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Thomas Gottschalk Interview
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zu: „Wetten dass …?“, 23. Januar, 27. Februar, und 27. März, jeweils 20.15 Uhr, ZDF
Das blondeste Aushängeschild des ZDF eröffnet das „Wetten dass …?“- Jahr mit der 186. Ausgabe der Familienshow und redet im Interview über Erfolgsdruck, sein Leben hier und in Amerika und seinen Wunsch-Gast
Thomas Gottschalk „Die Leute erwarten von mir etwas Großes!“
Die Zeiten, in denen Thomas Gottschalk Einzel-Interviews gegeben hat, gehören längst der Vergangenheit an. Wenn der TV-Titan der Samstagsabendunterhaltung heute Journalisten einlädt, dann passiert das stets im Rahmen einer Pressekonferenz am Vortag seiner „Wetten dass …?“, nur in Hand verlesener Runde, am liebsten mit einer Mischung aus Print und Hörfunk – sogar Fotografen und TV-Teams (außer den ZDF-eigenen) sind seit Neuestem unerwünscht. Trotzdem oder gerade deshalb sind die Tage im Jahr, an denen ein sonniges Gemüt wie Thomas Gottschalk (wird im Mai 60) mal schlecht gelaunt ist, an den Fingern einer Hand abzuzählen. Und wenn einer sich solche Allüren im Umgang mit der Presse leisten kann, dann ist es Gottschalk, dem man dies wegen seines Thommy-Lächelns verzeiht. Nun eröffnet das blondeste Aushängeschild des ZDF mit der 186. Sendung von „Wetten dass …?“ aus Friedrichshjafen am Bodensee die Saison 2010 und auf der Gästelist stehen Eros Ramazotti, Bon Jovi und Ich+Ich. Gottschalks uneingeschränkte Familientauglichkeit als TV-Unterhalter liegt sicherlich auch darin begründet, dass der Ehemann von Thea (60) und Vater zweier Söhne (Roman, 27 und Tristan, 20) Familienleben auch privat ganz groß schreibt. Reden will er darüber öffentlich nur begrenzt, deshalb sind hier die neuesten Gottschalk-Ansichten zu Themen unserer Zeit:
Am 23. Januar präsentieren Sie in Friedrichshafen die erste „Wetten das …?“-Ausgabe dieses Jahres – was war für Sie das Wichtigste und was das Spannendste im letzten Jahr?
„An mir rauschen Jahre wie an allen anderen vorüber. Ich bin ein sehr privater Mensch und für mich ist, was in der Familie passiert, das Entscheidende – aber das werde ich nicht erzählen. Was ansonsten den Rest der Menschheit beteifft, das betrifft mich auch. Jedes Jahr ist gleich, für einen platzen Hoffnungen und andere haben ihren Riesenlauf. Nachdem ich schon einige Jahre unterwegs bin, habe ich es aufgegeben, mir von besonderen Jahren etwas Besonderes zu erwarten. Wenn einem in Malibu die Hütte nicht abbrennt, dann ist das immer schon ein angenehmes Jahresendergebinis: Ich habe im Jahr 2009 mehr Dank- als Bitt-Gebete gesprochen.“ (lächelt)
Sie waren in all den Jahren schon mit „Wetten dass …?“ in vielen Städten zu Gast – was treibt Sie noch an? Sagen Sie, Hamburg muss noch einmal stattfinden? Merken Sie überhaupt einen Unterschieb, ob Sie in Berlin oder in Friedrichshafen sind?
„Es waren nie die Städtereisen, die mich dazu bewegt haben, diese Sendung gerne und immer noch zu machen. Für mich reduziert sich die jeweilige Stadt immer auf irgendwelche Hallen und auch auf irgendwelche Würtschensorten in meiner Garderobe. Inzwischen bin ich aber schon bei sechs verschiedenen Senfsorten angekommen, daran merke ich schon, dass mich das ZDF inzwischen verwöhnt. Früher gab es überhaupt keinen Senf und heute sechs verschiedene Senfsorten, ,Bautzener Senf‘ ist sogar dabei.“ (grinst)
Wie verhält es sich mit der Quote von „Wetten dass …?“? Sie hatten zuletzt bei der 185. Sendung aus Bremen – trotz dem Neuzugang Ihrer attraktiven Co-Moderatorin Michelle Hunziker – mit knapp neun Millionen Zusehern die schlechteste Einschaltzahl seit Bestehen der Show.
