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Peter Sattmann |
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Während er im Film für jede Liebhaberrolle gut ist, hat der Wahl-Berliner im wahren Leben nach dem Scheitern seiner Beziehung mit Katja Riemann den Frauen abgeschworen. Im offenen Interview redet er über eine schwere Verletzung, seinen verstorbenen Hund und seine Zukunftspläne Peter Sattmann „Ich fühle mich in komischen Rollen pudelwohl!“ Schauspieler ist der im sächsischen Zwickau geborene Peter Sattmann (wird am 26. Dezember 62) aus reiner Abenteuerlust geworden – wie er nicht ohne Stolz von sich sagt. Und wenn man dem Großstadtmenschen und Hundeliebhaber so bei seinem Schaffen über die vielen Jahre zusieht, dann scheint der muntere Wahl-Berliner bis heute wirklich keinen Funken seiner großen Passion verloren zu haben: In der wunderbaren Komödie „Heute keine Entlassung“ (Sendung: 14. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF) schlüpft Peter Sattmann in die Rolle des ewigen Nörglers Anton Franzen, den ein Herzinfarkt ins Krankenhaus bringt und seine zarte Liebe zur kroatischen Krankenschwester Mirjana (wunderbar und mit Akzent von Mariele Millowitsch gespielt) dort unbedingt bleiben lassen muss. Was für Krankenhaus-Erfahrungen hat denn der leidenschaftliche Hauptdarsteller in seinem Leben gemacht? Im offenen Interview redet Peter Sattmann, der aus seiner achtjährigen Beziehung zur Schauspielkollegin Katja Riemann (45, „Die Apothekerin“) Tochter Paula (16) hat, auch erstmals über seinen jüngst verstorbenen, treuen, vierbeinigen Lebensbegleiter: Mussten Sie eine Sekunde überlegen, als das Angebot für den ewig nörgelnden und unzufriedenen Frührentner Franzen in der Komödie „Heute keine Entlassung“ (14. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF) kam, denn Sie sitzen zu 100Prozent auf dieser Figur? (lächelt): „Nein, ich musste wirklich keine einzige Sekunde überlegen, denn das ist ein gutes Buch, eine tolle Rolle und das ist für jeden Schauspieler ein gefundenes Fressen – würde ich behaupten.“ Und dann auch noch als Drehort Berlin, wo Sie mit Ihren Hunden wohnen? „Berlin als Drehort kommt noch hinzu – wunderbar! Was einen natürlich abschreckt, das ist ein Krankenhaus als Drehort, aber da in Berlin eine stillgelegte Klinik ist, wo man nicht beim Drehen ständig mit Todkranken konfrontiert ist, da riecht es auch nicht nach Äther oder so, war das, als wenn wir im Studio arbeiten würden.“ Finden Sie Dreharbeiten in Krankenhäusern ansonsten eher problematisch? „Ich kenne Krankenhaus-Drehs von früher, wenn man sich dafür wirklich in einem im Alltagsbetrieb befindlichen Krankenhaus einmietet, dann ist das ziemlich mies. Da kommt man sich als Schauspieler ziemlich blöde vor, wenn man so tut, als ob man krank ist, während da wirklich Todkranke vorbei geschoben werden. Das geht für mich gar nicht, aber so hat man früher in Krankenhäusern gedreht.“ Finden Sie es als Schauspieler mit großer Bandbreite besonders schwierig, komisch zu spielen? Ist das die größere Anstrengung? „Ich bin als Schauspieler am Theater groß geworden und ich habe lange Rollen gespielt, bevor ich ans Fernsehen kam. Eigentlich habe ich nur in den ersten zwei Jahren mein Fach erfüllt, nämlich jugendlicher Liebhaber und Held zu sein. Dann aber haben sie beim Theater ganz früh mein Talent für die Komik entdeckt und zugelassen. Das dauerte beim deutschen Fernsehen ein paar Jahrzehnte, aber Gott sei Dank bin ich jetzt langsam in dem Fach. Das ist nicht die einzige komische Rolle, die ich in den letzten Jahren zu spielen hatte. Ich empfinde das nicht als anstrengend oder weniger anstrengend, sondern ich fühle mich in komischen Rollen pudelwohl.