Interview mit Sandra Maischberger

zu: „Menschen bei Maischberger“, dienstags, 22.45 Uhr, aber am 6. April, 23.45 Uhr, ARD

und: „Richard von Weizsäcker – für immer Präsident“, 7. April, 21.45 Uhr, ARD

 

Als Talkshow-Moderatorin setzt sie ihre journalistische Marke und macht auch sonst durch guten TV-Journalismus auf sich aufmerksam. Für ihre neueste Dokumentation haben sie und ihr Ehemann Jan Kerhart einmal mehr zusammen gearbeitet

 

Sandra Maischberger

„Ein Leben ohne Arbeit kann ich mir nicht vorstellen!“

 

Mit offenen Armen empfangen wurde sie von beiden, aber Gespräche bis in die Nacht gab es zwischen der Journalistin Sandra Maischberger und Helmut Schmidt und seiner Frau Loki, und nicht mit Richard von Weizsäcker und seiner Frau Marianne. Im Vergleich kommt Sandra Maischberger noch eines in den Sinn: „Loki hat immer noch Würtschen für mich und das Team gemacht!“ Wie dem auch sei, jedenfalls war einer, der vor drei Jahren Sandra Maischbergers ARD-Dokumentation über unseren Altkanzler mit dem Titel „Helmut Schmidt außer Dienst“ gesehen hat, der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker (wird am 15. April 90 Jahre alt). Deshalb hat das das journalistische Glanzwerk von Sandra Maischberger (43) jetzt Folgen: Acht Tage vor dem Geburtstag des Alt-Bundespräsidenten strahlt die ARD eine weitere Zusammenarbeit von Sandra Maischberger und ihrem Ehemann, dem wunderbaren Kameramann Jan Kerhart (49) aus – es ist die sehenswerte 90-Minuten-Dokumentation „Richard von Weizsäcker – für immer Präsident“ (Sendung: 7. April, 21.45 Uhr, ARD).

 

Wir trafen Sandra Maischberger, Moderatorin der Talkshow „Menschen bei Maischberger“, (dienstags, 22.45 Uhr, ARD), zu einem ebenso seltenen wie interessanten Interview über ihre Arbeit mit Politikern, die Kombination von Beruf und Familie und ein Leben ganz ohne Arbeit:

 

Wie kam es dazu, dass Sie die Dokumentation „Richard von Weizsäcker – für immer Präsident“ (Sendung: 7. April, 21.45 Uhr, ARD) produziert haben?

 

„Ich wollte für ein ganz anderes Projekt Richard von Weizsäcker interviewen, das wollte er gar nicht machen, aber in diesem Gespräch entstand die Idee. Danach bin ich erst an ihn herangetreten und habe gesagt: Ich würde gerne einen Film über sie machen. Nach seinem Einverständnis bin ich zu Patricia Schlesinger vom NDR gegangen und habe ihr gesagt, dass ich diesen Film gerne machen würde, ein Anlass bietet sich, der war zu dem Zeitpunkt noch etwa drei Jahre entfernt, der 90. Geburtstag von Richard von Weizsäcker. Ich denke, dazu kann man ein großes, biografisches Porträt über den ersten Bundespräsidenten aller Deutschen gut vertragen.“

 

Während Sie für den journalistischen Anteil zuständig sind und Ihr Mann, der Kameramann Jan Kerhart, für die wunderbaren Bilder – wer zeichnet im Hause Ihrer Produktionsfirma für die gute Musik verantwortlich?

 

Sehr viel Arbeit hat der Cutter, Michael Scheffold, da hinein gesteckt, die Musikauswahl ist zum großen Teil von ihm. Da gibt es ein oder zwei Stücke, die ich vorgeschlagen habe, aber er hat tatsächlich sehr viel investiert. Heutzutage ist es schön, man sitzt im Schnitt, geht in i-tunes, hört sich da rein, in die Musiken und überlegt sich, was brauchen wir von der Stimmung her? Dieser Cutter war eine Sensation, er hat wirklich einen richtig guten Job gemacht.“

 

Bei „Helmut Schmidt – Außer Dienst“ haben Sie nicht mit einer Reaktion seinerseits nach der Sendung gerechnet …

 

„Damals habe ich nach der Ausstrahlung aber einen Brief bekommen, er hat darin geschrieben, wie gut ihm und seiner Frau der Film gefallen hätte, bis auf einige Indiskretionen, die nicht nötig gewesen wären. Das habe ich mir gemerkt, aber ansonsten war das Schreiben sehr positiv.“

 

Wie verhält es sich bei Richard von Weizsäcker?

