24 Stunden Südafrika

24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag - 24-stündige Dokumentation

 

Samstag, 5. Juni 2010, ab 6.00 Uhr, ZDFinfokanal Fünf Ausschnitte im ZDF-Hauptprogramm: 11.05 Uhr, 13.30 Uhr, 18.00 Uhr, 22.00 Uhr, 0.50 Uhr

 

24 Stunden Südafrika

Wie sehr ein Projekt begeistert, wie stark eine Idee ist, lässt sich auch daran erkennen, welche Erinnerungen es aufwühlt. Südafrika war für viele Menschen unserer Generation lange Zeit ein zutiefst politisches Thema. Es war das Land schreienden Unrechts, das Land der Apartheid. Wer in den 70ern als Jugendlicher engagiert war, etwa für "Amnesty International", der bekam die Schicksale vieler Aktivisten gegen das südafrikanische Regime per Post ins Haus gesandt, sammelte danach Unterschriften und schickte sie an Botschaften und an Behörden am Kap. In der typischen Haltung Heranwachsender fragte man sich, warum die Bundesrepublik nicht massiv gegen das Apartheid-Regime vorging, warum manche deutsche Politiker die Herren am Kap auch noch hofierten, warum deutsche Konzerne Autofabriken in Südafrika bauten, warum niemand dieses Unrecht beendete. Die Menschen Südafrikas haben es schließlich allein geschafft, Schwarze und Weiße. Mit Nelson Mandela als Motor und Symbol gewaltfreier Veränderung.

 

Was wissen wir, im Herzen Europas, heute von Südafrika – 16 Jahre nach Abschaffung der Apartheid? Kennen wir mehr als die Klischees aus der Tourismuswerbung? Mehr als Diamanten, wilde Tiere, Gardenroute und Soweto? Die wenigsten werden hierauf beherzt mit "Ja“ antworten können. Nun lenkt die Fußball-Weltmeisterschaft die Blicke auf Südafrika, und ohne die WM hätten wir vermutlich niemals unsere Idee verwirklichen können – die Idee, dieses spannende, wunderbare Land im Spiegel seiner Menschen einen Tag und eine Nacht lang zu betrachten.

 

Die Begeisterung, die diese Idee im Hause ZDF selbst ausgelöst hat, war Bestätigung: Wir waren im Begriff, etwas ganz Besonderes zu stemmen. Noch nie war es so leicht, Autoren zu finden, die Kollegen von Technik und Produktion sammelten Ideen für die Umsetzung, und sehr schnell machte sich überall ein "Wir-Gefühl" breit. So viel Engagement von allen Seiten erlebt man selten.

 

Es ist ein Satz aus unserer Dokumentation, der uns nicht mehr losgelassen hat, seitdem wir ihn das erste Mal hörten. Thandi Ndlovu hat ihn formuliert, eine imposante schwarze Frau im besten Alter, deren kleiner Bruder 1976 bei Schülerunruhen in Soweto erschossen wurde, eine Frau, die im Untergrund für den ANC (African National Congress) kämpfte, die dann Ärztin wurde und heute eine erfolgreiche Bauunternehmerin ist: "Wenn mir jemand 1989, vor der Freilassung

Mandelas gesagt hätte, dass ich eines Tages ein Unternehmen führe, in dem ein junger Weißer alles überwacht und leitet, so wie ich mir das vorstelle, den hätte ich für verrückt erklärt. Weiß war weiß und schwarz war schwarz. Es ist so viel, was wir geschafft haben in einer so kurzen Zeit und meine Befürchtung ist, dass wir nicht genug von der Hoffnung erzählen, die aus diesem Land kommt."

 

"24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag" erzählt von dieser Hoffnung und den Menschen, die sie hegen.

 

Claudia Ruete, ZDF-Außenpolitik

Peter Wagner, ZDFinfokanal

Samstag, 5. Juni 2010, ab 6.00 Uhr, ZDFinfokanal

24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag

 

24-stündige Dokumentation

 

Ausstrahlung im ZDF-Hauptprogramm:

 

Samstag, 5. Juni 2010 – fünf Ausschnitte um

11.05 Uhr, 13.30 Uhr, 18.00 Uhr, 22.00 Uhr, 0.50 Uhr

Im ZDF-Nachtprogramm:

Montag, 7. Juni 2010, 02.15 Uhr bis 04.15 Uhr

Dienstag, 8. Juni 2010, 02.55 Uhr bis 04.55 Uhr

Mittwoch, 9. Juni 2010, 01.05 Uhr bis 03.05 Uhr

Donnerstag, 10. Juni 2010, 01.55 Uhr bis 03.55 Uhr

 

Autoren Carsten Behrendt (VJ), Hildegard Buder-Monath, Ulrike Eichin (VJ), Katrin Eigendorf (VJ), Thomas Gill (VJ), Daniel Moj (VJ), Martina Roßkopf, Stefanie Schoeneborn (VJ), Winfried Schnurbus, Birgitta Schülke (VJ), Andreas Weise (VJ), Hans Zimmermann (VJ)

Kamera Andreas Buhrow, Nils Keber, Jürgen Rapp

Kamera-Assistenz Marcus Becker, Tim Lewerth

Schnitt Laszlo Bredy, Klaus Eichler, Mark Hoffmann, Christian Jung, Konrad Kirstein, Martin Lehnert, Eva Littau, Jonathan Schaider, Lodur Tettenborn, Kirstin Weber, Niko Zakarias

Producer Dominik von Eisenhart-Rothe, Katja von Eisenhart-Rothe, Oliver Meth

Dagmar Schumacher, Andreas Sieren

Musikberatung Josua Dietze

Tonmischung Bruno Hebestreit

Produktion Kai Bandte, Marc Epping, Dennis Jakob

Anja Müller-Schick, Frank Roggendorf

Idee Markus Wenniges

Regie Lukas Schmid

Redaktion Andrea Gries, Lisa Borgemeister

Mitarbeit Ariane Jähnichen

Leitung der Sendung Claudia Ruete, Peter Wagner

 

Inhalt:

 

Aus Anlass der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika berichten zwölf Reporter, davon neun als Videojournalisten (VJs), einen Tag und eine Nacht aus dem Land, in dem die WM ausgetragen wird. Einen ganzen Tag lang tauchen sie ein in die Lebenswirklichkeit der Menschen. Die Sendung beginnt am Samstag, 5. Juni 2010, um 6 Uhr morgens und endet am nächsten Morgen zur gleichen Zeit.

