Jochim Fuchsberger Interview

 

 

zu: „Die Spätzünder“, 3. Februar, 20.15 Uhr, ARD

 

Nach überstandener, schwerer Krankheit startet Blacky Fuchsberger nun wieder voll durch, ist mit einer wunderbaren Hauptrolle im Fernsehen zu sehen und verbringt seinen diesjährigen Geburtstag über den Wolken

 

Joachim Fuchsberger

„Solange der Kopf arbeitet, ist alles andere erträglich!“

 

Nachdem der in Ehren ergraute Publikumsliebling Joachim Fuchsberger zuletzt vor rund drei Jahren als Schauspieler in einem Kinofilm vertreten war, ist die Zeit nun endlich wieder reif für eine besonders schöne Hauptrolle in der wunderbaren und schrägen Komödie „Die Spätzünder“ (Sendung: 3. Februar, 20.15 Uhr, ARD). Darin spielt der gebürtige Stuttgarter einen gewieften Charmeur, der in einer Wiener Senioren-Residenz kurzerhand die Seniorenband „Die Spätzünder“ mit ins Leben ruft. Nach überstandener, schwerer Krankheit startet Blacky Fuchsberger – seit 56 Jahren mit Ehefrau Gundel (wird am 24. März 80!) glücklich und verheiratet – nun wieder voll durch. Die Dreharbeiten für die brillante Hauptrolle im Film war ihm ein Vergnügen und seinen 83. Geburtstag, am 11. März, wird der legendäre Film-Kommissar aus 13 Edgar-Wallace-Verfilmungen und perfekte Gastgeber und Moderator von 300 Sendungen der Talkshow „Heut Abend“ in diesem Jahr über den Wolken verbringen. Im Interview macht Blacky Fuchsberger um das Thema Krankheit lieber einen Bogen, trotzdem ist auf seine Initiative hin das Thema Sterben in der Komödie „Die Spätzünder“ eingebaut worden, wie Blacky Fuchsberger offen und ehrlich verrät:

 

Sie sind als Schauspieler, Moderator und Entertainer ein Vollprofi –  haben Sie beim Lesen des Drehbuches schon geahnt, dass die schräge Komödie „Die Spätzünder“ (Sendung: 3. Februar, 20.15 Uhr, ARD) ein toller Film wird oder was war der Impuls, darin wieder einmal eine Rolle zu übernehmen?

 

„Ich lebe in den letzten Jahren sehr gerne vom Ablehnen, und als ich das  Buch bekam, da habe ich gedacht, das ist ja wieder so ein Teil. Dann aber habe ich es gelesen und da wusste ich, das wird etwas! Die Geschichte ist hervorragend geschrieben und ich war von Anfang an der Überzeugung, das ist etwas, wofür es sich lohnt, Ja zu sagen und sich stark zu machen. Die Begegnung mit allen Beteiligten war dann eine reine Offenbarung!“ (lächelt)

 

Ist das eine Form von Luxus für Sie, in den letzten Jahren vom Ablehnen leben zu können?

 

„Absolut richtig, es ist der schönste Luxus, den ich mir im hohen Alter leisten kann, Nein sagen zu können, ohne deswegen Not leiden zu müssen. Es gibt sicherlich viele meiner Kollegen, die sagen: wovon sollen wir sonst leben?“

 

Geht es einher mit der Einstellung, Lebenszeit nicht mehr vergeuden zu wollen?

 

„Nein, so weit kommt es gar nicht, sondern wenn ich ein Buch lese, dann weiß ich präzise genau, ob ich das machen will oder nicht. Und wenn ich die geringsten Zweifel habe, dann ist die Überlegung bei mir ziemlich klar, dafür lohnt sich die physische und psychische Anstrengung nicht – in so eine Falle begebe ich mich gar nicht mehr!“

 

Entscheidet Ihre Frau mit oder tun Sie das im Alleingang?

 

„Nein., meine Frau ist nicht nur mitentscheidend, sondern sie ist die letzte Instanz. Wenn sie sagt, lass die Finger davon, dann mache ich das, weil Frauen generell eine stärkere Intuition haben, ein besseres Gefühl für die Dinge und eben nicht nur davon ausgehen: was kriege ich dafür? Wie viel kann ich da verdienen? Kriege ich da gute Headlines oder positive Publicity? Sondern Gundel sagt: Nee, das ist nichts für dich – das wollen wir nicht mehr!“

 

Und Sie meinen, Männer lassen sich eher von anderen Gedanken steuern?