„Ach, mit ,Wetten dass …?‘ war eigentlich immer alles gut, wenn man sich im Vergleich dazu den Rest angeguckt hat. Dass das Fernsehgeschäft schwieriger geworden ist, weiß jeder, weil der Kuchen sich anders verteilt und heute kein Mensch mehr in der Lage ist, zweieinhalb Stunden nur Fernsehen zu gucken. Da wird ge-simst, da wird gegoogelt, das ist heute multi-task-mäßig, aber das kann für mich nicht der Maßstab sein. Ich bin nicht wesentlich größer geworden, als ich 18 Millionen hatte und ich werde jetzt auch nicht wesentlich kleiner, wo ich um die zehn habe. Ich gucke immer, was macht der Rest und sehe vor dem, was andere machen, noch gut aus? ,Wetten dass …?‘ war die erste Sendung, wo sich Menschen beworben haben, also Casting, und das schon vor 20 Jahren. Bei ,Wetten dass …?‘ sind immer komische Dinge passiert, die teilweise jenseits der Schmerzgrenze und teilweise diesseits waren, aber meiner Meinung nach den guten Geschmack nicht mehr als nötig verletzt haben. Und dass das in dieser Zeit noch funktioniert, dass ich noch funktioniere, dass wir nach wie vor eine feste Größe im Unterhaltungsgeschäft sind, das ist für mich okay. Ich bin in einem Lebensalter, wo ich sage, ich muss keine Angst mehr haben, was in zehn Jahren ist, weil ich nicht weiß, ob dann überhaupt noch etwas ist. Grundsätzlich bin ich aber schon im Schwank und merke, dass ich mir zu oft von der Presse die Stimmung habe vermiesen lassen. Wenn ich heute lese, es war Mist, dann sage ich nicht mehr: Echt?, sondern dann sage ich, es war so, wie es immer war und es ist seit 20 Jahren so. Es war nie besser und nie schlechter, sondern wir haben eine Stabilität – wenn es auch einem nicht gefallen hat.“
Spüren Sie in Bezug auf Kritiker eine gewisse Altersmilde?
„Mich ärgert das immer in Bezug auf die Zuschauer, wenn ich lese, es war wieder schwach, dann ärgere ich mich, dass zehn Millionen zu Geschmacksidioten gemacht werden, die es sich trotzdem angeschaut haben. Ich kann es nicht besser, ich mache es nicht anders und so ist es. Im Vergleich zu dem, was ich sonst so sehe, sind wir okay. Ich würde im Moment nicht gerne mit dem Kollegen Kerner tauschen – das ist klar. Aber es ist unserem Geschäft so, man ist mal oben und mal unten. Ich bin auch in der Tiefe der Latenight mal kurz verschüttet gewesen. Und ich habe mich auch definitiv zu oft über diese Dinge beklagt, tue es heute aber nur noch in 5-Minuten-Antworten.“ (lächelt)
Was treibt Sie in beruflicher Hinsicht an – bleibt bei sechs Mal „Wetten dass …?“ im Jahr und der „Ein-Herz-für-Kinder“-Gala noch der Wunsch nach Herausforderungen wie es früher „Gottschalk zieht ein“ und „Gottschalk and Friends“?
„Grundsätzlich mache ich das, was ich mache, gerne und das müssen die Leute auch merken. Wenn man den Eindruck hat, der quält sich da vor die Kamera, dann hat niemand etwas davon. Ich habe mich mit dem ZDF natürlich lange darüber unterhalten, wie kann es weitergehen?“
Und?
„Es ist festzustellen, die sind ja immer auf der Höhe ihrer Umfragen: Die Leute erwarten von mir eher etwas Großes, eher Glämmer, eher Abendprogramm, als irgendwelche Kamikaze-Sachen, die ich gerne mache und ich mache die großen Sachen beim ZDF, die kleinen bei ,Tele 5‘, da sieht sie keiner und ich kann da ein bisschen herumkaspern. Aber die Grundidee ist in der Tat, dass ich sage, ich mache euch sechs ,Wetten dass …?‘, eine Sommer-,Wetten dass …?‘, eine Gala ,Ein Herz für Kinder‘ und es gab im letzten Jahr eine ,Menschen 2009‘-Show. Das sind dann die größeren Riemen, die nimmt man mir ab, die will das ZDF von mir und ich habe zwischendurch genügend Zeit mich zu restaurieren und zu rasieren.“ (schmunzelt)
Gab es in 20 Jahren „Wetten dass …?“ eine Veränderung, die Ihnen persönlich etwas Weh getan hat? War das vielleicht die Zeit, in der das ZDF unbedingt Comedy-Elemente bedienen wollte und Olli Dittrich die Außen-Wette präsentiert hat?