 

„Ich habe neulich mit dem Sohn, Fritz von Weizsäcker, gesprochen, den ich zufällig traf, und ihm habe ich gesagt, ich glaube, es wird Teile geben, die der Familie und auch ihm richtig gut gefallen. Aber es wird sicherlich auch Teile geben, mit denen sie nicht so einverstanden sind. Das ist aber auch natürlich, denn es ist ein Blick von außen auf jemanden. Wenn der mit dem Blick, den man selber auf sich hat, eins zu eins übereinstimmt, dann wäre das ein großes Wunder. Ich glaube aber, dass es ihm insgesamt gerecht wird, weil der Film den Versuch macht, sowohl den politischen Kern, den Richard von Weizsäcker hat, zu würdigen – das ist diese Aussöhnung mit den Nachbarn im Osten und das ist das Verarbeiten unserer Dritte-Reich-Geschichte, unserer Nazi-Vergangenheit. Gleichzeitig wird der Versuch gemacht, zu gucken, ob dieser Mann, der ja sehr präsidial ist, auch andere Seiten hat und dazu muss man etwas von der Person erzählen.“

 

Und in Bezug auf eine Reaktion nach der Ausstrahlung lassen Sie sich jetzt lieber überraschen, nachdem Sie mit Ihrer Prognose bei Altkanzler Helmut Schmidt falsch gelegen haben?

 

„Ich erwarte generell nichts, no hope, no fear. In diesem Fall allerdings denke ich schon, dass ich eine Reaktion bekommen werde, denn es gibt kurz nach Ausstrahlung des Films eine Einladung zu einem Empfang zu Ehren Richard von Weizsäckers. Vermutlich wird er mich da ansprechen.“ (schmunzelt)

 

Sie haben gesagt, das Diskretion oberstes Gebot in der Familie von Weizsäcker zu sein scheint. Wie hat sich Ihre Arbeit diesbezüglich gestaltet? Waren Sie sehr auf gute Vorbereitung angewiesen und sind weder mit dem Ehepaar, noch mit deren Kindern ins Plauschen gekommen? Sind Ihnen Bälle zugespielt worden oder hatten Sie mit dem Ehepaar eine bestimmte Redezeit und mit den Kindern gleich weniger?

 

„Bei den Kindern war es in der Tat so, da gab es einen Interview-Termin, den hatten wir ausgemacht und der ist im Familienrat abgestimmt worden, wurde mir dann gesagt. Das war ein ganz normales Interview. Die Weizsäckers an sich, ihn, und auch mit seiner Frau zusammen, haben wir ein paar Mal getroffen, weil auch ein paar Termine in Begleitung seiner Frau waren. Einmal konnten wir auch Zuhause drehen – und das war immer sehr reizend. Gerade auch bei Frau von Weizsäcker, die eine schwierige Zeit durch den Tod des einen Sohnes hatte, der genau vor Beginn dieser Dreharbeiten gestorben war. Sie haben uns trotzdem mit offenen Armen empfangen und haben uns immer zuvorkommend behandelt.“

 

Gibt es etwas, um das Sie die Politiker beneiden, als Journalistin, die so nahe rankommt? Sind das die vielen Auslandsreisen, deren Macht oder sind es die Worte, die über Jahre und Jahrzehnte einen Nachhall haben?

 

„Was mich wirklich am meisten reizen würde, das ist der kleine Mitarbeiter-Stab, den man zum Beispiel dazu verwenden kann, Reden auszuarbeiten oder sich noch mal über einen Sachverhalt kundig zu machen. Das fände ich reizvoller, als beispielsweise so Privilegien wie den Fahrer und gewisse andere Dinge.“

 

Und reisen tun Sie wahrscheinlich selber genug?

 

„Ich habe es nicht nachgerechnet, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Richard von Weizsäcker in Auslandsreisen und Staatsbesuchen einen Rekord aufgestellt hat. Wenn man das einmal im Zusammenhang liest, wo er überall war und wie lange, dann fragt man sich, wie er das überhaupt gemacht hat.“

 

Der Mensch hat Sie schon beeindruckt?