 

Was wissen wir eigentlich über das Leben in Südafrika? Wie sieht der Alltag der Menschen aus, die dort leben? Die 24-stündige Dokumentation zeigt Menschen, Begebenheiten und Situationen, die oft aus dem Blick geraten, weil sie selbstverständlich sind oder weil man sie für selbstverständlich hält: Was essen die Südafrikaner zu Mittag? Wie sind sie eingerichtet, was ziehen sie an, wie kommen sie zur Arbeit oder in die Schule?

 

Die Autoren haben Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus, Berufen, Ethnien und Altersklassen durch ihren Tag begleitet. Mit diesen Protagonisten zusammen, erlebt der Zuschauer ein großartiges Land in seinen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Facetten. Die Sendung ist in einstündige Abschnitte unterteilt. Anhand von Karten, einer eingeblendeten Uhr und klarer Standortbenennung können sich die Zuschauer zeitlich und räumlich immer neu orientieren.

 

ZDF-Chefredakteur Peter Frey: "In '24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag' geht es darum, Geschichten auf Augenhöhe zu erzählen – nicht über, sondern vor allem von den Menschen. Vom Township-Bewohner bis zum reichen Einwanderer, vom Farmer bis zur Eventmanagerin, vom Streifenpolizisten bis zum Diamantenschürfer erstreckt sich der Bogen."

Theo Koll, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik: "Die 24 Stunden-Sendung ist die längste und Einblick gewährendste Afrika-Dokumentation aller Zeiten."

 

Peter Wagner, Leiter ZDFinfokanal: "Es ist möglich, immer wieder in die Geschichten einzusteigen, ohne den Zusammenhang, den roten Faden zu verlieren. Der Zuschauer hat damit die Möglichkeit, die Protagonisten über den Tag hinweg in ihrem Alltag zu begleiten."

 

Das Team:

 

Das zwölfköpfige Autorenteam setzt sich aus neun Videojournalisten und drei Autoren mit Kamerateams zusammen. Da "24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag" einen Reportage-Charakter hat, bot es sich an, hierfür die Vorteile der kleinen Teams und Kameras zu nutzen, um immer schnell, mobil und nah am Protagonisten zu sein.

 

Die Leiter der Sendung sind Claudia Ruete und Peter Wagner. Das Redaktionsteam in Mainz setzt sich aus Kollegen des ZDFinfokanal (Lisa Borgemeister) und der Hauptredaktion Außenpolitik (Andrea Gries und Ariane Jähnichen) zusammen.

 

Die zwölf Reporterinnen und Reporter waren wochenlang überall in Südafrika unterwegs – normalerweise sind sie überwiegend für Sendungen wie das auslandsjournal, die heute-Nachrichten oder das heute-journal im Einsatz. Für sie alle bedeutete dieses Projekt eine große Umstellung vom schnellen, aktuellen Arbeiten hin zu einer langsamen, dokumentarischen Dreh- und Erzählweise. Da keiner der Beteiligten je ein Projekt in dieser Größenordnung realisiert hat, ist der fertige Film das Ergebnis eines sehr spannenden Prozesses und einer großartigen Teamarbeit: Die Autoren vor Ort und das Redaktionsteam in Mainz standen während der Dreh- und Produktionszeitzeit in ständigem und intensivem Austausch miteinander. Eine verzahnte Zusammenarbeit, die bei Regelproduktionen in der Form nicht nötig ist, war Grundvoraussetzung, um dieses Projekt realisieren zu können. Ob Protagonisten absagten, Kameras kaputt gingen, Drehgenehmigungen auf sich warten ließen – das gesamte Team, sowohl in Südafrika als auch in Mainz, fand gemeinsam und in kürzester Zeit Lösungen für jede Widrigkeit.

 

In den folgenden kurzen Zitaten spiegeln sich die Eindrücke der zwölf Reporter und Reporterinnen zu ihren Drehreisen und zum gesamten Projekt wider:

 

Carsten Behrendt (Autor): "'24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag' ist Fernsehen einmal anders: überraschend und hoffentlich auch besser als gewohnt. Die Geschichten spielen zwar in einem Land am anderen Ende der Erde, aber es macht einfach Spaß, Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags zu erleben. Dass einige von ihnen im Sturzflug über Sümpfe brettern oder mit Krokodilen baden, macht die Sache natürlich noch etwas spannender."

 

Hildegard Buder-Monath (Autorin): "Nach Südafrika reisen ermöglicht, Zeuge eines Heilungsprozesses zu werden. Das zarte Wachsen einer gemeinsamen südafrikanischen Identität zu erleben, wo früher Hass und Rassentrennung das Leben vergiftet haben. Und das ist vielleicht noch beglückender als jede Safari unter afrikanischem Himmel."

 

Ulrike Eichin (Autorin): "Leben im Township? Schrecklich, aber nicht nur. Es bedeutet auch Nachbarschaft, Nähe, Teilen und füreinander da sein, Herzlichkeit, Hoffnung und Heiterkeit. Das hat mich sehr beeindruckt."

 

Katrin Eigendorf (Autorin): "Wenn man heute Südafrika erlebt, die Kriminalität, die sozialen Spannungen, die längst nicht überwundene wirtschaftliche und soziale Apartheid – dann beginnt man zu begreifen, welche großartige humane Leistung der friedliche Übergang zur Demokratie gewesen ist."

 

Thomas Gill (Autor): "Mein Bild von Soweto vor dem Dreh: Wellblech-Slums, Überfälle am hellichten Tag, Mandela-Graffiti auf jeder Mauer. Mein Bild nach dem Dreh: modernste Shopping Malls, mondäne Villenviertel, großzügige Parkanlagen mit Kinderspielplätzen, an jeder Ecke eine Nachbarschaftshilfe, überfüllte Kleinbusse, Touristenführungen."

 

Daniel Moj (Autor): "Ich habe in Johannesburg die unterschiedlichsten Welten mit meiner Kamera besuchen dürfen – von den obdachlosen und drogenabhängigen Straßenkindern bis zu dem millionenschweren Stripclub-Besitzer Lolly Jackson. Immer faszinierend und manchmal erschütternd waren die Begegnungen mit den Menschen in Johannesburg. Ich hoffe, dass ich diese Eindrücke mit den Zuschauern teilen kann."

 

Martina Roßkopf (Autorin): "In Afrika ist der Himmel weiter, das war mein erster Gedanke, als ich dort vor Jahren zum ersten Mal aus dem Flieger stieg. Dieses Land ist so groß, es hat so viele verschiedene Facetten – selbst ein Film, der 24 Stunden dauert, wird da nicht langweilig. "Africa is not for sissies – Afrika ist nichts für Weicheier", das haben mir die Afrikaner immer wieder gesagt. Es ist wilde Schönheit und immer noch ein Abenteuer, so wie dieses Projekt."

