Katerina Jacob - Interview

zu: „Die Alpenklinik – Liebe heilt Wunden“, 19. März, 20.15 Uhr, ARD

 

Zum ersten Mal nach ihrem Rauswurf aus der früheren SAT.1-Serie „Der Bulle von Tölz“ wieder in einer Sendereihe – im Interview verrät die muntere Tochter von Ellen Schwiers, warum Katerina Jacob ihre neueste Filmrolle als eine Hommage an die verstorbene Kollegin Eva-Maria Bauer ansieht und wie wichtig ihr persönlich gute Mediziner sind

 

Katerina Jacob

„Ein Schönheits-Chirurg wird sich an mir die Zähne ausbeißen!“

 

Es ist der fünfte Film der ARD-Heimatreihe „Die Alpenklinik“ mit Frauenschwarm Erol Sander (41) als Herzchirurg Dr. Daniel Guth in der Hauptrolle – aber der erste Film mit Katerina Jacob (52) als Oberschwester! Zum ersten Mal seit Katerina Jacobs Rauswurf bei der früheren SAT.1-Serie „Der Bulle von Tölz“ an der Seite von Ottfried Fischer geht Katerina Jacob nun wieder in einer Sendereihe an den Start und die Rolle in „Die Alpenklinik – Liebe heilt Wunden“ (Sendung: 19. März, 20.15 Uhr, ARD) hat sogar Fortsetzungspotential. Im Interview dazu redet Katerina Jacob – genauso wie es ihre Art ist – offen und ehrlich über sich und die Arbeit, beschreibt, warum sie ihre neueste Filmrolle als Hommage an die verstorbene Kollegin Eva-Maria Bauer († 2006) sieht und ihre ganz persönliche Einstellung zu Ärzten:

 

Sie sind als Neueinsteigerin im fünften Film der Sendereihe „Die Alpenklinik – Liebe heilt Wunden“ (Sendung: 19. März, 20.15 Uhr, ARD) zu sehen und es scheint sich eine längere Zusammenarbeit anzubahnen, denn Sie sind die neue Oberschwester in der TV-Klinik?

 

„Ja, das wusste ich auch nicht. Eigentlich ist das nicht so mein Genre, aber ich habe das Angebot angenommen, weil der Regisseur Peter Sämann ist und ich mich auf ihn blind verlasse – und weil ich mit Erol Sander noch nie gedreht hatte und einige nette Kollegen dabei waren. Ich habe dann das Drehbuch gelesen und wurde immer stiller, weil ich von der Oberschwester gelesen habe und dass sie bleibt. Dann habe ich die Produktionsfirma angerufen und gesagt, dass ich keinen Vertrag über die nächsten 10 oder 20 Folgen unterschreiben werde. Insofern ist es erst einmal auf einen Film begrenzt, die warten dann die Quote ab und wenn die gut ist, werden sie wohl weiter machen.“

 

Sie mussten bei dem Angebot trotz des nicht übliches Genres aber nicht lange überlegen?

 

„Nein, der Regisseur war Ausschlag gebend und so schlecht fand ich die Rolle beim Lesen auch nicht. Es gab eine wunderschöne Szene mit Erol Sander und dann habe ich das durchgezogen.“ (grinst)

 

Wie ist dieser Mann denn? Wie war Ihre Erfahrung mit Erol Sander zu drehen?

 

„Ich komme mit schwierigen Leuten gut klar.“ (schmunzelt)

 

„Die Alpenklinik“ wird in Österreich gedreht. Sie leben, wenn Sie in Deutschland sind, am Starnberger See und ansonsten in Kanada. Reisen Sie der Arbeit wegen immer noch so gerne, wenn Sie es doch in Bezug auf Kanada schon so oft tun müssen. Hat sich dadurch Ihr Haltung zum Drehen in Ausland verändert?

 

„Ich werde jetzt ein Jahr lang in Deutschland bleiben und dieses Jahr nicht mehr nach Kanada reisen, denn meine Mutter wird dieses Jahr 80 und dann kommt meine Tochter mit Enkel hierher. Insofern hat sich das für mich etwas verschoben und ich möchte jetzt einmal den kompletten Sommer über hier bleiben, auch um mich mehr auf meine Arbeit zu konzentrieren.“

 

Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu Arzt und Krankenhaus? Gehen Sie regelmäßig hin oder eher nicht?

