zunächst immer alles so sehr weit weg an und wenn es dann spürbar näher kommt, macht es das nicht einfacher.“
©Wolfgang Wittenburg - Jegliche Infoauswertung honorarpflichtig (03/2010)
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