 

Winfried Schnurbus (Autor): "Eine unglaubliche Drehreise: Ich traf auf Menschen, die meine Seele berührten; Abenteurer, die dunkle Geheimnisse quälen; Buschmänner, die mich nachdenklich werden ließen; auf ein Land voller Hoffnung und Aufbruchstimmung und auf eine Landschaft, die einfach verzauberte. Und ich begegnete endlich auch meinem letzten der "Big Five": einem prachtvollen Leopardenmännchen. Minutenlang, nachts, nur ein paar Schritte entfernt im Lichtkegel der Lampe. Südafrika hat den Menschen viel zu geben, es verändert die Menschen."

 

Stefanie Schoeneborn (Autorin): "Ob im Township vor Durban, in der Großstadt oder im idyllisch kleinen St. Lucia – Menschen aller Hautfarbe rufen sich gerne ein fröhliches "Sharp-Sharp" zu. Meist kombiniert mit einem breiten Lachen. Südafrika ist für mich wie dieser Ausruf: Sharp-Sharp. Eine Mischung aus: "Hey, wie geht’s?", "Bis bald, wir sehen uns und pass auf dich auf" und "Wow!". Ich mag das fröhlich Staunende und die Vertrautheit in diesen beiden Wörtern. Südafrika ist im Aufbruch, trotz wiederkehrender kleiner Rückschläge. Würde das Land an mir vorbeigehen, würde ich ihm gerne ein fröhliches: "Sharp-Sharp" zurufen."

 

Birgitta Schülke (Autorin): "Viele Südafrikaner, mit denen ich gesprochen habe, sind gekränkt, dass ihnen immer noch niemand zutraut, eine gute WM auszurichten. Nach meiner zweiwöchigen Drehzeit habe ich das Gefühl, es wird viel besser, entspannter und vor allem fröhlicher als wir uns das bis jetzt vorstellen."

 

Andreas Weise (Autor): "Südafrika hat mich positiv überrascht. Ich bin mit durchaus gemischten Gefühlen dorthin geflogen. Acht Tage Dreh in Johannesburg, einer Stadt, die meist nur in Verbindung mit Kriminalität und Gewalt bei uns in den Meldungen auftaucht, standen mir bevor. Doch am Ende war ich fast traurig, von dort weiter zu fahren in Richtung Kapstadt. Die Südafrikaner, die ich getroffen habe, egal ob schwarz, weiß oder 'coloured', sind sehr stolz auf ihr Land und neugierig darauf, wie wir es sehen. Ja, in Südafrika gibt es viel Gewalt, aber auch viele schöne und spannende Dinge."

 

Hans Zimmermann (Autor): "Noch nie habe ich gemeinsam mit so vielen Menschen an einem Projekt gearbeitet. Noch nie habe ich von so vielen Menschen in einer Sendung erfahren. Ich wünsche mir, dass der Betrachter am Ende sagen wird: Das Ganze ist wirklich mehr als die Summe seiner Teile."

 

Auf Knien vor dem Zulu-Chief - Ein Drehbericht von von Stefanie Schoeneborn

 

"Bin ich hier sicher?", fragt Thembo. "Ja, ich glaube schon", antwortet Mark. "Oder nein, vielleicht doch nicht. Wirf ihm lieber noch ein Handtuch über die Augen." Ihm – das ist ein drei Meter langes Krokodil. Auf dem Kopf liegt schon ein Handtuch, schräg über den Augen, das Maul ist aufgerissen. Auf gleicher Augenhöhe kniet Mark, keinen Meter entfernt. In der Hand hält er ein Seil. Das andere Ende ist um den Oberkiefer des Krokodils geschlungen. Sie wollen es einfangen. Mit einem Besenstiel schiebt Thembo das Handtuch sachte von hinten über die Augen. Das Handtuch soll das Krokodil verwirren, orientierungslos machen. Mark Robertson ist ein Adrenalin-Junkie. Er liebt seine Krokodile und gibt ihnen auch gerne Kosenamen. Er ist 'Conservation Manager' im iSimangaliso-Wetland-Park an der Ostküste der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal, zuständig für den Erhalt aller Reptilien. Für mich ist er der 'Krokodilmann'. Diese langen Viecher mit den scharfen Zähnen waren mir bisher eher unheimlich, die Vorstellung einem näher zu kommen, nicht wirklich attraktiv. Als wir nachts in einer Nussschale von Boot über einen See schippern und Krokodile zählen, fühle ich mich nicht wirklich wohl in meiner Haut. Aber gegen Marks Leidenschaft für seine 'beautiful creatures' kann auch ich mich nicht wehren. iSimangaliso heißt in der Sprache der Zulus übrigens Wunder.

 

Der Geruch von Räucherstäbchen und Curry schlägt mir entgegen, als ich den Gewürzladen der Inderin Sanusha Moodliar betrete. Bollywood, denke ich. Bin ich wirklich in Südafrika oder bin ich versehentlich in Indien gelandet? In dem 'Kammerspiel' des kleinen Gewürzladens zeigt sich der Schmelztiegel der Millionenstadt Durban. Über eine Million Inder leben in Südafrika, die meisten in Durban. In Sanushas Gewürzladen treffen sich arm und reich, Menschen aller Couleur. Und Sanusha philosophiert über Südafrika, Religion, Apartheid und die Fußball-WM. Die Apartheid gibt es nicht mehr, sagt sie – und die WM werde Südafrika einen neuen Aufschwung bringen. Mehr Jobs, ein neues Gefühl von Gemeinschaft. Das Bild, das sie von Südafrika zeichnet, ist ebenso farbenfroh und hübsch wie ihr Gewürzladen.