 

„Wir Männer sind immer noch auf Beute aus. Das ist ja eigentlich unsere Bestimmung oder man denkt zumindest, das sei sie. Ich persönlich halte die übliche Rollenaufteilung zwischen Männern und Frauen für schiere Idiotie, denn  die gibt es nicht mehr. Sondern es gibt Frauen, die vertreten die männliche Seite viel besser als die Männer und umgekehrt. Die Menschen sollen sich gegenseitig nach ihren Fähigkeiten helfen – so ist es in meiner immerhin 56-jährigen Ehe: Meine Frau bestimmt sehr viel mehr auf den Gebieten, was mit unserer Familie geschah und geschieht, die eigentlich meine Aufgabe wären. Meine Frau verwaltet die Finanzen und alle meine Geschäfte.“

 

Ist das so?

 

„Ich habe meiner Frau am Tage unserer Hochzeit gesagt, ich glaube, ich kann immer Geld verdienen und für dich sorgen – und, sollten wir Kinder haben, für die auch. Wenn wir aber irgendwann in unserem Leben kein Geld mehr haben sollten, dann ist es deine Schuld – aber das hat fabelhaft funktioniert. Auch wenn ich vom ersten Tag an klargemacht habe: die Küche ist mein Reich, denn ich koche sehr gerne und besser – jetzt nicht mehr besser, denn in der Zwischenzeit hat meine Frau wunderbar kochen gelernt – bei mir allerdings – da kann nie etwas schief gehen, wenn sie für mich etwas kocht, sondern es ist immer genauso wie ich es möchte.“ (lächelt wieder)

 

Menschen sollen sich gegenseitig nach Ihren Fähigkeiten helfen – ist das auch eine Botschaft des Films „Die Spätzünder“?

 

„Der Film zeigt die Möglichkeiten des gegenseitigen Respekts, der – wie sehr deutlich wird – am Anfang nicht vorhanden ist zwischen der Rolle des Jan Josef Liefers, der mit allen Vorurteilen in dieses Altersheim kommt, in dem man ihm mit den gleichen Vorurteilen begegnet. Und dann gleicht man sich an, wobei der eine und die anderen merken, dass da eigentlich gar keine Brücken gebaut werden müssen, sondern sie sind alle schon da, sie müssen nur wieder geöffnet werden.“

 

War die Rolle des schlitzohrigen Degenhard Schagowetz gleich die Ihre oder hätten Sie auch die des Herrn Klüger im Rollstuhl spielen wollen?

 

„Ich sollte ursprünglich tatsächlich die Rolle des Herrn Klüger von Hans-Michael Rehberg spielen – und habe gesagt, der Degenhard liegt mir aber besser, ich hätte gerne den Degenhard. Der Rehberg war für die Rolle, die er spielt, geradezu prädestiniert, er macht das so fabelhaft. Wir kennen uns seit vielen Jahren, weil wir mal zusammen in Afrika gedreht haben und ich schätze ihn außerordentlich. Und ich habe ihm im Nachhinein gesagt: Mensch, ich sehe wie schlimm es für mich geworden wäre, wenn ich das gespielt hätte. So gut, wie du das machst, kann das kein anderer. Aber der Degenhard, der lag mir eben, denn das ist mein Naturell. Ich habe ihn nur noch etwas mehr in Richtung grumpy old man gedrückt und gesagt, der muss noch ein bisschen rebellischer werden.“ (schmunzelt)

 

Dieser missmutige, alte Mann hat es faustdick hinter den Ohren, stiehlt sich aus dem Heim davon, besorgt Zigaretten und Alkohol und versorgt damit klammheimlich die Heimbewohner.

 