 

„Richard von Weizsäcker hat auch – und das ist eine wirkliche Kunst – keinen Fehltritt gemacht. Der Mann ist in dieser Hinsicht fehlerfrei – man denke nur an Westerwelle oder auch an manches, was an Kritik bei Horst Köhler laut wird. Da war von Weizsäcker über alle Zweifel erhaben und das ist eine Naturtalent.“

 

Wäre nicht auch einmal eine frühere Politikerin wie Rita Süssmuth für Sie interessant zu porträtieren? So könnten Sie auch mal als Frau über eine Frau berichten?

 

„Ich habe bereits ein Buch mit Hildegard Hamm-Brücher gemacht und ich habe nichts gegen Frauen. Mich interessiert die Generation, weil sie eben einen gewissen weiten Blick nach hinten hat, gewisse geschichtliche Ereignisse aus der eigenen Anschauung einsortieren kann und trotzdem nach vorne schaut. In dieser Generation konnten die Frauen diese Spitzenämter gar nicht so leicht erringen. Hildegard Hamm-Brücher ist eine der wenigen, und deswegen gibt es auch dieses Buch. Rita Süssmuth würde sicherlich dazu gehören, aber eben auch nicht in der Position eines Kanzlers oder eines Präsidenten. Da wäre schon Angela Merkel, als erste Kanzlerin, die natürliche Person in dem Sinne, wenn man mal 20 Jahre lang wartet.“

 

Sie haben mit den Schmidts und den von Weizsäckers zwei Paare kennen gelernt, die 65 und 57 Jahre verheiratet sind und Sie fragen gern nach dem Kennenlernen. Glauben Sie, dass es maßgebend für die Dauer einer Ehe sein kann?

 

„Nein, das glaube ich überhaupt nicht, aber es ist manchmal eine schöne Anekdote – nicht mehr und nicht weniger.“ (schmunzelt)

 

Wie haben Sie Ihren Mann kennen gelernt?

 

(lächelt): „Die Frage war mir jetzt klar, wir haben uns bei der Arbeit kennen gelernt. Damals habe ich ,Spiegel TV Interview‘ gemacht und Jan war der Haupt-Kameramann und eigentlich auch der, der die Bildsprache für diese Sendung etabliert hat, durch seine Art Bilder zu machen – da haben wir uns getroffen.“

 

Sie sehen bei den beiden Politiker-Ehepaaren auch, dass Beruf und Familie zu kombinieren geht und auch zu kombinieren gehen muss – wie ist das bei Ihnen und Ihrem 3-.jährigen Sohn Samuel?

 

„Mal so, mal so, es gibt Zeiten, die anstrengend sind, wie diese Zeiten, in denen ich jetzt im Schnitt saß, für die Ausstrahlung des Films 90 Minuten aus einer enormen Sammlung von drei Stunden Rohmaterial zu schneiden, die waren natürlich extrem anstrengend, das stimmt.“

 

Wäre eine Möglichkeit zu große Anstrengung zu vermeiden?

 

„Bei Schmidt habe ich noch bis tief nachts um zehn Uhr am Schnitt gesessen, das habe ich mir verkniffen. Aber es gab schon natürlich Abende, an denen ich um sechs, sieben oder acht Uhr nach Hause gekommen bin und das würde ich nicht so häufig machen wollen – tatsächlich, denn dann fehlt einfach die Zeit, die ich in der Familie verbringe. Das Wochenende ist off limits, das gibt es nichts, da wird auch nichts gearbeitet, es sei denn, es geht etwas wirklich schief. Insofern ist Familie in diesen Zeiten schwieriger gewesen, es gibt andere Zeiten, in den es leichter ist.“

 

Nämlich?

 

„Die Sendung ,Menschen bei Maischberger‘ zum Beispiel pausiert im Sommer für zwei Monate und das ist für mich eine absolute Familienzeit. Wir sind nicht in dem Sinne konstant, aber wir versuchen, weil es Spaß macht und weil es der Neigung entspricht, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen.“

 

Weil Sie und Ihr Mann arbeiten, können Sie sich in der Betreuung Ihres Sohnes nicht wie andere es tun abwechseln – wie machen Sie das?

