Zusammen sind die beiden Damen
schon einige Zeit, nun wurde ihre heimliche Liebesbeziehung öffentlich,
denn die populäre „Tatort“-Kommissarin und die Berliner Malerin
Katharina Schnitzler haben das Buch „Glück gefunden“ zusammen realisiert
– ein spannendes und seltenes Interview mit Ulrike Folkerts über den
„Tatort“, Emotionen vor der Kamera, Frauenliebe und Handtaschen
Ulrike Folkerts
„Statussymbole interessieren
mich nicht die Bohne!“
Auch wenn Ulrike Folkerts im
nächsten Jahr ihr 20-jähriges Dienstjubiläum als taffe Ludwigshafener „Tatort“-Kommissarin
Lena Odenthal feiern wird, so sind die Zeiten, in denen die sportliche
Wahl-Berlinerin ihren Tatendrang auf zwei oder drei
„Tatort“–Produktionen im Jahr beschränken musste, längst vorbei. Und das
findet Ulrike Folkerts auch gut so! Beruflich läuft es für die
47-Jährige nämlich gerade besser denn je: Ihr 45. „Tatort – Der
glückliche Tod“ war ein Quotenerfolg und Anfgang 2009 folgt der starke
Fernsehfilm „Willkommen Zuhause“ (21. Januar, 20.15 Uhr, ARD). Momentan
dreht Ulrike Folkerts den historischen ZDF-Dreiteiler „Die Rebellin“ in
Prag und Anfang des nächsten Jahres wird sie in Hamburg am
„Ernst-Deutsch-Theater“ das Stück „Spurensuche“ mit Suzanne von Borsody
spielen. Am 14. November ist Ulrike Folkerts mit Freundin in der Bremer
Talkshow „3 nach 9“ (22.00 Uhr, NDR-Fernsehen) zu Gast und am 28.
November (21.45 Uhr, ARD) wird der „Tatort – Revanche“ wiederholt.
Beruflich läuft es wie geschnitten Brot, wie es mit ihrem privaten Glück
bestellt ist, daraus hat Ulrike Folkerts lange ein Geheimnis gemacht. Da
aber Ende September ihr zweites Buch „Glück gefunden“ (240 Seiten, 185
Fotografien, 85 Zeichnungen und 24.90 Euro, ISBN: 978-3-89904-336-5)
erschienen ist, hat es für die Schauspielerin und Autorin nun absolut
keinen Sinn mehr gemacht, nicht zu ihrer neuen Liebe zu stehen. Wir
trafen Ulrike Folkerts also zu einem spannenden und seltenen Interview
über „Tatort“, Emotionen vor der Kamera, Frauenliebe und Handtaschen:
Im nächsten Jahr kommt der
„Tatort“ zu Lena Odenthals 20-jährigem Jubiläum und der SWR-Redakteur
Manfred Hattendorf hat dazu gesagt: „Lena Odenthal wird es noch Jahre im
TV-Programm geben.“ Und er meint bestimmt nicht die Wiederholungen im
Dritten Programm. Was sagen Sie dazu?
„Das ist okay.“ (lächelt)
Kann es für Sie auch jahrelang
weitergehen, denn jetzt gibt es für Ulrike Folkerts auch Fernsehfilme
wie „Ich bin eine Insel“ und „Willkommen Zuhause“ (21. Januar, 20.15
Uhr, ARD), den ZDF-Dreiteiler „Die Rebellin“, Ihr neues Buch und das
Theaterprojekt in Hamburg? Kann all das mal auf Kosten von Lena Odenthal
gehen?
„Ich sage dazu nur, die
Verantwortlichen wissen schon, dass sie sich bemühen müssen, damit ich
bleibe, dass ich weiterhin scharf auf gute Stoffe, gute Regisseure bin,
und dass ich möchte, dass man sich um dieses Format bemüht und da sind
wir im Gespräch. Solange das funktioniert, können wir weitermachen.“
Zu Ihrem 45. „Tatort“ hat die
Regisseurin gesagt, dass Sie ein ganz anderes und nicht bekanntes
Gesicht von Lena Odenthal zeigen möchte – sehr emotional und eine Frau,
die weint. Macht das für Sie im 19. Dienstjahr als „Tatort“-Kommissarin
Dreharbeiten auch noch mal eine Spur spannender?