 

„Ich gehe zum Arzt nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, denn ich habe eine große Phobie vor Spritzen und damit sind Ärzte ja immer schnell dabei.“

 

Ist es so, wie Erol Sander in dem Film sagt: „Man will es nie so genau wissen und deshalb geht man Ärzten lieber aus dem Weg.“?

 

„Ja, wenn man relativ gesund ist, dann heilt sich der Körper auch sehr gut selber. Natürlich mache ich meine Krebs-Vorsorgen und auch einmal im Jahr den totalen Blut-Check – mit vier Leuten, die auf mir sitzen müssen, um mich ruhig zu halten. (lächelt) Aber ich bin pumperlgesund und man sollte es mich Arztbesuchen nicht übertreiben. Ich renne nicht mit jeder Erkältung zum Arzt und ich habe auch schon Knöchelbrüche gehabt, bin nicht zum Arzt gegangen und die sind auch wieder geheilt. Das geht.“

 

Kann Ihre Einstellung von Negativ-Erfahrungen kommen? Gab es prägende Ereignisse wie zum Beispiel einige Fehlgeburten, die Sie erlitten haben?

 

„Sicherlich ist es ganz wichtig, an einen guten Arzt zu kommen, aber manchmal ist man schlicht und einfach auch blöd. Ich hatte mit 18 einen schweren Autounfall und hatte danach, weil man mir nicht gesagt hat, dass die nach einem Jahr wieder raus müssen, jahrelang eine riesige Platte mit zwei Nägeln da drinnen und konnte zum Schluss gar nicht mehr laufen. Irgendwann waren die Schmerzen so groß und ich bin keine Treppe mehr hochgekommen, also bin ich dann doch mal zum Arzt gegangen. Der hat gesagt: Sind Sie wahnsinnig? Wie lange haben Sie die Dinger jetzt im Körper. Ich sagte über 20 Jahre – und er nur noch: Um Gottes Willen! Dann haben sie mir die Dinger wieder rausgeholt und plötzlich konnte ich wieder gut laufen und hatte keine Schmerzen mehr – das hätte ich früher haben können.“

 

Haben Sie einen guten Arzt? Sind Sie heute in guten Händen und waren die schwer zu finden?

 

„Ich habe im Bekanntenkreis sehr viele Ärzte. Ich habe den besten Frauenarzt, den es gibt, der wirklich auch nachgewiesen der Beste ist – und seine Frau ist eine sehr gute Hautärztin. Ich habe einen ganz tollen Bekannten, der in Beinen macht und einen sehr gute Internisten. Ich habe alle Mediziner griffbereit, sogar einen Schönheits-Chirurgen hätte ich, aber der wird sich an mir die Zähne ausbeißen. Aber eine Schönheits-Operation kommt für mich generell nicht in Frage, denn das ist ja sehr mit Spritzen verbunden und das geht gar nicht. Und mein Zahnarzt sieht mich einmal im Jahr, aber da kriege ich vorher immer so kleine, blaue Pillen, die mich weg beamen.“ (schmunzelt)

 

Ist das in Kanada ein Problem für Sie, weil Ihre guten Ärzte alle so weit weg sind? Was passiert, wenn Sie da mal medizinische Hilfe benötigen?

 

„Kanada hat es sehr gutes Arzt-System, aber da war ich nie krank. Einmal war ich in Kanada im Krankenhaus, weil ich eine Blutvergiftung im Daumen hatte, verursacht durch einen Splitter. Das war unangenehm, aber das haben die Ärzte dort schnell und gut wieder hingekriegt.“

 

Sie sollen in Kanada auch ein öffentliches Lokal haben, das Sie betreiben?

 

„Ja, das ist ein Bistro und da biete ich Dinge an, die in Europa beliebt sind, aber in Kanada völlig unbekannt.“

 

Und das können Sie ein Jahr lang ruhen lassen?

 

„Sicher, ich habe ja gute Leute, die das machen. Wir sind es sehr gutes Team und es ist auch nicht gesagt, dass ich nicht mal für zwei Wochen nach Kanada fliege, um dort mal nach dem Rechten zu sehen.“

 

Ist es schwierig, so ein gutes Team zu finden? Sie sind jemand, der mit Begeisterung und Leidenschaft den Beruf ausübt, ist es schwierig, jemanden zu finde, der genauso für eine Sache brennt?