 

„Richtig, wenn mein Mann und ich Termine gemeinsam haben oder auch als wir mit Richard von Weizsäcker zusammen ins Ausland gereist sind, dann ist immer eine der beiden Mütter da, entweder Jans Mutter aus Prag oder meine Mutter aus München. Die beiden lieben den Kleinen und Samuel liebt sie. Das lässt sich immer ganz gut machen und wir können ganz beruhigt zur Arbeit fahren.“

 

Warum machen Sie Ihre ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ (dienstags, 22.45 Uhr) noch in Köln und nicht – wie Ihre Kollegin Anne Will zum Beispiel – in Berlin, wo Sie auch leben und weniger Reiseaufwand haben würden?

 

„Am besten geben Sie die Frage einfach an den WDR weiter.“

 

Sie als Produzentin können nicht derlei Einfluss nehmen?

 

„Ich bin da Produzentin, aber nur für den redaktionellen Teil verantwortlich und nicht für den technischen, das heißt, das Studio und die Studiomannschaft wird vom WDR gestellt. Darin könnte die Antwort auf die Frage liegen, denn tatsächlich befinden sich die Studios des WDR in großer Zahl in Köln und in überhaupt keiner Zahl in Berlin. Wir machen ab und zu Sendungen aus Berlin, wie der Kollege Plasberg auch, wenn man mit gutem Grund sagen kann, diese Gäste kriegen wir nicht nach Köln. Ich schätze, etwa ein Viertel der Sendungen machen wir in Berlin, aber hauptsächlich produzieren wir in Köln.

 

Können Sie die Tatsache als grenzenlose Optimistin zum Vorteil umdrehen? Kommt Ihnen der jeweiligen Konzentration wegen womöglich eine Trennung von Beruf und Privatem zugute und Sie können während des Pendels gut umschalten?

 

„Reisen gehört zu unserem Beruf. Ich bin seit 25 Jahren Journalistin und das Reisen war immer mit ein Hauptbestandteil, deswegen bin ich auch so gerne Journalistin. Ich gebe aber ehrlich zu, seitdem wir einen kleinen Sohn haben, hat sich meine Reiselust einen Tick vermindert. Mitunter ist es aber auch so, dass wir ,Menschen bei Maischberger‘ so aufzeichnen, dass ich abends wieder Zuhause bin. Das passiert auch deshalb, weil die Gäste der Sendung oft noch andere Termine haben.“

 

So haben Sie theoretisch die Möglichkeit, sich und Ihre Sendung selbst zu gucken?

 

„Das mache ich manchmal, aber nicht zum Vergnügen, sondern um zu überprüfen. Man kann eine Sendung in der Sendung nicht beurteilen. Man kann es erst dann beurteilen, wenn man die Bilder sieht, wenn man die Schnitte sieht, wenn man das von außen betrachtet. Ich gucke es mir an, wenn ich mal die Gelegenheit habe. Manchmal schlage ich dabei ein, aber nicht, weil ich es langweilig finde, sondern weil ich ein kleines Kind habe, das morgens wieder aufwacht. Es gibt, glaube ich, viele, die in derselben Art eingespannt sind – wenn man früh aus dem Bett muss, dann ist das abends natürlich eine sehr späte Zeit.“

 

Schaffen Sie es auch noch, selbst fern zu sehen, die Kollegen im Auge zu haben?

 

„Selbstverständlich gucke ich viele Sendungen der Kollegen und ich gucke überhaupt sehr viel Programm. Es gab zuletzt einen Film über Helmut Kohl – und natürlich gucke ich mir solche Dinge an. Ich fand den Film hervorragend, dafür dass die Kollegen nur 45 Minuten Zeit hatten und in dieser Zeit ein prall gefülltes politisches Leben bringen mussten.“

 

Hätten Sie über Helmut Kohl zu dessen 80. Geburtstag eine Film-Dokumentation machen wollen oder ist der Ihnen zu unsympathisch?

 

„Das ist keine Frage des Sympathisch-findens, sondern natürlich gehört er zu den absolut faszinierenden, interessanten, politischen Persönlichkeiten dieses Landes. Natürlich wäre ein Film über Helmut Kohl eine Herausforderung gewesen, hat sich aber tatsächlich nicht gestellt, denn er hat sehr viel stärker als anderen, glaube ich, eine andere Zugangskontrolle. Nicht jeder Journalist wird vorgelassen und ich gehöre aus seiner Sicht zu denen, die für so ein Projekt gar nicht Frage kommen.“

 

Wissen Sie, warum?