“ (lächelt) Deshalb funktioniert es wahrscheinlich so gut – dieses Gefühl überträgt sich auf Ihr Spiel. „Es ist aber schon so, dass es kein lustiger Vorgang ansich ist, eine Komödie herzustellen, so dass man da unentwegt nur Spaß hat, sondern es wird nur dann wirklich komisch, wenn man sich bei der Arbeit auf den Ernst der Situation einlässt, alles andere ist meiner Meinung nach albern. Was auf den privaten Sendern so als Comedy läuft, darüber kann ich nicht mal schmunzeln.“ Eine Standardfrage von Journalisten ist immer gerne die nach der Gemeinsamkeit zwischen einem Schauspieler und seiner Figur. Ist das bei Anton Franzen und Peter Sattmann schon fast eine Frechheit zu fragen? „Nein, überhaupt nicht, aber ich sehe wirklich keine Ähnlichkeit. Schon gar nicht in seinen Erlebnissen Ärzten! Ich persönlich habe nur gute Begegnungen mit Ärzten gehabt und bin voller Dankbarkeit. Gott sei Dank war ich nur zweimal stationär in einem Krankenhaus und da habe ich nur erlebt, wie fachlich kompetent und aufopferungsvoll sich da Leute um einem kümmern. Deswegen bin ich dieser ganzen Ärzteschaft gegenüber voller Dankbarkeit, vor allem auch den Schwestern und Pflegern gegenüber, die sich für die Patienten in den Krankenhäusern für wenig Geld und mit wahnsinnig vielen Überstunden abarbeiten. Ich sage: Hut ab!“ Haben Sie vielleicht leichte Tendenzen zum Nörgler? Gibt es Dinge, die Sie auf die Palme bringen? „Ich bin, glaube ich, ein ziemlich gelassener Zeitgenosse, aber ich spiele das andere gerne. Ich bin aus Abenteuerlust Schauspieler geworden, nicht mit dem Gedanken an viel Geld und Glamour und Karriere, sondern wirklich weil ich so eine unendliche Lust am Spielen habe, mich in andere Situationen und Figuren reinzudenken. Und von daher ist ,Heute keine Entlassung‘ ein gefundenes Fressen, auch die schöne Entwicklung, die Anton Franzen vollzieht. Der Mann ist Ärzten gegenüber skeptisch, weil er seine Frau verloren hat, die er sehr geliebt hat und denkt nun, die Ärzte haben sie auf dem Gewissen. Auch seine Vorurteile gegenüber Ausländern, die kann man ja auch haben. Ich habe lange genug im Berliner Stadtteil Neukölln gelebt und da gingen mir die Türken auch irgendwann mal auf die Nerven oder so. Das Schöne ist aber, dass diese Figur mit ihren Vorurteilen so in Leere läuft.“ Die Figur Anton Franzen kommt an seinem 60. Geburtstag wegen des Herzens ins Krankenhaus und will später – wieder wegen seines Herzens – nicht mehr raus. Sind Sie schon mal im Krankenhaus behandelt worden? „Als junger Schauspieler war ich in Stuttgart und wir haben ,Romeo und Julia‘ gespielt, da bin ich in einem Kaufhaus durch eine Glasscheibe gerannt. Das war grauenhaft, es war am Knie alles aufgeschnitten und ich war wirklich kurz vom Verbluten. Ich wurde dann ambulant in einem Unfallkrankenhaus behandelt. Die haben 40 Splitter aus meinem Kniegelenk geholt und dann verheilte das. Zwei Jahre später hatte ich aber plötzlich wieder furchtbare Schmerzen in den Knie. Damals gab es aber noch kein Ultraschal, sondern nur Röntgen und das kann Glas nicht darstellen, erst noch ein Jahr später, als sich die Splitter abgekapselt hatten und Knorpel gebildet war, hat man Schatten sehen können. Daraufhin kam ich in die Orthopädische Klinik von Heidelberg, hatte einen tollen Professor, der dann das ganze Knie noch mal aufgeschnitten hat und wieder vier Splitter heraus geholt hat. Als er es wieder zugenäht hat, hatte er gesagt, dass im Knie noch ein Splitter ist, bei dem keine Gefahr besteht, dass er ins Gelenk geht, aber er könnte in ein paar Jahren unten an der Ferse angekommen und soll dann entfernt werden. Und tatsächlich ist der innerhalb von sechs Jahren vom Knie unten zur Ferse gewandert und,ich dachte erst, das wäre ein Pickel, aber dann kam da wirklich noch mal der letzte von den Splittern heraus.