„Absolut ja. Ich habe zuvor
geguckt, was Aelrun Goette für Filme gemacht hat und dann haben wir ab
September 2007 schon wegen des Buches Kontakt gehabt. Diese Frau hat
mich, war so ihre Art, wahnsinnig schnell faszinieren und begeistern
können, denn sie wollte den Film immer über die Odenthal erzählen. Und
was kann mir Besseres passieren, als wenn mich eine Regisseurin in den
Fokus nimmt und mich benutzen will, um das Thema zu transportieren –
benutzen im positiven Sinne des Wortes. Ich bin da gerne mitgegangen und
ich bin da auch gerne eingestiegen, und fand das ganz toll, dass ich so
nahe an diese Familie und an dieses an Mukoviszidose erkrankte Mädchen
heran durfte.“
Ist es für Sie schwer, Gefühle
vor der Kamera darzustellen, große Emotionen, zu weinen? Bleiben diese
Dreharbeiten anders haften?
„Ja, die bleiben sicher anders in
Erinnerung. Ich finde weinen vor der Kamera ziemlich gespenstisch. Ich
habe aber auch schon Kolleginnen und Kollegen erlebt, die machen so
etwas zehn Mal hintereinander, immer die gleichen Tränen an der gleichen
Stelle. Das kann ich nicht, das sage ich Ihnen ganz ehrlich. Mir ist das
ein Rätsel und dann spüre ich bei mir ganz klar die völlig menschliche
Verweigerung wieder in dieses Gefühl herein zu gehen. Ich habe das
wirklich nur hingekriegt, weil die Regisseurin ganz nahe bei uns
Schauspielern blieb und war, mich da immer abgeholt und wieder mit
reingeholt hat. Ich hätte das sonst nicht, drei, vier oder fünf Mal
hingekriegt und so konnte sie sich dann natürlich die besten Momente
durch Schnitt herauspicken. Aber ich bin sehr froh, dass wir das gemacht
haben und dass wir so weit gegangen sind.“
Ihr zweites Buch ist Ende
September erschienen und es hat den Titel „Glück gefunden“ – und dies
ohne Satzzeichen wie Frage- oder Ausrufezeichen. Daraus ergeben sich für
mich die Fragen: Haben Sie das Glück gefunden oder suchen Sie es noch?
Macht Glück süchtig – wie sehen Sie all das?
(lächelt): „Süchtig nach Glück
unterschreibe ich so nicht. ,Glück gefunden' ist einfach eine Behauptung
und wir sind auf den Titel gekommen, weil man das Glück ewig sucht. Das
Wort Glück musste schon drinnen sein, aber mit Frage- oder
Ausrufezeichen, das funktionierte nicht. Wir haben einfach gesagt – wir
sage ich bewusst, denn das Buch ist von Katharina Schnitzler und Ulrike
Folkerts –, Katharina Schnitzler hat Fotos und Zeichnungen gemacht und
ich habe geschrieben. Sie hat die Fotos teilweise mit mir als
Protagonistin gemacht, um die Gefühle und Themen zu transportieren. Wir
beide haben drei Jahre lang das Glück erforscht und deswegen, kann man
sagen, wir haben es gefunden. Wir haben nämlich versucht, das Glück im
Alltag zu finden. Wir haben ganz banales Glück gesucht und gefunden,
über dass man sonst so einfach hinweg trampelt. Es gibt das Thema
Ferien, es gibt das Thema Geschenke. Es gibt das Thema, wie viele
Handtaschen braucht eine Frau, um glücklich zu sein?“
Sie persönlich sollen keine
einzige benötigen, sondern lieber einen Rucksack?
„Stimmt. Ich habe meistens
Rucksäcke, aber ich habe inzwischen auch Handtaschen, ich bin aber nicht
so fanatisch, was die Marke betrifft. Da, finde ich, ist schon auffällig
viel unternommen worden, dass man inzwischen unbedingt eine
Marken-Handtasche haben muss. Ich aber habe mich in meinem Text ganz
bewusst für den Inhalt der Tasche entschieden, dafür, dass ich den
interessanter finde als die Marke.“
Aber Sie besitzen mittlerweile
tatsächlich eine und der Trend zur Zweit-Handtasche setzt sich sogar bei
Ihnen durch?