 

„Ich weiß, warum, ich hatte ihn einmal bei ntv in der Sendung. Da war Helmut Kohl gekommen und ich hatte dann drei Fragen zur Partei-Spendenaffäre gestellt – und das fand er nicht gut. Das ist eher sein Problem, als meines. Danach kam er nicht wieder. Was soll man dazu sagen?“ (lächelt)

 

Für Ihre ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ ist der Vertrag bis Ende 2011 verlängert worden – kann es danach noch für Sie weitergehen?

 

„Fragen Sie mich das bitte in einem Jahr. Ich bin immer um diesen Turnus von zwei Jahren ganz froh, denn ich habe nie länger als ein oder zwei Jahre Verträge gemacht. Man weiß nie, was sich verändert, auch im Umfeld und ich finde die Verabredung so in Ordnung.“

 

Sind Sie mit „Menschen bei Maischberger“ zufrieden?

 

„Ich finde, die Redaktion arbeitet jetzt auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind schon seit einiger Zeit – ich glaube, September letzten Jahres – auf dieser Schiene, 23.00 Uhr, mit Abstand die erfolgreichste Sendung, erfolgreicher als es Beckmann ist, erfolgreicher als es Kerner zuletzt war, erfolgreicher als es Lanz ist und auch erfolgreicher als es Harald Schmidt ist. Wir haben uns sehr gesteigert und profitieren im Moment gerade von einer Zuschauergunst, die wir uns hart erkämpft haben, die wir jetzt aber auch genießen, weil wir durchaus sehr, sehr unterschiedliche Themen machen können.“

 

Ist das so?

 

„Absolut, das reicht von einer Sendung in der Wahrsager zu Gast sind, am Anfang des Jahres, über eine absolut politische Sendung über Hartz IV, bis hin zu einer Sendung über das ,elfte Gebot‘, Du sollst nicht heiraten‘, und ob das die beste Lebensform aller sein kann. Das ist sowohl gesellschaftlich interessant, als auch ein persönlicher Diskurs. All diese Themen bieten eine sehr große Bandbreite und die macht es immer wieder spannend.“

 

Sind Sie vor 16 Jahren mit der Vorstellung an die Ehe heran gegangen, dass es über 50 Jahre werden sollen, wie es bei den beiden Politiker-Ehepaaren, die Sie durch die Dokumentation kennen gelernt haben der Fall ist?

 

„17 Jahre sind wir zusammen, 16 verheiratet und ich glaube, dass es ein unausrottbarer Menschheitstraum ist, dass man jemanden findet, der so die ewige Liebe darstellt. Wenn Sie mich persönlich fragen, ich glaube daran!“ (lächelt)

 

Mit den beiden Politikern haben Sie auch Menschen getroffen, die von Arbeit nicht lassen können und Sie fragen Richard von Weizsäcker im Film, was er mit 30 für Ziele gehabt hat. Was haben Sie für Ziele und ist für Sie such ein Dasein ohne Arbeit vorstellbar?

 

(grinst): „Das ist eine interessante Frage, das verändert sich gerade ein bisschen, aber ein Leben ohne Arbeit kann ich mir nicht vorstellen, weil meine Definition von Arbeit eine andere ist.“

 

Welche ist das?

 

„Ich mache nicht in dem Sinne eine Arbeit, wo mir jemand sagt, heute gehst du dahin und machst exakt diesen Handgriff und am Ende arbeitest du dich auch noch tot und am Ende bist du froh, dass du überhaupt noch etwas bekommst. So, wie ich arbeite, diese Dokumentation ist zum Beispiel sehr anstrengend gewesen, aber es ist ein absolutes Privileg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, Filme dieser Art zu machen, bis ich in einem hohen Alter bin. Ich kann mir genauso gut vorstellen, aus den schweren Produktions-Rhythmen heraus zu gehen, mich auf die Produktion zu konzentrieren – ich finde, das alles offen ist und das ist für mich dass Schöne an diesem Beruf.“

 

©Wolfgang Wittenburg - Jegliche Infoauswertung honorarpflichtig (03/2010)

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