„Als ich das Drehbuch bekam war mir ein großes Anliegen, dass ich gesagt habe: ein tolles Buch, aber mir fehlt eines, ich vermisse in einem Altersheim das ständige Vorhandensein des Todes. Deshalb wurde nachträglich eingefügt, dass diese wunderbare Libgart Schwarz als Geigerin der Berliner Philharmoniker während des Films das Zeitliche segnet, was dem Film sicherlich noch mal eine andere Dimension gibt. Man sagt heute aber, immer, wenn du krank bist, dann ist es Glückssache, dass du zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, den richtigen Doktor erwischt, um zu überleben. Und so ist es heute beim Film auch ein wenig, es ist eine ungeheure Glückssache, in einem guten Buch, bei einer richtigen Produktion und dem richtigen Regisseur und den richtigen Kollegen zusammen zu kommen – dann wird etwas gut. Wenn man sich hinsetzt und alles als, es ist nun mal so, weil die Zwänge es so gerichtet haben, hinnimmt, sondern man sollte sagen, sind wir alle in der Lage das Maximum zu bieten? Als ich dann zum Drehort nach Wien kam und all die umwerfend guten Kollegen getroffen habe, die alte Garde vom Wiener Burgtheater, da ging mir das Herz auf, denn das war einfach eine Lust, mit denen zu arbeiten. Da wurde eben nicht von vornherein gesagt: Das steht hier ja so, also dann machen wir es auch so. Sondern es wurde immer wieder mit dem Regisseur diskutiert, dafür blieb immer Zeit, und das war auch mit das Schöne an dieser Produktion.“

 

Sie haben gesagt, dass Sie bei den 13 Edgar-Wallace-Verfilmungen auch schon jeweils großes Glück mit Drehbuch, Produktion, Regie, Besetzung hatten und  bei „Die Spätzünder“ stimmte die Konstellation wieder. Sagen Sie heute auch deshalb lieber ein Angebot ab, weil Sie das Glück nicht zu oft herausfordern wollen?

 

„Nein, das tue ich nicht, sondern ich bin nach wie vor offen und prüfe, was ich an Angeboten auf den Tisch bekomme. Gott sei Dank bin ich in der glücklichen Lage, mir auswählen zu können, wofür ich mich noch mal anstrenge.“ 

 

Über die Dreharbeiten zu „Die Spätzünder“ haben Sie gesagt, dass dabei alten Leuten manchmal mehr abverlangt worden ist, als die eigentlich körperlich zu leisten fähig waren, aber niemand hat sich beschwert. War es wirklich so, dass es beim Drehen an die Grenzen ging?

 

„Natürlich war es ein paar Mal mühsam, ja, denn 80-Jährige sind nicht mehr so widerstandsfähig. Es mussten auch ein paar Szenen aus der bitteren Eiseskälte der Nächte herausgenommen und ins warme Studio verlegt werden. Bibiana Zeller wurde krank, ich wurde krank und landete in Wien im Krankenhaus. Das war nicht zu vermeiden. Ja, es ging manchmal für uns alte Leute an die Grenzen des Physischen, wobei wir vieles übertauscht haben, weil wir physisch so gut drauf und so begeistert von der Arbeit und auch über die Behandlung durch die Produktion waren.“

 

Aber der Film transportiert natürlich ganz im Gegenteil, ein sehr agiles und fittes Bild Ihrer Generation!

 

„Richtig und ich glaube nach wie vor, dass man einem Film oder einem großen Fernsehspiel ansieht, ob sich diejenigen, die es gemacht haben, dabei wohl gefühlt haben. Ich denke, dass merkt man als Zuschauer.“

 

Wenn Sie Film und Fernsehen heute sehen und die Machart vergleichen mit der von damals – was sagen Sie zum deutschen Fernsehen? Sehen Sie es gerne oder hat es bald keinen Sinn mehr?

 

„Es ist immer schlimm, so eine Frage zu beantworten, weil man sich damit eigentlich um die Wahrheit bringt. Ich vermeide immer, zu sagen, früher war alles besser – es war aber alles anders. Es kam aber auch unter anderen Bedingungen zustande, die Zeiten haben sich geändert, wir leben heute schnelllebiger. Ich sage immer wieder, ich greife nie Kollegen an, die etwas Bestimmtes tun, denn alle unterliegen dem Zwang des Formats, das man ihnen schlicht und einfach aufdrückt.“

 

Gibt es für Sie uneingeschränkt angenehme Unterhaltung? Sagen Sie, wenn Thomas Gottschalk das Familienprogramm „Wetten dass …?“ präsentiert, dann schaue ich gerne zu?