(grinst): „Ich finde, es gibt
inzwischen so interessante Handtaschen, die aber mehr wie Beutel
aussehen, und in denen ich endlich auch all meine Sachen unterbringen
würde, denn bei mir ist es eher die Größe gewesen, die mich an einer
Handtasche gestört hat. Und man muss sie schon auch über die Schulter
nehmen können und nicht nur in der Hand halten. Das sind für mich die
Voraussetzungen, dann kann auch ich mich mit einer Handtasche
anfreunden.“
Was kommt in Ihrem neuen Buch
noch vor?
„Musik und Glück ist ein Thema,
graue Tage, Tage, an denen sich das Glück einfach nicht einstellen will.
Wir haben uns da auf drei Ebenen, Text, Zeichnung und Foto diesem Thema
genähert. Wir sind dem Glück ganz assoziativ und sehr spielerisch und
mit einem Schmunzeln auf die Schliche gekommen. Eigentlich ist das ein
Bilderbuch für Erwachsene, denn es ist voller Bilder und, ich finde, man
kann sich wirklich darin verlieren. Ich habe natürlich jetzt gar keine
Distanz mehr dazu. Was soll ich Ihnen erzählen? Es ist ein tolles Buch,
es soll Spaß machen, es soll zum Schmunzeln anregen und vielleicht auch
mal einen neuen Blickwinkel möglich machen oder ein
Wiedererkennungsmoment sein – ich schwärme.“ (lächelt)
Macht dieses Buch und die
Beschäftigung mit dem Thema Sie glücklich?
„Das Buch und dieser Moment, es
wirklich fertig in den Händen zu halten, der macht mich wirklich sehr
glücklich – nach so viel Arbeit – Wahnsinn.“ (strahlt)
Ist das Schreiben, was Ulrike
Folkerts nun zum zweiten Mal getan hat, und dem Sie vermutlich noch ein
drittes Mal folgen lässt …
„Ja, das könnte schon sein. Also,
ich bin schon jemand, der nicht so diszipliniert ist, was das angeht.
Was ich aber gemerkt habe, wenn ich mich mit einem Thema beschäftige und
lange darum kreisen darf, Zeit habe, dann kommt tatsächlich irgendwann
der Moment, wo ich mich hingesetzt habe und dann habe ich geschrieben
und nur noch geschrieben. Ich hatte richtig Spaß daran und Katharina
musste dann natürlich immer herhalten und sich das erstmal anhören.
Manches Mal habe ich auch alles wieder gelöscht und noch mal neu
geschrieben. Und das hat mir tatsächlich Spaß gemacht, obwohl der
Prozess natürlich immer durch Dreharbeiten unterbrochen worden ist, wo
ich dann nicht in der Lage war, auch nur einen Satz zu schreiben. Ich
konnte mich wirklich nicht auf zwei unterschiedliche Dinge
konzentrieren. Was beim Schreiben natürlich toll ist, ist, dass man es
überall auf der Welt machen kann.“
Ist die Arbeit als Autorin für
Sie auch deshalb der willkommene Gegensatz zur Schauspielerei, weil sie
anonym stattfindet und teilweise auch autistische Züge annehmen kann?
(lächelt): „Was für mich daran so
schön ist, ist, dass es eine Arbeit ist, wo ich ganz ruhig sein und wo
ich die Zeit habe, die ich brauche. Da gibt es keinen direkten
Controller oder Ablieferungszwang wie beim Drehen. Da kann etwas
entstehen, da kann etwas wachsen, das ist erst einmal nur meines. Und
erst der Moment, in dem ich es rausrücke oder zu lesen gebe oder
vorlese, dann wird es geteilt, dann wird es offenbar und dann setze ich
mich auch einer Kritik aus. Aber dieses Schreiben hat für mich auch
etwas Meditatives.“
Und das schätzen Sie?
