Mysterious Women, copyright Sylvia Knelles

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Julia Stemberger - „Als ich beim Drehen das erste Mal vor einer Klasse stand, war ich nervös!“

Erfolgreiche Schauspielerin und leidenschaftliche Mutter – für Julia Stemberger geht beides wunderbar zusammen. Ob die österreichische Mimin in dreizehn Folgen der neuen ARD-Serie „Die Stein“ in der Hauptrolle mitwirkt, hat die allein erziehende Mutter denn auch hauptsächlich von der Meinung ihrer acht-jährigen Tochter Fanny abhängig gemacht

Tierärztinnen funktionieren, Ärzte allgemein sind echte Erfolgsgaranten, und sogar Nonnen sieht man ausgesprochen gerne in deutschen Fernsehserien. Dass die ARD es nun ausgerechnet mit einer Lehrerin versucht, empfinden die Verantwortlichen als besonders mutig, vor allem in der Ferienzeit, mein Noch-ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struwe. Nicht so sieht das die Schauspielerin Julia Stemberger (43, „Der König von St. Pauli“). Geschichte und Drehbücher haben die gebürtige Wienerin vom Fleck weg begeistert und sofort für die Hauptrolle in dem Projekt eingenommen. Ob die sympathische Österreicherin allerdings tatsächlich in vorerst dreizehn Folgen der neuen ARD-Hauptabendserie „Die Stein“ (ab 29. Juli, dienstags, 20.15 Uhr) mitwirkt, hat die leidenschaftliche Mutter Julia Stemberger hauptsächlich von der Meinung ihrer acht-jährigen Tochter Fanny abhängig gemacht, wie die Mimin, die nach der Trennung von Ehemann und Musiker Christian Altenburger (49) vor drei Jahren allein erziehend ist, im Interview offen und ehrlich ausspricht:

Sie haben mal gesagt, wenn das Drehbuch gut ist und wenn die Geschichte Sie interessiert, dann entscheiden Sie per Bauchgefühl für eine Arbeit und dann geht es ganz schnell. Ist das bei so einem Projekt wie Ihrer Hauptrolle in einer Serie wie „Sie Stein“ genauso oder gelten dafür andere Maßstäbe?

„Das ist insofern ein längerer Prozess gewesen, weil das meine Tochter natürlich sehr betroffen hat. Wir haben von April bis November 2007 gedreht und dazwischen waren kurze Pausen. Das einzig Wesentliche dabei, ob ich es mache oder nicht, weil die Bücher mir gefallen haben, war, ob das für meine Tochter Fanny zumutbar ist oder nicht. Und das habe ich zuerst mit meiner Tochter besprochen, aber auch mit allen anderen rundherum, und wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass wird irgendwie gehen.“ (lächelt)

Und so war es dann auch, denn ab 29. Juli sind Sie als Hauptdarstellerin und Lehrerin Katja Stein mit vorerst dreizehn Folgen in der neuen ARD-Serie „Die Stein“ (dienstags, 20.15 Uhr) zu sehen.

„Richtig, aber gegen Ende der Dreharbeiten, im Oktober und November, war es schon hart, da ist meiner Tochter so ein bisschen die Luft ausgegangen. Da war es dann nicht mehr so prickelnd und sie war schließlich sehr, sehr froh, dass ich wieder Zuhause war, was ich total verstehen kann. Aber dann ist sie natürlich auch stolz, denn wir haben die Serie bereits vorab auf DVD Zuhause angeguckt. Fanny war auch beim Drehen immer mal wieder dabei.“

Und?

„Meine Tochter weiß sehr genau Bescheid, wie das läuft, was ich da mache. Es hat natürlich zwei Seiten: Auf der einen Seite kannst du stolz auf die Mami sein, dass sie im Fernsehen ist, was, glaube ich, für ein Kind lustig ist. Andererseits kann ich mich auch an eine Taxifahrt erinnern, wir waren mit einer Freundin von ihr im Kino und die sagte: Ich bin froh, dass meine Mami keine Schauspielerin ist, denn dann ist sie nicht immer so viel weg. (grinst) Das bringt aber dieser Beruf mit sich und da kann man sich nur entscheiden nach dem eigenen Empfinden.“

Was Sie auch getan haben?

„Absolut! Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich zerbreche meine achtjährige Tochter, dann hätte ich das selbstverständlich nicht gemacht.“

Ihre Tochter Fanny ist selbst Schülerin in einer zweiten Klasse – wie war das Gefühl da, dass ihre Mutter ausgerechnet eine Lehrerin spielt?