 

„Ehrlich gesagt, da verzichte ich oft auf Qualität, wenn das Menschliche stimmt, denn das ist wichtiger. Ich finde, die menschliche Seite muss stimmen, denn man kann jemanden auch besser machen. Wenn man zusammen auf Tournee ist oder einfach länger miteinander zu tun hat und die menschliche Seite nicht stimmt, dann geht das gar nicht und dann wird man auch schlecht.“

 

Wie steigt Ihre Figur bei Film Nummer fünf in die Sendereihe „Die Alpenklinik“ ein?

 

„Ich mache mich aus Berlin auf den Weg in diese Klinik, um dort den Schlüssel einer Hütte abzuholen, die ich in Abwesenheit ihres Besitzers betreuen soll. Und dabei gerate ich gleich mit dem Klinikpersonal aneinander, weil ich als Krankenschwester mit 30 Jahren Berufserfahrung doch einiges etwas besser zu wissen meine.“

 

Machen Sie selbst so etwas? Sind Sie jemand, der sich einmischt, wenn er etwas bemerkt, was er auch im Bereich der Arbeit als Schauspieler vermeintlich besser zu wissen scheint?

 

„Nein, ich mische mich ein, wenn ich Ungerechtigkeit spüre und wenn ich merke, dass da jemand fertig gemacht wird. Ansonsten mische ich mich im Sinne meiner Sache ein. Wenn ich merke, dass etwas bei der Zusammenarbeit auf der Bühne nicht stimmt, melde ich mich zu Wort, ich werde aber niemals fremd in einen Arbeitsprozess eingreifen. Manche Regisseure arbeiten so, die machen die Leute erstmal kaputt und bauen sie dann wieder auf. Das ist ein Arbeitsprozess und in den würde ich mich nie einmischen. Wenn ich allerdings sehe, dass der andere sich nicht mehr berappeln kann, dann mische ich mich ein.“

 

Im Film „Die Alpenklinik – Liebe heilt Wunden“ macht Ihre Figur eine gewisse Wandlung durch – zuerst etwas kratzbürstig und hinterher so mehr der guten Seele der Klinik. Welchen schauspielerischen Weg würden Sie sich für die Figur dieser Oberschwester wünschen?

 

„Mein großes Beispiel für die Rolle ist meine geliebte Eva-Maria Bauer, die unvergleichlich die Oberschwester in ,Die Schwarzwaldklinik‘ gespielt hat – in ihre Fußstapfen würde ich schon ganz treten möchten, wollen, der gute Geist, aber sehr resolut und manchmal auch daneben liegend, also mit Fehlern.“

 

Wenn es weiter gehen würde, dann liegt das Pensum bei einem Film pro Jahr und der würde immer in Österreich gedreht werden. Macht Ihnen die Arbeit beim südlichen Nachbarn Deutschlands Spaß?

 

„Ja, das sind kurze Wege, da fahre ich kurz hin und dann bin ich wieder weg. Ich find es sehr angenehm dort drüben – und mein Golfclub liegt auch in dieser Ecke. Manchmal muss ich auch die Wochenenden nicht fahren, weil ich dann ein Golf-Tunier spiele und ich halte mich so fitt und gesund.“

 

Generell aber fahren Sie während einer Dreharbeit lieber nach Hause, als dass Sie in einem Hotel leben?

 

„Ja, auf jeden Fall, denn dieses mit dem Team im Hotel hocken tut der Leber nicht immer gut.“

 

War das früher mal anders? Haben Sie sich dahin entwickelt oder war das bei Ihnen immer schon so?

 

„Es war eigentlich immer schon so, ich bin niemand, der sich Nächte um die Ohren schlägt und nicht an sich und seine Gesundheit denkt. Das macht mir einfach keinen Spaß.“

 

Gab es auch mal eine Zeit, in der Sie gerne in Hotels gelebt haben?

 

„Ich bin eine Schauspielerin, die auch viel auf Tournee ist und deshalb war ich in einem Jahr schon in 128 verschiedenen Hotels untergebracht. Da kann man Hotel dann echt nicht mehr sehen, sondern da möchte man auch mal für sich selbst kochen und nicht immer nur von Kost leben, die andere zubereitet haben. Da muss man dann auch so wahnsinnig viel Schrott in sich reinstopfen und das macht mir wirklich keinen Spaß mehr.“

 

Gab es trotzdem mal eine Zeit, in der Sie versucht haben, sich ein Hotelzimmer etwas heimisch zu gestalten oder passt das gar nicht zu Ihnen?