 

Bei Sithembiso, Lifeguard aus Lamontville, lernt man ein anderes Afrika kennen. Sithembiso lebt in dem berüchtigtsten und ältesten 'coloured' Township vor Durban. Bei unserer ersten Begegnung schaut er mich kritisch an. Er traut mir nicht, 'der Weißen vom Fernsehen'. Wir wollten doch sowieso nur erzählen, wie gefährlich diese Townships seien, wie arm und ungebildet die Leute. Dabei gäbe es

 

hier auch gute Dinge seit dem Ende der Apartheid. Die meisten Lifeguards, die heute die Strände von Durban bewachen, kommen aus Lamontville. Und er, Sithembiso, hat ihnen allen das Schwimmen beigebracht. Genau deswegen bin ich da. Denn ich habe von diesem Pool in Lamontville gehört, dem ersten in einem Township. "Jeder kann hier schwimmen lernen, umsonst." Sithembiso erzählt, wie es damals war, 'the other days', zu Zeiten der Apartheid. Schwarze durften nur an bestimmten Uhrzeiten und Orten an den Strand gehen. Die meisten Schwarzen konnten nicht schwimmen, auch sein bester Freund nicht. Er ist ertrunken, so wie viele andere Kinder. Schwimmen war ein weißer Sport. Sithembiso hat sich selbst das Schwimmen beigebracht. Richtig gut sei er gewesen, aber wie alle Schwarzen durfte er nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Es sei hart gewesen, aber er habe nie aufgegeben. Heute trainiert er Anfänger, Lifeguards und Anwärter für die Navy. Der Pool in Lamontville ist mehr als nur ein Ort zum Schwimmen. Für die meisten bringt er einen sicheren Arbeitsplatz und hat sie irgendwann von der Straße geholt.

 

Kritisch begegnet mir zunächst auch Mqoqi Ngcobo. Er ist Inkosi, Zulu-Chief, in einem kleinen Ort namens uMzinyathi, 50 Kilometer von Durban entfernt. Er gehört zur Familie des Zulu-Königs von KwaZulu Natal. Seit meiner Ankunft in Durban versuche ich gemeinsam mit meinem Begleiter Oliver einen Termin bei dem Inkosi zu bekommen, doch das erweist sich als sehr schwierig. Die Tradition schreibt vor, dass er sich mit mir nur auf Zulu unterhalten darf. Außerdem darf ich dem Inkosi nicht in die Augen sehen. Wenn ich mich ihm nähere, muss ich das in leicht gebückter Haltung tun, aus Respekt, da er von königlichem Blut ist und ich eine Frau bin. Bei unserem ersten Treffen fragt mich der Chief zu Beginn, ob ich schon verheiratet sei, wenn nicht, könne er mir einen guten Mann besorgen. Ich lehne dankend ab und versuche, ihm dabei nicht in die Augen zu schauen, was mir schwer fällt. Schließlich erhalte ich die Drehgenehmigung. Ich darf ihn morgens zuhause filmen, natürlich nur mit einem Übersetzer und danach seine Frau während eines Zulu-Gottesdienstes begleiten. Da Männer und Frauen während der Predigt getrennt sind, geht das auch nicht anders. Außerdem darf seine Frau direkt mit mir reden. Drei Tage tauche ich ein in die Zulu-Welt, laufe barfuß, wie alle anderen auf dem heiligen Berg in uMzinyathi, drehe kniend den Alltag des Zulu-Chief und lasse mir von seiner Frau Traditionen und Riten erklären.

 

Eine Reise in den Alltag unter der Sonne - Ein Drehbericht von Carsten Behrendt

 

Ein kleiner Sprung über 'einen halben Meter Nichts'. Dann stehe ich auf dem Dach der Seilbahn, die Touristen aus aller Welt auf den Tafelberg bringt. Während sich mein Puls etwas beruhigt hat, steigt die Bahn immer höher über die zerklüftete Felswand und eröffnet einen atemberaubenden Blick auf eine der schönsten Städte der Welt. Mittendrin funkelt die halbtransparente Außenhaut von Kapstadts neuestem Wahrzeichen. Es ist das WM-Stadion, das deutsche Architekten in diese Traumkulisse gesetzt haben.

 

Vor zwei Jahren habe ich für eine ZDF-Reportage zuletzt in Kapstadt gedreht. Damals war das Stadion noch im Rohbau. Viele Südafrikaner waren skeptisch. "Was bringt uns dieses Fußballturnier?", war eine oft gestellte Frage – vor allem in den armen Vororten von Kapstadt, den Townships. Inzwischen hat sich das Bild komplett gewandelt. Alle Menschen, mit denen ich für "24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag" gearbeitet habe, fiebern der Fußballweltmeisterschaft entgegen. Sie freuen sich auf die besten Fußballer der Welt und sie wollen gute Gastgeber sein. Und sie hoffen, bei einem der Spiele selbst im Stadion zu sein.

 

Viele Südafrikaner haben uns ohne Vorbehalte an ihrem Leben teilhaben lassen. Das hat mich überrascht und dafür sind wir alle sehr dankbar. Natürlich bin ich immer wieder über die Kontraste zwischen arm und reich gestolpert. So folgte auf einen Drehtag in der Glitzerwelt der Fernsehmoderatorin Jo-Ann Strauss eine Übernachtung im Township in der Wellblechhütte des Studenten und Rastamanns Bulelani Futshane. Ich denke, unser Film wird weit über diese offensichtlichen, sozialen Unterschiede hinausgehen. Er wird ein Dokument sein, die Momentaufnahme eines wunderbaren und reizvollen Landes und seiner beeindruckenden Menschen. Wir werden unseren Zuschauern ein Fenster nach Südafrika öffnen, durch das sie zu jeder Zeit sehen können, was 10.000 Kilometer von Deutschland entfernt gerade passiert. Diese längste Afrikareportage aller Zeiten ist für unser ganzes Team wie eine Wette. "Schaffen wir das?" war die Frage, die wir uns anfangs sehr häufig und mit fortlaufender Produktionszeit immer seltener gestellt haben. Es entstand eine faszinierende Dokumentation, die in Form und Intensität einzigartig sein wird. Unsere Zuschauer werden Südafrika wahrscheinlich besser und intensiver kennen lernen als viele Südafrikaner.

 

Diamanten im Nebel - Ein Drehbericht von Hilde Buder

 

Wir haben bereits mehr als 700 Kilometer Landstraße hinter uns und sind gespannt, was uns in der Küstenstadt Port Nolloth im Nordosten des Landes erwartet.

 

Etwas benommen von der Hitze des Tages, sind wir froh, dass es in Küstennähe fühlbar kühler wird. Doch auf einmal fahren wir in eine Nebelwand hinein: Die Sicht beträgt weniger als zwanzig Meter. Schuld daran ist der Benguelastrom: Kaltes Meerwasser und heiße Landluft sorgen an der Küste von Namaqualand für angenehm mildes Klima und manchmal wochenlangen Nebel. Inzwischen ist nach kurzer Dämmerung die afrikanische Nacht hereingebrochen. Im "Guesthouse Port Indigo", einer Art Pension, werden wir bereits erwartet. Anel, eine Angestellte, kümmert sich um uns. Wenigstens sie scheint sich über unsere Ankunft zu freuen. Anders als der Pressesprecher der dort ansässigen, staatlichen Minengesellschaft: In seiner letzten E-Mail schrieb er, dass er uns bei unserem Ansinnen, eine Geschichte über Diamantentaucher zu drehen, nicht weiterhelfen könne. Einen Grund nannte er nicht. Immerhin hatte er uns noch vor unserem Abflug nach Südafrika aufgefordert, Kopien unserer Pässe zur Sicherheitsüberprüfung zu schicken. Doch nun sind wir offenbar unerwünscht.