„Absolut! Was ich im Moment auch
wieder entdeckt habe, weil ich im Januar in Hamburg Theater spielen
werde und mein Saxophon dafür brauche, ich übe gerade wieder Saxophon –
und damit verhält es sich für mich ähnlich. Ich kann dann zwei Stunden
spielen und bin so mit mir beschäftigt, dass ich die Zeit vergesse und
alles drumherum. Ich höre auf zu denken und bin wirklich nur noch mit
der Musik oder dem Wort beschäftigt – und das ist ein so wunderbares
Gefühl. (grinst) Und das ist sicherlich ein Gegenpol dazu, mit 30 oder
35 Leuten am Tag zu drehen und immer auf den Punkt zu sein, und immer
einen guten Spruch, und immer gut drauf.
Aber Sie würden schon sagen,
dass die Schriftstellerin etwas undisziplinierter ist, als es die
Schauspielerin sein muss?
„Ja, total. und schauspielern ist
auch immer noch mein Fokus. Schriftstellerei ist vielleicht ganz schlau,
wenn man älter wird – ich weiß das noch nicht. Es muss mich schon auch
natürlich brennend interessieren.“
Gibt es Ihre Definition von
Glück – was gehört dazu und was nicht?
„Ich finde es generell schwierig
mit dem Glück, denn es ist, glaube ich, ziemlich individuell und ganz
schön persönlich. Und Glück kann man eben auch nicht festhalten. Meine
ganz persönliche Erfahrung ist, dass ich lernen durfte, dass ich keine
Angst mehr davor habe, dass das Glück aufhört. Selbst wenn sich das
Glücksgefühl einstellt, und dann verschwindet, ich kann mich darauf
verlassen, es kommt wieder. Das ist eine ganz, ganz schöne Erfahrung und
von daher finde ich, Glück ist wirklich ein Geschenk, wenn man es
erleben und zulassen kann und sich dafür Zeit nimmt, dem nachzuspüren.“
Wenn die Handtasche bei Ihnen
den Rucksack abgelöst hat – kann man das so sagen?
„Nein, den Rucksack gibt es noch
und er ist auch nach wie vor sehr praktisch.“
Aber er ist in der Minderheit,
ein Rucksack, zwei Handtaschen?
(lächelt): „Ja, das ist so.“
Wie ist es mit Statussymbolen,
brauchen Sie die zum Glücklichsein? Lena Odenthal hatte im „Tatort – Der
glückliche Tod“ wieder einen neuen 3er BMW als Dienstwagen. Was bedeuten
Ihnen Statussymbole?
„Richtig, der Wagen hatte eine
andere Schaltung und daran ist es auch mir aufgefallen. (grinst)
Statussymbole interessieren mich nicht die Bohne, muss ich sagen. Für
mich ist ein Auto ein Gebrauchsgegenstand – natürlich wäre es mir
lieber, der würde weniger Benzin verbrauchen und die Umwelt nicht
belasten. So ein 3er BMW ist auch gar nicht so groß. Also, mein Kollege
Andi Hoppe hat mit seinen über 190 Zentimetern Körpergröße immer große
Probleme darin Platz zu finden – und er flucht echt nicht schlecht, wenn
er schnell aus diesem Auto aussteigen soll, weil es nicht geht.“
(schmunzelt)
Ihnen bedeuten Statussymbole
nichts und das war auch schon immer so?
„Ehrlich gesagt, ich wundere mich
selber manchmal. Ich kaufe nicht gerne ein und lege keinen Wert auf ein
besonderes Auto. Ich fahre aber gerne in die Ferien und ich brauche eine
schöne Wohnung. Ich muss aber nicht andauernd neue Sachen kaufen. Wo ich
allerdings verführt bin, dass ist für drei oder vier Stunden im
CD-Laden, dort zu stöbern, zu versinken, Musik anzuhören, Dinge zu
entdecken, um dann mit einem Stapel CDs wieder nach Hause zu gehen. Das
kann mir durchaus passieren, aber das ist eher Luxus als Statussymbol.
Und mit Büchern ist das auch schon wieder anders. Auch bei Klamotten,
Schuhen und – wie gesagt – Handtaschen, lege ich keinen Wett auf
Marken.“
Welches Verhältnis haben Sie zu
der Künstlerin und Mitherausgebern Ihres zweiten Buches, Katharina
Schnitzler (45)?