„Nein, wir haben Michelle Hunziker nicht reingeholt, weil dann zwei Millionen mehr zuschalten, und so haben wir auch nie bewusst Comedy einbauen wollen. ,Wetten dass …?‘ ist eine Show, die davon lebt, dass sich etwas verändert und dass etwas passiert und das tut es. Große Veränderungen gab es bei ,Wetten dass …?‘ eigentlich nie, aber wir haben immer wieder versucht, etwas zu machen – manches hat etwas gebracht und einiges auch nicht. Die Leute nehmen das bewusst auch gar nicht so auf. Man muss nur immer wieder mal etwas Wirbel machen und sagen: Es gibt uns noch, aber im Wesentlichen zieht die Karavane weiter und irgendwann, irgendwann verdursten wir alle.“
Würden Sie gerne mal Zuschauer sein? Es hält sich das Gerücht, dass Sie in all den Jahren „Wetten dass …?“ noch nie eine Ihrer Shows angesehen haben?
„Das hat bei mir Prinzip. Ich schaffe es noch nicht mal, meine eigene Sendung hinterher zu sehen – das habe ich in 20 Jahren noch nie gemacht, war wahrscheinlich auch gut so, wer weiß, ob ich es dann noch machen würde.“ (lächelt)
Sie werden im Mai runde 60 – mit welchen Gefühlen sehen dem entgegen? Wollen Sie feiern oder stimmen Sie so langsam den Trauermarsch an?
„Nix Trauermarsch, aber ich weiß, richtig glücklich werde ich mit dem, was über mich in der Zeitung steht, erst sein, wenn ich dahin geschieden bin – da werden alle plötzlich sagen, der Mann war okay! Aber das möchte ich noch möglichst lange herausschieben und möglichst lange an dem leiden, was ich über mich lese. Ich habe sowohl an meinen Beruf großen Spaß, als auch an dem, was ich in meinem Freizeitbereich treibe. Die 60 ist für mich genauso wenig schoking, wie die 50 oder die 40 waren. Ich nehme das Alter nicht so recht zur Kenntnis und das tut mir gut.“
Ist das so eine Art persönlicher Selbstschutz?
„Ich habe meinen Namen im Leben noch nie bei ,Google‘ eingetragen, weil ich weiß, ich ärgere mich nur. In Umfragen bin ich mal die Nummer zwölf und mal die Nummer 20, wenn du das alles glaubst … Ich gehe auf die Straße und, egal ob in Berlin oder in Bremen unterwegs bin, du merkst aus der Reaktion der Leute wie es um dich bestellt ist. Was mir besonders Spaß macht, ist die Tatsache, dass sie mir alle hinterher laufen, ob nun 5-jährige Kinder oder schlesischen Großmütter. Es ist das Faszinierende für mich, dass sich Leute zwischen 5 und 85 zu mir in Bezug setzen. Menschen, die mich auf der Staße treffen, gehen davon aus, sie haben mich 20 Jahre lang gesehen und diese Begegnung musste mal pasieren. Sie sagen nicht, oh, Mist, das ist der Typ aus dem Fernsehen. Und das gibt mir ein gewisses Selbstbewusstsein – das ziehe ich eher aus der Begegnung mit Leuten und nicht mehr aus dem, was ich über mich in der Zeitung lese oder wo ich bei Hitparaden eingegliedert bin. Mir macht es Spaß, wenn mich Leute als Gottschalk begrüßen und als normalen Menschen wieder verabschieden.“
Haben Sie, der Sie heute für viele ein Vorbild sind, selbst mal Vorbilder in Ihrem Beruf gehabt?
„Ich habe mir nie einen rausgesucht, von dem ich gesagt habe, der will ich werden. Es gab nie in meinem Leben einen Moment, in dem ich gesagt habe, ich will am Samstagabend Fernsehen machen, sondern das mir irgendwie in den Schoß gefallen. Auf Radio war ich scharf. Ich wollte Radio machen! Ich habe in den 60er Jahren mit einem kleinen Transitorradio das englische Programm von ,Radio Luxemburg‘ gehört, Tony Prince, Paul Barnett – Big Noice From The Prince! ,Radio Caroline‘ gab es damals noch und ich habe ,RIAS Berlin‘ gehört. Die fand ich gut – im Radio habe ich Vorbilder gehabt, Gregor Rottschalk witzigerweise – der Mann heißt wirklich so.“ (grinst)
Aber im Fernsehbereich, wo Sie heute Vorbild sind, gab es keinen?