 

Bei einem kalten Bier, Austern und Kingclip (einer südafrikanischen Fisch-Spezialität) kommen wir ins Gespräch mit Anita, einer resoluten Mittfünfzigerin. "Klar kommt ihr auf ein Boot! Fragt Geoff, der kommt morgen von einer Tour zurück."

 

Am nächsten Morgen lichtet sich der Nebel ein wenig. Wir fahren zum Hafen, um auf Geoff zu warten. Am Strand liegt ein Schiffswrack. Auf dem Wasser dümpeln Fischerboote, aber Diamantentaucherboote sehen wir weit und breit nicht. Dann ist endlich ein Motorengeräusch vom Meer zu hören. Diamantenboote erkennt man an dicken, langen Schläuchen, die sie wie Wurstschlangen hinter sich herziehen. Mit ihnen wird der Kies vom Meeresboden hoch gepumpt, aus dem später die Diamanten herausgepickt werden. Das Boot legt an. Die Männer darauf sind kräftig, dunkelbraun gebrannt, ihre Haare von der Sonne gebleicht, und sie tragen verspiegelte Sonnenbrillen. Nur ein Schwarzer ist unter ihnen. So also sehen Diamantentaucher aus. Geoff ist nicht dabei. Wir bitten um eine Dreherlaubnis auf der "Orca", so der Name des Bootes.Wir erklären, dass wir an der längsten Südafrika-Dokumentation arbeiten, die es je gab. Die Männer sind beeindruckt, aber ihre Antwort heißt "Nein". Die Minengesellschaft, bei der sie unter

 

Vertrag stehen, würde ihnen sonst kündigen. Und ohne Vertrag gibt es keine Diamanten, denn die großen Konzerne haben die Tauchlizenzen unter sich aufgeteilt und vergeben sie weiter, wie etwa an die Besatzung der "Orca".

 

Am nächsten Morgen erwischen wir Geoff auf dem Handy. Er würde uns gern helfen, aber auf dem Boot mitfahren und drehen, das ginge nicht. Die Minengesellschaft hat ihn bereits unter Druck gesetzt. Nun ahnen wir wenigstens, warum wir seit Tagen im Trüben fischen. Gibt es denn keinen einzigen unabhängigen Diamantentaucher in Port Nolloth? Doch, den gibt es. Wayne Cooke ist unsere Rettung. Wie er an seine Lizenz kam, bleibt nebulös, wie so vieles in Port Nolloth. Sein Boot liegt in einer Nachbarbucht. "Kommt morgen um neun ans Ufer hinter der Fischbfabrik, dann holt euch mein Skipper ab!" Wir sind überglücklich, als wir endlich mit Waynes Leuten an Bord sind. Die See ist ruhig, der Nebel hat sich verzogen und gibt den Blick frei auf eine wunderbare Küstenlandschaft, die vom Massentourismus bisher verschont wurde. Die Taucher ziehen ihre Anzüge an, testen die Sauerstoffzufuhr aus einer Druckluftflasche und springen ins eiskalte Wasser. Sie werden mehr als vierzig Karat Diamanten vom Meeresboden holen.

 

Vertrauen gewinnen – Eine Reise zu den San-Buschmännern - Drehbericht von Autor Winfried Schnurbus

 

Mühsam hat sich der Landrover fast zwei Stunden durch den roten, heißen Sand der Kalahari gekämpft, hat Düne um Düne erklommen, um sich dann schlingernd in die nächste Senke zu stürzen. Ein waghalsiges Manöver in der Gluthitze der Kalahari, ein abenteuerlicher Trip zu den ältesten Menschen Südafrikas, zu den Ureinwohnern. San werden sie genannt.

"San? Wir sind keine San, wir sind Buschmänner!" Es ist eher Empörung, als Verwunderung, die mitschwingt, als die kleinen Männer das sagen. Wir hatten uns auf die erste Begegnung mit jenen kleinwüchsigen Menschen gefreut. Ihre besonderen Kennzeichen: die runzlige, faltige Haut, der Krauskopf und der Lendenschurz aus Fell. Sie lieben die Natur, leben voller Respekt und in unglaublicher Harmonie mit ihr. Alt werden die Ureinwohner Südafrikas nicht. 50 Jahre vielleicht. Ihr Lebensraum ist die unwirtliche Kalahari. Doch das breite Lachen, mit den blitzenden Zähnen im schwarzen Gesicht, kommt nicht von Herzen. In den Augen von Corné, dem ersten Buschmann, dem wir begegnen, liegen die Schatten tiefen Misstrauens. Meine ausgestreckte Hand nimmt der junge San nur zögerlich. Er kennt die Geste, doch akzeptiert hat er sie nie. Es ist der Willkommensgruß der Zivilisation. Und deren Kultur passt nicht in seine Welt. Er hat eine Schule besucht, spricht Englisch, wohnt sogar in einer Hütte – manchmal.

 

"Ihr versteht uns Buschmänner nicht", erklärt er mir. "Auch ihr wollt uns nur filmen, wie die Tiere der Wüste, weil wir anders sind. Für unser Leben, unser Schicksal interessiert ihr Euch nicht wirklich." Diese Worte sind ein Schock. Er sagt sie, nachdem wir einen ersten Blick in sein Dorf geworfen haben und mit ihm und Topi, dem Ältesten, durch die Wüste gestreift sind. Corné ist verbittert, enttäuscht von uns. Zwei Stunden sitzen wir zusammen, im Schatten eines Baumes mit weit ausladenden Ästen. Ich höre zu, lasse mir erzählen, wie lange die San heimatlos waren, weil die Weißen Südafrikas sie vertrieben hatten. Dass sie nun wieder eigenes Land besitzen – auch wenn es nur Wüste ist. Dass sie nun wieder ihre Identität haben, ihre Kultur, ihre Sprache und ihre Gemeinschaften. "Wir versuchen den Spagat zwischen Zivilisation und Steinzeit – das ist aber nicht möglich", erklärt Corné. Er spricht leise, flüsternd. Das tun alle San, die Wüste hat es sie gelehrt. Wer das spärliche Wild erlegen will, darf es nicht verjagen.