„Das ist für meine Tochter eine ganz fremde Welt, weil die Schülerinnen und Schüler im Film alle viel älter sind. Ich glaube, wenn du acht bist, dann sind 16-Jährige eine völlig andere Welt.“

Konnten Sie zur Vorbereitung auf die Rolle in „Die Stein“ mehr aus der Schulzeit Ihrer Tochter schöpfen oder aus Ihren eigenen Erinnerungen oder war das beides gar nicht nötig?

„Nicht so sehr, sondern ich bin  recherchieren gegangen. Ich war in einer Schule und habe mir dort mehrere Lehrer und mehrere Stunden angeguckt. Ich war auch im Lehrerzimmer und ich habe auch mit dem Direktor geredet, Ich habe so gerochen, denn ich wusste, das ist etwas, wo ich keine wirkliche Erfahrung habe. Als ich beim Drehen das erste Mal vor einer Klasse stand, war ich nervös.“

Wie sehen Ihre eigenen Erinnerungen aus? War es tatsächlich so, dass Sie als Schulkind nicht viel Hilfe gebraucht haben?

„Ja und ich glaube, das hängt einerseits mit der Qualität der Lehrer zusammen, ob sie das Interesse wecken können. Das ist ganz wesentlich. Aber das andere ist natürlich auch, dass du als junger Mensch auch irgendwie soweit vernünftig sein kannst, dass du denkst, irgendwie muss ich da durch und da gibt es unterschiedliche Phasen, in denen man mehr darauf schaut, oh, ich muss das schaffen und andere, in denen andere Entwicklungen zu der Zeit im Leben auch sehr, sehr wichtig sind, worunter dann unter Umständen die Schule leidet, geschweige denn, wenn  dann noch familiäre Probleme dazu kommen. Das ist in jeder Altersstufe so.“

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

„Mit mir hatten meine Eltern diesbezüglich Glück. Ich habe schöne Erinnerungen an meine Schulzeit.“ (lächelt)

Durchweg oder gibt es etwas, von dem sagen, das sollte Ihrer Tochter nicht passieren?

„Nee, lustigerweise nicht, also, ich war in drei verschiedenen Schulen, weil ich das Gymnasium in der Unterstufe woanders als in der Oberstufe gemacht habe, und  das war eigentlich alles okay.“

Wie erleben Sie jetzt Ihre Tochter als Schülerin? Stellen da viele Parallelen fest oder ist sie ein ganz anderer Typ? Können Sie das schon sagen?

„Ich glaube, dass Fanny vom Tempo her anders als ich ist. Sie ist manchmal bei den Aufgaben so langsam, dass ich denke, Oh, Gott. Ich glaube, dass ich schneller war, aber dafür macht meine Tochter die Dinge unheimlich genau und arbeitet total gründlich. Ich sage das jetzt mal nicht wertend, wenn ich aber nach den Unterschieden gefragt werde, dann würde ich das mal so sagen.“

Kann es von Ihrer Seite aus mit der Seite „Die Stein“ weitergehen – und auch von der Seiten Ihrer Tochter her?

(grinst): „Fakt ist, ich habe eine Option unterschrieben und das hängt jetzt natürlich von den Einschaltquoten ab  und von den Marktanteilen, was dann relativ bald, also sicher heuer, entschieden wird, ob wir weitermachen oder nicht.“

Braucht Ihre Tochter jetzt viel Hilfe in Sachen Schule? Empfinden Sie das jetzt als Mutter anders, als es bei Ihnen früher war?

„Ich habe meine Volksschulzeit nicht mehr so in Erinnerung, meine Tochter ist ziemlich selbstständig, wenn sie möchte. Wenn Fanny nicht möchte, dann muss ich sie etwas stupsen.“

Sind die Netzwerke heute anders als früher? Gibt es mehr Freunde in der Schule und Sie sind früher eher ein Einzelkämpfer gewesen?

„Erst einmal waren wir in der Familie zu dritt und meine Tochter ist eine einzelne.“

Und in der Schulklasse, war da früher jeder eher auf sich gestellt, während man sich heute eher verbündet und sich gegenseitig hilft?

„Das könnte sein, einfach, weil die Art wie unterrichtet wird und wie mit den Kindern umgegangen wird, dass die Tatsache, eine Gruppe zu sein, wichtiger wurde, sich schon verändert hat. Wenn ich mir das so angucke, dann werden Sie da Recht haben.“

Als Lehrerin Katja Stein geben Sie in der Serie „Die Stein“ etwas auf, um den Traum Ihres TV-Ehemannes von einem eigenen Landhotel zu realisieren. Haben Sie im wahren Leben schon mal etwas aufgegeben, um den Traum eines anderen zu verwirklichen? Gibt es da Parallelen oder ist es ganz gut, wenn es die nicht gibt?