 

„Doch, wenn ich zum Beispiel lange im Ausland drehe und ich habe als Hotelzimmer so ein Loch, dann saufen sich das manche Leute jeden Abend schön, ich aber dekoriere dann lieber um.“

 

Ist es auch eine finanzielle Entscheidung gewesen, „Die Alpenklinik“ zu machen? Haben Sie schon mal Existenzängste kennen gelernt?

 

„Ich glaube, jeder Schauspieler hat Existenzängste, es geht gar nicht ohne und das ist auch eine Antriebsfeder. Wir sind finanziell nicht abgesichert, sondern wir müssen – klar, habe ich Existenzängste.“

 

Haben Sie die als Kind eines Produzenten und einer Schauspielerin schon mitgekriegt, sich aber trotzdem nicht vom Beruf abschrecken lassen?

 

„Sicher habe ich Existenzängste durch diesen Beruf auch als Kind erfahren, aber ich habe nichts Besseres gelernt. Ich habe es zuerst mit der Malerei versucht, aber das war von einem Extrem ins andere. Heute kann ich sagen, ich habe halt auch viel Glück in meinem Leben gehabt, aber auch das kann sich jederzeit ändern. Jetzt bin ich auch in einem Alter, wo die Rollen nicht einfach nur vom Himmel fallen.“

 

Wurde Ihnen von den Eltern in den Berufswunsch je reingeredet oder hat Ihre Mutter eher gesagt, dass Sie genau wissen, worauf Sie sich einlassen?

 

„Meine Eltern haben mir nie in mein Leben reingeredet, sie wollten nur, dass ich das mache, was mich glücklich macht.“

 

Sie arbeiten neben der Filmerei auch immer auf der Bühne – was kommt da in Zukunft?

 

„Im Sommer gehe ich mit einem Geiger auf Tournee, ich lese die schönsten Liebesgeschichten und Liebesgedichte und der Rudens Turku, einer unserer besten im Moment, der spielt dazu auf der Geige. Im Dezember werde ich bei meiner Mutter mit dem Stück ,Gin Rommé‘ meine erste Theater-Regie machen. Und dann habe ich noch mein Kabarettprogramm ,Die Weihnachtshexen‘.“

 

Von Ihnen ist die Äußerung zu lesen: „Was haben Männer schon mit Glück zu tun!“. Ist die Einstellung mittlerweile überholt?

 

„Nein, diesen Satz kann ich immer wieder unterschreiben, ich bin sogar fest davon überzeugt, dass Männer gar nichts mit Glück zu tun haben.“ 

 

Da haben Sie bisher keine anderen Erfahrungen gemacht und glauben auch nicht, dass es noch mal anders wird?

 

„Keine Ahnung!“

 

Obwohl Sie seit zehn Jahren in einer festen Partnerschaft leben und Ihr Partner Sie bei einer Diät unterstützt und sogar mit kleinen Geschenken motiviert hat ist das so?

 

„Sicher habe ich an Männern auch schon andere Seiten kennen gelernt, aber im Endeffekt stehe ich zu dem Satz – es ist halt so.“ (lächelt)

 

Kann das auch daran liegen, dass Sie ein sehr straighter und direkter Typ Frau sind?

 

„Sicher, so wie man in den Wald herein ruft, schallt es manchmal auch zurück. Das ist logisch, aber ich finde, es ist auch viel Arbeit innerhalb einer Beziehung zu leisten und das müssen auch beide machen.“

 

Hatten Sie diesbezüglich mal eine andere Vorstellung von sich und Ihrem Leben?

 

„Meine Vorstellung war immer, Heirat, leben auf dem Bauernhof mit sehr vielen Kindern, aber die musste ich schon sehr schnell relativieren.“ (lächelt wieder)

 

Würden Sie gern auch im Film mit Ihrer Mutter Ellen Schwiers zusammen arbeiten?

 

„Sehr gerne, denn wir kommen gut miteinander klar und meine Mutter ist eine exzellente Schauspielerin – und ich arbeite gerne mit guten Leuten.“

 

Wenn Sie sich etwas fürs Jahr wünschen dürften, da kommt immer eine gute Fee und man hat spontan drei Wünsche frei, was wäre das bei Ihnen?

 

(überlegt kurz): „Gesund bleiben, Arbeit zu haben und glücklich zu sein, dass es allen anderen auch gut geht, denn dann geht es mir auch gut. Ich bin so ein Harmonie bedürftiger Mensch.“

 

©Wolfgang Wittenburg - Jede Infoauswertung honorarpflichtig (03/2010)

 

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