 

Corné hat versucht, bei den Südafrikanern zu leben. Doch er hat es nicht geschafft. "Ich bin zu meinem Volk zurückgekehrt. Ich werde hier bleiben, werde Medizinmann meiner Gemeinschaft." Es zahlt sich aus, dass ich Corné solange zugehört habe. Er vertraut mir.

 

"Der Fußabdruck der Mutter ist das erste, was sich die Babys der Buschmänner einprägen. Das ist überlebenswichtig, denn die Mutter sorgt für Essen", sagt Corné. In der Gluthitze der unwirtlichen Kalahari verstehe ich sofort, warum das so wichtig ist. Auf die Fähigkeit, Spuren zu lesen, sind die Buschmänner ihr ganzes Leben lang angewiesen.

 

Mit Topi und Corné machen wir einen Streifzug durch die Kalahari. Rote Sandhügel und –dünen soweit das Auge reicht. Dazwischen Grasbüschel, Sträucher und Büsche – es hat viel geregnet in den letzten Monaten. Auf einer Sandkuppe liest uns Topi aus dem 'Buch', das in der vergangenen Nacht 'geschrieben' wurde. Die Spuren im Sand sind die Buchstaben der Geschichten, die die Tiere geschrieben haben. Da sind die Abdrücke einer Wüstenmaus. "Eine Wildkatze ist der Maus gefolgt", flüstert Topi in seiner Klicksprache (Das typische Merkmal sind Schnalzlaute mit der Zunge). Corné übersetzt – ebenso leise. "Da hat eine Schlange getanzt und hier saß ein Kaninchen drauf und hat von den Blättern genascht." Wir hatten noch nicht einmal erkannt, dass es Spuren sind.

 

Topi zeigt auf vier kleine, unscheinbare Dellen im Sand. Es ist die erst im Morgengrauen gebaute Unterkunft eines Lebewesens. Mit einem Grashalm piekst Topi in den Sand und hebt dann vorsichtig ein fein gesponnenes Netz an: eine Spinne hat es gewoben, der Wüstenwind hat Sand darüber gedeckt. Schutz vor der unerbittlichen Sonne der Wüste. Mit dem Halm lockt Topi die Spinne hervor. Dann legt er das Netz genauso wieder über die Höhle, pustet ein wenig Sand darüber – alles ist, als hätte niemand den Frieden der Natur gestört.

 

Als die Sonne hinter den Dünen der Kalahari versinkt, tanzen sie um ein kleines Lagerfeuer den Göttertanz. "Wer sind Eure Götter?", will ich wissen. "Götter? Wir haben keine Götter! Unser Gott ist die Natur." "Wir sollen uns an sie erinnern, wenn wir wieder weit weg sind", sagt Topi, und gibt mir zum Abschied ein Straußenei. Seine Partnerin, Ehefrauen gibt es nicht, hat Figuren in die Schale geritzt und er hat sie mit Erdfarbe ausgemalt – Tiere und Jäger wie in uralten Höhlenzeichnungen. Wir werden sie nicht vergessen und auch nicht, was sie uns gelehrt haben, die einfachen, kleinen Menschen der Kalahari.

 

Eine Auswahl der Protagonisten

 

Tshepiso Mohlala (Eventmanagerin)

 

"Das ist unsere Bühne", sagt Tshepiso Mohlala und breitet die Arme aus. "Hier werden wir der Welt beweisen, dass wir ein so großes Event wie die Fußball-Weltmeisterschaft organisieren können – auch wenn uns das viele nicht zutrauen." Mit Stolz, aber auch etwas Trotz im Gesicht schaut sie sich im Stadion "Soccer City" um. Bis zu 90.000 Menschen werden hier am 11. Juni die Eröffnungsfeier der Fußball-WM miterleben – eine Feier, die die Eventmanagerin mitorganisiert hat. Noch ist streng geheim, was dort passieren wird. Nur so viel kann sie sagen: es wird sehr afrikanisch, sehr vielfältig und lebendig.

Mit ihrer Biographie spiegelt Tshepiso das neue Südafrika wider, das sich bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land präsentieren will. Geboren im Township Soweto, erlebte die heute 37-Jährige den Soweto-Aufstand in der Schule. Tänzerin wollte sie damals werden, träumte von einer internationalen Karriere – aber sie war zu großgewachsen. Als die Apartheid abgeschafft wurde, war sie 21 Jahre alt. Tshepiso studierte Recht und Wirtschaft und nach einem Aufbaustudium Kultur-Management gründete sie ihre Agentur "Back 2 Back". Sie war bereits bei der Eröffnungsfeier des Confederations Cup 2009 in Südafrika beteiligt und ist es jetzt bei der Eröffnungs- und Abschlussfeier der Fußball-WM. Inzwischen ist sie aus dem Township Soweto weggezogen und wohnt in einem gehobenen Wohnort in Johannesburg. Wenn sie mit ihrem schwarzen '4-Wheel' nach Hause kommt, muss sie erst an einem Wachposten vorbei. Denn ihre Wohnung liegt auf einem von hohen Mauern und Stacheldraht umgebenen Gelände, gut gesichert. "Man muss sich auf die Kriminalität einstellen", sagt sie. "Aber", schiebt sie schnell hinterher, "es ist längst nicht so schlimm, wie das im Ausland wahrgenommen wird. Niemand muss Angst haben, nach Südafrika zu kommen. Natürlich gibt es das Kriminalitätsproblem, denn der Unterschied zwischen arm und reich ist einfach noch zu groß. Aber die Sicherheit wurde für die WM noch einmal erhöht. Alle können sicher sein: Wir haben das im Griff." Und da ist er wieder, dieser leichte Anflug von Trotz in ihrem Gesicht, der sagen will: "Wir werden es euch beweisen. KE NAKO AFRIKA – es ist Zeit, für Afrika zu leuchten."

 

Rainer Zobel (Fußballtrainer)

 

"Es gibt immer noch Ressentiments. Aber wir wollen der erste Club sein, der Nelson Mandelas Vision von der Regenbogennation verwirklicht: Alle Südafrikaner zusammen." Rainer Zobel ist viel herumgekommen: Mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller spielte er einst in der legendären Bayern-Elf, danach tingelte er als Fußballtrainer jahrelang durch die Welt, lebte in Ägypten, Georgien, den Arabischen Emiraten. Jetzt trainiert er eine Mannschaft in Johannesburg, die "Moroka Swallows". Seine Wohnanlage wird mit Mauern und Elektrozäunen geschützt. Doch er fühlt sich sicher in Johannesburg, auch wenn er allein unterwegs ist. Und er pendelt zwischen zwei Welten, Südafrika und Deutschland – seine Frau und die schulpflichtigen Söhne sind in Braunschweig geblieben. Dass für ein südafrikanisches Fußballspiel Zauberwasser und Rituale nötig sind, daran hat sich Rainer Zobel längst gewöhnt – und auch daran, dass Spiele immer wieder mit Verspätung beginnen, weil das Gebet für den Sieg länger dauert.