(lächelt): „Sie hat nicht ihren Beruf aufgegeben, aber sie war bereit, doch ein Opfer zu bringen. Ich glaube, mir ging das wahrscheinlich auch so ähnlich, wenn ich dadurch nicht das Gefühl hätte, ins Straucheln zu kommen, denn dadurch ist ja auch niemandem geholfen. Wenn du etwas zusagst, was du eigentlich vom Inneren her nicht zusagen kannst, dann ist es mutiger und wichtiger, zu sagen, das stimmt für mich nicht, denn sonst entstehen nur lauter Schwierigkeiten und das nützt allen nicht.“

Was bedeutet Erfolg für Sie und mussten Sie dafür schon Opfer bringen?

„Ich habe natürlich viel Energie, Zeit und Kraft investiert, aber das empfinde ich noch nicht als Opfer, sondern es ist notwendiger Bestandteil dieser Arbeit. Opfer war am ehesten die Situation, dass ich von meiner Tochter so viel getrennt war. Das ist eine Einschränkung, die dieser Beruf mit sich bringt. Ohne das könnte ich den Beruf halt nicht machen.“

Aber Ihre Tochter wächst schon damit auf.

„Richtig, Fanny kennt das von Anfang an, also, das ist nicht etwas, was ihr jetzt plötzlich vor die Nase geworfen wird. Und ich glaube ja auch, dass Kinder dadurch eine Art von Selbstständigkeit entwickeln, die andere in dem Alter vielleicht noch nicht entwickeln müssen, weil sie nicht vor der Situation stehen. Ich weiß aber nicht, was gut oder schlecht ist. Liebe brauchen sie alle – und das kriegt sie und die bekommt man auch zurück.“ (lächelt)

Inwiefern findet Ihre Tochter statt, wenn Sie wie für „Die Stein“ in Berlin und Potsdam drehen? Wird jeden Tag telefoniert oder gibt es auch Drehtrage, die Sie regelrecht blocken, weil sie so anstrengend sind?

„Ich habe nicht jeden Tag mit ihr telefoniert. Wir haben uns SMS geschrieben. Das ist eine wunderbare Korrespondenz  und die habe ich alle aufgehoben. Ich habe aber nicht so häufig telefoniert, weil ich glaube, es hat meiner Tochter oft mehr weh getan, wenn sie mich gehört hat. Und ich bin ja auch in den meisten Fällen alle fünf Tage zurück in Wien gewesen. Das hat nicht immer funktioniert, aber normalerweise war der Deal, dass ich fünf Tage weg bin und zwei Daheim, aber die zwei waren oft nur eineinhalb.“

War es für Sie als Mutter ein Problem zwischen Arbeit und Familie umzuschalten? Sind Sie da als Julia Stemberger etwas zu kurz gekommen? 

„Ich versuche halt, in der wenigen Zeit wirklich lustige Dinge für meine Tochter zu tun. Wir haben Sachen unternommen, die wir sonst am Wochenende nie machen, zum Beispiel ins ,Minopolis' zu gehen. Nie im Leben wäre ich ins ,Minopolis' gegangen, aber weil ich die ganze Woche über weg war, gehe ich am Wochenende brav mit der Tochter dorthin. (grinst) Und ich habe gedacht: Was mache ich hier? Ach, ja, meine Tochter hat Spaß. Okay!“ (lächelt)

Gibt es etwas in Ihrem Leben, wovon Sie überrascht worden sind und richtig baff sind, dass Ihnen das passiert ist? Ist das vielleicht die Tatsache, dass Kind und Beruf zu vereinen sein müssen?

„Ich führe ein Leben, wo ich mir Dinge ausdenke, die schön wären, deswegen werde ich nicht so oft von etwas, was ich mir wünsche, überrascht. Allerdings ist es oft überraschend, was man für Menschen trifft. Das ist überraschend, denn das kann man sich immer ganz so ausdenken und planen. Dass ich aber ein Kind haben möchte und meinen Beruf, das war für mich immer klar, dass ich das so möchte.“

Wenn bei Ihnen die berühmte gute Fee auftaucht und Sie spontan drei Wünsche frei haben -– welche sind das?

„Ich möchte Zeit zu lesen, ich möchte Urlaub machen und ich möchte verwöhnt werden. Das sind alles so kurzfristige Wünsche, die mir einfallen.“ (grinst)

Können Sie das noch etwas ausführen? Muss der Urlaub weit weg sein oder in der Nähe und von wem möchten Sie verwöhnt werden?

(lächelt): „Nein, das weiß ich nicht genau, wer mich verwöhnt. Aber der Urlaub muss irgendwo sein, wo es warm ist und wo ich Wasser sehen kann.“

©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (07/2008)

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