 

„Ich persönlich würde nach zwei Auftritten bei Gottschalk, ein drittes Mal nicht mehr hingehen, weil mir diese Bank da auf den Keks geht. Das ist eine andere Geschichte, denn ich sehe zum Beispiel den Umgang mit Menschen sehr differenziert. Bleiben wir mal bei Thomas Gottschalk und setzen als Pendant dagegen den Günther Jauch. Der eine geht mit Menschen ganz anders um, er hat aber auch ein ganz anderen Format, und zwar nicht das Format der handelnden Personen, sondern das Sendeformat, in das sie gesteckt sind. Thomas Gottschalk hat eine ganz andere Aufgabe bei ,Wetten dass …?‘. Ich kenne Gottschalk sehr gut und ich schätze ihn außerordentlich, aber ich spüre seinen Unmut, über das, was man ihm da aufzwingt, wenn er internationale Gäste hat, die dann mitten in der Schau, nachdem sie mit ihrer Promotion für irgendwas abgefrühstückt wurden, schlicht und einfach die Show verlassen. Da merkt man, die kommen nur, damit sie ihr Ding da loskriegen und dann gehen sie wieder. Nur ganz wenige bleiben bis zum Schluss und werden dafür hochgelobt, aber dabei ist es doch selbstverständlich, dass man wenn man  zu einer Sendung wie ,Wetten dass …?‘ geht, vom Anfang bis zum Ende dabei bleibt. Darunter leidet jeder Moderator! Was soll der arme Kerl machen, wenn die sagen, ich habe meinen Privatjet und der muss weiter?“

 

Und das hat es in der Form früher nicht gegeben?

 

„Überhaupt nicht und ich hatte bei meiner Talkshow ,Heut Abend‘ das große Glück, als Format vom Bayerischen Rundfunk und vom Südwestrundfunk, der zu Beginn mit dabei war, genehmigt zu bekommen, bei dem ich mit einem Menschen 45 Minuten lang ein Gespräch führen durfte und nicht fünf oder sechs oder acht hintereinander abzudienen hatte. In dem Fall muss ich natürlich ein rasantes Tempo vorliegen. Nun ist natürlich ein Johannes B. Kerner ein solch Geschliffener und so schnell in seinem Kopf, aber der Gast, der dann dort sitzt, meint, er muss genauso gut und schnell wie Kerner sein. Dadurch kommt in eine Sendung so eine Hektik hinein, die mir unangenehm ist.“

 

Deshalb tauchen Sie dort auch nicht als Gast auf?

 

„Ich gehe gerne in große Shows und ich gehe auch gerne in Talkshows mit mehreren Personen, wenn es um ein Thema geht, dann muss mich aber Thema interessieren, nicht nur, weil ich als Petersilie da mit in der Suppe schwimme, sondern dann will ich zu dem auch etwas zu sagen haben, sonst bleibe ich weg.“

 

Was machen Sie am 11. März, Ihrem Geburtstag? Ist das noch ein Tag im Jahr, an dem Sie ordentlich feiern?

 

„An dem Tag sitze ich im Flugzeug von Australien zurück nach Deutschland. Da fliege ich am 10. März in Sydney weg und bin an meinem Geburtstag im Airbus 380 auf dem Weg von Sydney nach Dubai und weiter nach  München.“

 

Aber Ihre Frau wird neben Ihnen sitzen?

 

„Meine Frau sitzt immer neben mir!“ (schmunzelt)

 

Feiern Sie Geburtstage noch oder ist der Tag über die Jahre Routine geworden?

 

„Mein lieber Freund, nicht den 83., aber vielleicht den 85. –  das ist dann wieder so ein Datum, an dem alle gratulieren. Ich freue mich an meinem 83. Geburtstag in der Früh, genauso wie an jedem anderen Tag, wenn ich aufwache, dass ich noch mal aufgewacht bin!“ (lächelt)

 

Wenn urplötzlich die berühmte, gute Fee auftaucht und Sie haben drei Wünsche frei, welche sind das spontan?

(überlegt lange): „Ich bin eigentlich wunschlos glücklich.“

 

Sie würden die gute Fee unverrichteter Dinge wegschicken?

 

„Ich würde sagen, Danke für das Angebot, aber … Nachdem ich gerade eine sehr gefährliche Zeit hinter mir habe, würde man normalerweise Gesundheit sagen. Wenn ich mir aber etwas wünschen darf, dass mein Kopf noch lange arbeite, denn der ist das Wichtigste. Die Beine versagen schön langsam ihren Dienst, wie man sehen kann, und das gehört ja alles mit zu diesem Prozess. Aber der Kopf muss arbeiten, denn so lange der Kopf arbeitet, ist alles andere erträglich.“

 

©Wolfgang Wittenburg -Jede  Infoauswertung honorarpflichtig (01/2010)

 

Textfeld: Mysterious Women Magazin

 

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