 

Jo-Ann Strauss - (TV-Moderatorin)

 

Kaum ist der letzte Satz der Moderation gesprochen, brummt schon wieder ihr ständiger Begleiter, das kleine schwarze Telefon. Eine E-Mail von einem WM-Sponsor. Die Firma möchte Jo-Ann für die Moderation einer Abendveranstaltung verpflichten. Jo-Ann lacht, ihre dunklen Augen funkeln. So, wie sie den ganzen Tag lacht und jedem, der sie anspricht, in einer Mischung aus englisch-afrikaans Surferslang ein "Howzit? Yaah. Lekker, dude!" zuruft.

 

Jo-Ann war Miss South Africa. Aber sie ruht sich nicht aus auf ihrer Schönheit. Sie war eine der ersten schwarzen Studentinnen an der Elite-Universität von Stellenbosch, wo sie Jura studiert hat. Jo-Ann hasst die Bezeichnung 'Party Girl'. Sie hasst es überhaupt, irgendwo nur herumzustehen und nichts zu tun. Morgens ein Dreh für ihre Fernsehsendung "Top Billing", mittags ein Flug mit dem Helikopter zu einer Veranstaltung in den Winelands, nachmittags Besprechungen für ihre verschiedenen Wohltätigkeits- und Firmenaktivitäten und am Abend eine Vorbesichtigung im WM-Stadion von Kapstadt. Das ist ein Tag, wie Jo-Ann ihn mag. Es ist ihr Tag bei "24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag". Ihr Privatleben hält Jo-Ann so gut es geht unter Verschluss. Am Wertvollsten ist für sie die Zeit mit ihrem deutschen

 

Freund Michael, der als Arzt in Kapstadt fast rund um die Uhr im Einsatz ist. Mit ihm spricht sie ausschließlich deutsch. Jo-Anns Deutschkenntnisse werden ihr auch bei ihrer neuen Aufgabe helfen: Für das ZDF wird sie während der Fußball-WM aus Südafrika berichten. "Ein Traumjob und hoffentlich ein großer Sprung in meiner Karriere", sagt Jo-Ann. Die deutschen Zuschauer dürfen sich schon mal freuen auf eine strahlende Powerfrau und ihre deutsche Fassung von "Howzit? Yaah. Lekker, dude!"

 

Dede Ntsoelengoe (Führer auf Robben Island)

 

"Ich war geschockt. Ich dachte, sie würden uns einen Streich spielen. Aber die Wärter sagten, dass es wahr sei. Sie haben es im Fernsehen gebracht. Wir waren absolut glücklich. Wir erfuhren durch unsere Anwälte, dass wir uns nun vorbereiten mussten – denn auch wir würden freigelassen. Wir waren so aufgeregt!"

 

Dede Ntsoelengoe erzählt von dem Tag, an dem er, damals selbst politischer Häftling auf der Gefängnisinsel Robben Island, von der Freilassung Nelson Mandelas erfuhr. Das war im Februar 1990 – an jenem Tag, der Südafrika veränderte. Heute ist Robben Island kein berüchtigtes Gefängnis mehr, sondern ein Ausflugsziel. Dede führt Besucher über die Insel und berichtet vom Überleben als Häftling auf Robben Island, der Insel vor Kapstadt, auf der er sechs Jahre seines Lebens verbracht hat. Er erzählt, wie sich die Häftlinge durch Wände miteinander verständigten, von Freundschaften zwischen Wächtern und Gefangenen und wie er mit Bildern an der Wand sprach, um der Einsamkeit zu entkommen.

 

Martina Heinz (Berlinerin in Südafrika)

 

Die Berlinerin Martina hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt: Sie ist nach Südafrika ausgewandert. Ebenso wie ihr Mann Cliff schwärmt sie seit langem für das Land. Dort haben die beiden sich auch kennen gelernt. 2009 nahmen die beiden das Angebot an, zusammen in einem Hotel in Phalabowa, am Rande des Krüger-Nationalparks, zu arbeiten. Martina ist gelernte Fremdsprachensekretärin und hat davor in Berlin gelebt und gearbeitet. Cliff, der aus England stammt, ist jetzt Stock-Manager. Martina kümmert sich um die Souvenirläden des Hotels, um VIP-Gäste und sie kontrolliert den reibungslosen Ablauf des Services. Martina und Cliff verzichten auf viel, um ihren Traum zu leben: In Deutschland und England haben sie alles aufgegeben – sichere Jobs und Wohnungen, gutes Einkommen und ihre Krankenversicherung. Dafür leben sie jetzt mitten in der wilden Natur Afrikas, die sie sehr lieben. Nach der Arbeit können sie spontan in den Nationalpark fahren, um Elefanten zu beobachten, denn das Hotel ist nur wenige Minuten Autofahrt entfernt. Ein Leben mitten im Paradies – könnte man meinen. Martina und Cliff erleben aber auch die Probleme des neuen Südafrikas, die immer noch starke Trennung zwischen Schwarzen und Weißen, wirtschaftliche Probleme, Aids und Gewalt.

 

Captain Crash - (Buschpilot)

 

"I’m still alive – ich lebe immer noch" wenn CC diese Worte sagt, klingt es, als sei das eines der größten Wunder. CC – das heißt so viel wie "Captain Crash". CC ist Buschpilot im Nordosten Südafrikas. Ein Draufgänger, ein Abenteurer, der gar nicht mehr weiß, wie viele Unfälle er hatte. An den Wänden seines Zuhauses zeugen zerfetzte Propeller und andere Bruchstücke von all den schief gegangenen Landungen irgendwo im afrikanischen Busch. Wenn er nicht gerade irgendeinen waghalsigen Einsatz fliegt, Autodiebe mit seiner ramponierten Cessna jagt oder Stunts für einen Kinofilm dreht, dann bringt er Piloten aus aller Welt bei, wie man ein Flugzeug sicher durch die unberechenbaren Winde von Canyons und Schluchten steuert. Doch der Abenteurer hat auch dunkle Geheimnisse in seiner Seele begraben. CC war auch in der Luftwaffe Südafrikas. Damals, zu Zeiten der Apartheid. Einsätze über Angola ist er geflogen, dort wo die Ausbildungscamps des ANC (African National Congress) waren, wo die Killerkommandos trainiert wurden. "Hast Du Bomben abgeworfen?" will ich wissen. CC’s Mine verschließt sich. Über dieses Kapitel seines Lebens will der Buschpilot nicht reden. Nur das sagt er: "I’m still alive – ich lebe immer noch!"