“ Im Film „Heute keine Entlassung“ verliebt sich Anton Franzen in die kroatische Krankenschwester Mirjana (wunderbar und immer mit Akzent gespielt von Mariele Millowitsch). Glauben Sie, dass so eine Art des Verliebens realistisch ist? „Oh, ja, als ich das erste Mal ambulant im Krankenhaus war, da habe ich mich in eine Ärztin verliebt, die jeden Tag vorbei kam. Gerade in so einer Orthopädischen Klinik sind die ganz schweren Fälle. Ich hatte einen Kollegen, der keine Arne und keine Beine mehr hatte, nur noch Stumpen, weil untern Zug gekommen ist. Ich war damals sechs Wochen in diesem Krankenhaus und ich war bei weitem der Gesundete – und das wichtigste Thema in dieser ganzen Klinik war der Sex. Es wurde den ganzen Tag nur geschweinigelt, es wurde nur den Schwester hinter gepfiffen, es war unglaublich.“ Hat das mit der Not des Menschen zu tun? „Bestimmt, es ist aber auch eine ähnliche Situation wie zwischen Schüler und Lehrer. Zwischen Patient und Arzt sind für mich ähnliche Empfindungen wie zwischen Schüler und Lehrer. Eigentlich funktioniert diese Beziehung sowieso nur, wenn da Erotik um Spiel ist, glaube ich. Ich habe damals auch mit den Schwestern darüber geredet, die haben das auch genossen, wenn da diese amputieren Leute ihnen da zweideutig hinterher gepfiffen haben. Ich denke, die Schwestern spielen damit auch in gewisser Weise und das ist womöglich auch für den Heilungsprozess nicht unwichtig. Ich glaube, das ist für die Krankenschwestern auch eine Form von Entlohnung, für diesen Wahnsinns-Beruf, den sie ausüben.“ Wie um Himmels Willen konnten Sie als junger Mann in einem Kaufhaus in eine Scheibe laufen? Waren Sie in Gedanken mehr bei „Romeo und Julia“? (lächelt): „Ich bin an dem Tag zweimal gegen eine Scheibe gelaufen – es musste einfach sein. Ich bin erst Zuhause, das war eine Scheibe, die hat mich aber nicht verletzt. Und dann bin ich in einem Kaufhaus gegen eine Türscheibe. Heute markiert man solche Scheiben durch Aufkleber, das war einfach eine Scheibe, die man nicht sah – und mir ist das nie wieder passiert.“ Da haben Sie Ihr Soll wohl auch erfüllt, aber Sie konnten weiter spielen, weil es ambulant zu behandeln war und auch „nur“ am Knie und nicht im Gesicht? „Ja, aber man musste das Gefecht mit Degen und Dolchen reduzieren, wir hatten eigentlich so 20 Minuten Gefecht, aber das wurde dann auf einige Minuten eingekürzt.“ Haben Sie persönlich sich schon mal kämpferisch für Mitmenschen eingesetzt, so wie es Anton Franzen im Film macht, als Schwester Mirjana gekündigt worden ist? „Ich bin einer, der sehr für seine Umgebung kämpft, auch während einer Dreharbeit. Für mich fängt die Gesellschaft im kleinen Rahmen an. Ich denke, wenn ich meine Umgebung nicht in Ordnung halten kann, dann wird es mir auch nicht gelingen, mich für das ganze Land oder die Arbeitslosen einzusetzen. Ich muss sagen, ich habe große Schwierigkeiten, mich für Gruppierungen einzusetzen, für einzelne Menschen sehr gerne, das mache ich auch immer wieder. Für den Einzelnen kann ich mich engagieren, aber unter den vielen Arbeitslosen gibt es bestimmt auch ein paar, die ich nicht mag.