„Sicher fand ich Kuli großartig und finde ihn noch heute gut. Der Mann hat in sich geruht, das geht aber nicht mehr so: du könntest kein Fernsehen machen, wie Kuli es gemacht hat – der kam raus, hat eine Viertelstunde lang erzählt, dass ihn sein Schneider mit seinem Anzug hat hängen lassen, und dann kam diese berühmte Aissistentin, seine Frau Hunziker und hat nochmal fünf Minuten über Kulis Anzug geredet, woraufhin er sieben Minuten lang über ihr Kleid philosophiert hat. Da stehst du heute alleine da, aber Kuli hatte damit 20 Millionen Zuschauer. Deswegen mache ich mich nicht verrückt, ich habe nur noch zehn und mache etwas anderes.“
Zuletzt sind Sie zur Einlösung einer Wettschuld im Trabbi von Braunschweig nach Berlin gefahren und in Bremen haben Sie sogar schon mal eine Nacht in einer Justizvollzugsanstalt verbracht – sind das für Sie wahre Strafen?
„Es war schon insofern eine Strafe, als dass ich als alter Ente-Fahrer diese Schaltung immer noch drinnen habe, die aber beim Trabbi eine Schaltung entwickelt haben, die wirklich jeder Logik widerspricht. Ich dachte, dass mich eine 12-Mann-Polizei-Eskorte zumindest bis vor die Stadtgrenze von Braunschweig bringt und mich in Berlin dann 20 Polizisten erwarten, aber Pustekuchen – keine Sau hat sich für mich interessiert. Mir ist wirklich an jeder Ampel in Braunschweig das Ding verreckt und dann ist mir einer voraus gefahren, den ich verloren habe. Dafür haben sich aber acht Trabbi-Besitzer an mich drangehängt, die gedacht haben, jetzt machen wir Kolonne – und vor denen habe ich mich fürchterlich blamiert. Und das Ding stinkt innen unglaublich. Das Schöne war, drei Stunden lang mich keiner angelabert, ich konnte allerdings auch mit keinem reden und für mich war es deshalb schon eine Strafe.“ (lächelt)
Wenn ein Journalist Sie zu einem Einzel-Interview treffen möchte, womit kann man Ihnen eine größere Freude machen, Luxus-Restaurant oder Bratwurstbude?
(lächelt): „Nachdem ich beides gerne habe, habe ich von Einzel-Interviews in der Zwischenzeit völlig Abstand genommen. Ich esse meine Würschte am liebsten alleine! Bei einer Pressekonferenz für ,Wetten dass …?‘ habe ich aber das Gefühl, es geht um die Sendung und dann geht das. Denn ich rede ja gerne und ich rede auch zu viel. Und dann erzähle ich bei Einzel-Interviews Dinge, die ich vielleicht hinter wieder bereue. Deshalb gilt für mich, je weniger man erzählt, desto länger bleibt man ein Geheimnis.“ (schmunzelt)
Sie waren als Jugendlicher Messdiener und hatten eine katholische Kinderstube. Wäre das Oberhaupt der Katholischen Kirche ein Wunsch-Gast für Sie bei „Wetten dass …?“?
„Also, der Mann interessiert mich natürlich schon aufgrund der Art und Weise, wie er sich anzieht. Ich muss sagen, da bin ich etwas neidisch, diesen weißen, knöchellangen Mantel und so – aber nur zu gerne. Weil ich glaube, auch dem Papst damit nicht zu schaden.“
Tatsächlich?
„Absolut! Ein Papst, der vor zehn Millionen Leuten mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert, würde mich schon wahnsinnig interessieren. Ich hielte mich dem journalistisch zum Beispiel auch eher gewachsen als vielen anderen Gästen, weil ich einfach ein interessierter Gläubiger bin, der vielleicht gewisse Dinge gerne hören möchte, die der Papst weiß und ich nicht weiß. Und, ich glaube, am Ende des Gespräches würde sich herausstellen, das der Papst genauso wenig weiß, wie ich und dass der liebe Gott ihm am Abend wahrscheinlich genauso wenig sagt, wie es weitergeht, wie mir – und das wäre für uns alle beruhigend. Ich hätte den Papst sehr gerne mal zu Gast.“
Eine Standardfrage zum Schluss: Wie lange wird es „Wetten dass …?“ mit Thomas Gottschalk noch geben?
„Ich kann Ihnen weder sagen, wie lange es ,Wetten dass …?‘ gibt, ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange es Thomas Gottschalk gibt, aber einer von beiden wird überleben.“
©Wolfgang Wittenburg - Informationsauswertung honorarpflichtig (01/2010)
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