 

Elliot Hluthwa - (Sozialarbeiter)

 

"Wir müssen die Kinder von der Straße bekommen. Das ist der Grund, weshalb wir sagen: 'Kommt zum Fußballplatz. Lasst uns spielen'. Das ist unsere Chance." Elliot Hluthwa ist Streetworker und Fußballcoach. In der Innenstadt von Johannesburg kümmert er sich um Straßenkinder. Er kämpft dafür, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gehen, dass sie genug zu essen haben, einen Schlafplatz – und dass sie nachmittags gemeinsam Sport machen: Fußball, Korbball, traditionelle afrikanische Spiele – wichtig ist Elliot dabei, die Kinder von der Straße und von den Drogen wegzuholen.

 

Lineo Mapele - (Krankenschwester)

 

Gerne macht Lineo Mapele sie nicht, die Nachtschicht von 19.00 bis 7.00 Uhr auf der Intensivstation im Chris Hani Baraghwanah Hospital. "Aber", sagt die Krankenschwester, während sie ihrem Patienten Blut abnimmt, "es hat auch Vorteile. Man ist nicht so gehetzt, kann sich in Ruhe um die Patienten kümmern und auch mal mit den Kolleginnen schwatzen." Die 53-Jährige ist mit ganzer Seele Krankenschwester. Seit 30 Jahren arbeitet sie jetzt im Baragwanah. Im Township Soweto gelegen, ist es mit knapp 3000 Betten das größte Krankenhaus Südafrikas. Die meisten Patienten sind Schwarze. Denn ins Bara, wie es kurz genannt wird, kommen die, die keine Krankenversicherung haben und sich keine Privatklinik leisten können. Krebs- und Nierenerkrankte werden behandelt, aber auch Unfallpatienten und häufig Opfer von Schießereien und Messerstechereien.

Lineo Maphele weiß schon jetzt, dass sie während der Weltmeisterschafft nur wenig frei haben wird. Schließlich liegt das größte Fußballstadion "Soccer City" gerade mal fünf Minuten vom Baragwanah Hospital entfernt. Für den Fall der Fälle hat das Krankenhaus einen Notfallplan erarbeitet. "Wenn es darauf ankommt", sagt sie, "arbeiten wir Tag und Nacht – aber es wird schon nichts passieren. Wir werden alle gemeinsam eine wunderbare WM feiern.“

 

Pieter-Dirk Uys - (alias Tannie Evita)

 

Pieter-Dirk Uys ist Südafrikas berühmtester Kabarettist. Seine Figur Tannie Evita ist die wohlbekannteste weiße Frau des Landes. Die 'Dame Edna Südafrikas'. Hinter 'der Oma der Nation' steckt ein Mann, der sich unermüdlich engagiert, gegen Aids und gegen korrupte Politiker. Seine Waffe ist der Humor. Von sich selbst sagt er: Ich bin 65 Jahre alt, schwul, etwas übergewichtig, ich liebe Katzen und Sofia Loren. Andere beschreiben ihn als moralische Instanz. Er ist ein mutiger Mann, der nicht aufhörte, das Apartheid-Regime zu kritisieren. Getarnt hinter falschen Wimpern, Stöckelschuhen und den Attitüden einer weißen Großgrundbesitzerin, schießt er bissige Kommentare, die nicht nur zum Lachen anregen, sondern auch zum Nachdenken.

 

Bulelani Futshane (Township-Bewohner)

 

"Survival is the key" – "Überleben ist der Schlüssel" – das ist Bulelani Futshanes Lebensmotto. Er erzählt, dass es an manchen Tagen nicht mal Brot im Township gebe. Während des Drehs fällt in seiner Wellblechhütte immer wieder der Strom aus. Bulelani ist ein großer Fußball-Fan. Die Aufstellungen der meisten Teams kann er im Schlaf herunterbeten. Sein deutscher Lieblingsspieler ist Bastian Schweinsteiger oder „SAWEINSTAIGA!“, wie Bulelani ihn nennt: "Ich liebe das. So ein typisch deutsch klingender Name."

 

Vor kurzem hat sich Bulelanis Leben gründlich verändert. Er ist Vater geworden und er hat einen Studienplatz bekommen, in Stellenbosch, der besten Universität des Landes. Stellenbosch war einst die Kaderschmiede der weißen Führungselite. Aber nun könne man an seiner Uni gut die Veränderungen seit dem Ende der Apartheid ablesen, sagt Bulelani. Ihn stört die Opfermentalität, die viele Menschen im Township an den Tag legen. "15 Jahre nach dem Ende der Apartheid lasse ich das nicht mehr gelten", sagt Bulelani. "Die Lebensumstände dürfen nicht über Deine Persönlichkeit bestimmen", sagt der 25-Jährige und es klingt ein bisschen altersweise. Man lernt schnell im Township.

 

Onlinehinweis:

 

Im Internet wird die Sendung mit einem interaktiven Spezial begleitet. Der ZDF-Onlineauftritt stellt die Menschen in den Mittelpunkt und greift die klare 24-Stunden-Struktur auf. In kurzen Videosequenzen werden zwischen 30 und 50 ausgewählte Südafrikaner/innen in ihrem Alltag begleitet – einige kommen mehrfach zu unterschiedlichen Tageszeiten vor, andere auch nur ein oder zwei Mal. Über verschiedene Filterfunktionen kann der Nutzer gezielt nach seinen Interessen auswählen, welche Beiträge er sehen möchte. Das Angebot ist am 5. Juni 2010 unter www.suedafrika.zdf.de. abrufbar. Schon jetzt gibt es unter der Adresse umfangreiche Informationen rund um Land und Leute in Südafrika.

 

Ab sofort können "Facebook"-Nutzer in das 24Stunden-Geschehen einsteigen. Auf der "24 Stunden Südafrika. Ein Land – ein Tag"-Fanseite werden Teilnehmer des Projekts aus ihrem Alltag berichten. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, die Südafrikaner schon vor dem Sendetermin kennenzulernen und mit ihnen zu kommunizieren. Außerdem wird es regelmäßig Neuigkeiten von den Machern des Projekts geben sowie Vorabvideos und Fotos. Am Sendetag selbst werden auf Facebook mehrere spannende Aktionen parallel zur Ausstrahlung durchgeführt.

 

©2010 by ZDF

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Interviews:
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Sandra Maischberger
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Robert Atzorn
Desireé Nosbusch
Katerina Jacob

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