“ Eine mögliche Gemeinsamkeit könnte die Einstellung von Anton Franzen und Ihnen Frauen gegenüber sein. Die Filmfigur hat der Damenwelt nach dem Krebstod seiner Frau abgeschworen, aber warum haben Sie nach dem Ende Ihrer Partnerschaft zur Kollegin Katja Riemann gesagt, dass sie die letzte Frau in Ihrem Leben war? (überlegt): „Ich war damals 45 und ich habe das nicht nur zum Ende der Beziehung gesagt, sondern auch schon am Anfang der Beziehung: Du bist meine letzte Frau, egal, wie das jetzt ausgeht. Und ich will diesen Ausspruch von mir jetzt nicht erfüllen, aber es scheint wirklich so zu sein.“ Das ist erstaunlich: War das eine Ahnung oder woher kommt dieser Ausspruch und diese Art Einstellung? Was meinen Sie? „Ich fühlte mich als Kind schon sehr geliebt von meinen Eltern, ich habe Liebe nie entbehrt. Und ich glaube, wenn man als Kind sehr viel Liebe empfängt, dann kann man sein Leben lang auch viel Liebe abgeben. Ich habe mich in meinem Leben unendlich häufig verliebt, ich liebe meine Hunde, ich liebe meine Töchter, ich liebe auch wirklich noch alle meine Ex-Frauen, vor allem die, zu denen ich noch Kontakt habe, dass ist die Mutter meiner älteren Tochter und eben auch zu Katja. Ich würde immer noch sagen, ich liebe sie, aber man ist eben nicht mehr verliebt. Ich würde jedem jungen Menschen sagen, verliebe dich, verliebe dich so häufig, wie es geht und so lange wie möglich, aber ich brauche das nicht mehr.“ Und Ihre Partnerin konnte damit gut umgehen oder hat sie gesagt: Peter, stürze mich nicht ins Unglück, damit kann ich nicht gut leben, wenn ich weiß, dass ich für dich die letzte Frau in deinem Leben sein soll? „Ich habe natürlich versucht, mit diesem Satz, du bist die letzte Frau für mich im Leben, das schönste Kompliment zu machen. Aber als wir uns dann getrennt haben, sagte Katja mir mal, dass sie es auch als Druck empfunden hat.“ Eine weitere Standardfrage von Journalisten ist, nach welchen Kriterien Sie Rollenangebote aussuchen? „Pilcher ist jetzt nicht die Traumrolle und ich würde behaupten, vor 15 Jahren hatte ich jedes Jahr 20 Bücher auf dem Tisch und habe mir dann die Perlen heraus gesucht. Das ist heute einfach nicht mehr der Fall. Also, man muss fast machen, was kommt, aber ,Heute keine Entlassung‘ wäre auch vor 15 Jahren eine Perle gewesen, die ich mir heraus gesucht hätte.“ Wie sieht Weihnachten bei Ihnen aus ? Ist das ein Fest, an dem Frauen dazu gehören, zumal Sie ja auch noch 26. Dezember Geburtstag haben? „Es gibt ja diesen Spruch, man soll die Feste feiern, wie sie fallen – und danach lebe ich. Ich verschenke auch während des Jahres unentwegt schon meine Weihnachtsgeschenke,auch die Geburtstagsgeschenke. Ich habe meiner Paula noch nie an Geburtstagen oder an Weihnachten etwas geschenkt, sondern immer davor oder danach. Das passiert, wenn mir gerade danach ist oder wenn es notwendig ist. Wenn ein neues i-phone heraus kommt, warum soll ich dann monatelang bis Weihnachten mit dem Verschenken warten?“ Letzte Frage? Was steht für Sie beruflich als Nächstes an? „Ich habe ab 1. Dezember mit den Proben zu ,Loveletters‘ angefangen, am Berliner ,Schloßpark-Theater‘, zusammen mit meiner sehr verehrten Kollegin Hannelore Hoger. Regie wird Alfred Kirchner machen, den ich aus meiner Zeit in Stuttgart kenne – ich freue mich im Winter aufs Theater spielen!“ (strahlt) ©Wolfgang Wittenburg - Jede Infoauswertung honorarpflichtig (11/2009) |

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