„Das ist meine Freundin, sie ist
meine Lebensgefährtin, das ist mein ganz persönliches Glück. (strahlt)
Wir beide haben einfach jetzt Lust dazu gehabt, etwas gemeinsam zu
machen und es ist sehr, sehr gut gegangen. Aber es geht in dem Buch
nicht um unser persönliches Glück, denn das wäre ja langweilig, so eine
Beziehung aufzuschreiben, sondern es geht tatsächlich um unsere
verschiedenen Fähigkeiten, die wir da zusammen gebracht haben. Sie als
Künstlerin mit dem Zeichnen und dem Fotografieren und ich mit dem
Schreiben – und wie sie mich dann inszeniert hat. Katharina hat schon
ein bisschen für die Fotos inszeniert. Das ist auch kein Buch über
Ulrike Folkerts, sondern wir haben versucht, das Thema Glück zu
transportieren. Wir hatten einfach eine großartige Zeit. Wir haben auch
oft in den Ferien an dem Buch gearbeitet, wahnsinnig viel geredet und es
ging ganz hervorragend. Uns hat das große Freude bereitet, und es wäre
jetzt Blödsinn, zu behaupten, wir seien kein Paar – wir sind ein Paar
und wir haben, wie so viele Künstlerpaare sich manchmal zusammen tun und
ein gemeinsames Projekt stemmen, so haben wir das auch gewagt.“
Und bei aller Freude wird dem
nächsten Projekt wenig im Wege stehen?
„Richtig, das kann durchaus seine
Fortsetzung finden.“ (lächelt)
Ist das auch mal schwierig,
zwei Künstlerinnen zusammen? Haben Sie gesagt, viele Vorteile, aber
einen kleinen Nachteil, den gibt es doch?
„Wir beide sind in ganz
unterschiedlichen Genres unterwegs. Katharina als Malerin und ich als
Schauspielerin. Ich bin natürlich viel mehr im Außen, mein Gesicht kennt
fast jeder. Katharina Schnitzler kennt noch niemand, es gibt aber ein
paar einschlägige Fans, die ihre Bilder kaufen – zu denen gehöre ich
natürlich auch. (grinst) Sie ist wahnsinnig fleißig. Da gibt es keinen
Auftrag, und sie arbeitet still und leise – das bewundere ich wahnsinnig
an ihr, dass sie jeden Tag ins Atelier geht und sich der leeren Leinwand
aussetzt – und wieder von vorne loslegt. Natürlich hat sie auch immer
mit der Sinnfrage zu kämpfen, was sie da eigentlich macht. Es war auch
ein langer Weg dorthin, aber heute macht sie einfach und arbeitet mit
großer Leidenschaft. Heute weiß sie, sie muss es tun und Katharina macht
es jetzt seit über zehn Jahren kontinuierlich malen, malen, malen – und
ich finde auch, sie ist sehr, sehr gut. Ich bin da absolut subjektiv,
aber egal. Und es geht außergewöhnlich gut zusammen.“
Ohne den Hauch eines Nachteils?
„Nein und ich denke, das bringen
auch die unterschiedlichen Bereiche mit sich. Wir sind natürlich zwei
freie Menschen, denn wir sind gebunden, aber ungebunden. Ich bin
freiberuflich und sie ist selbstständig. Das bedeutet, wir können uns
unsere Zeiten selbst einteilen. Wenn ich nicht drehe, dann kann sie
sagen, okay, ich mache auch frei, wir fahren irgendwohin und machen
unser Buchprojekt.“
Die Bilder in „Glück gefunden“
sind auch gemalt und nicht nur fotografiert?
„Die Bilder sind gezeichnet, es
sind Fotografien und Zeichnungen. Und diese Zeichnungen sind ihre
Spezialität, denn sie sind besonders und darin sind immer noch Sätze
versteckt. Das ist auch die Dimension, die dieses Buch besonders macht,
weil es das noch dazu gibt, Zeichnungen, Text, Foto und dann auch die
Grafik.“
Sie persönlich würden sagen,
Künstlerin und Künstlerin ist im Zusammenleben eher befruchtend?
„In unserem Fall eindeutig ja,
weil wir wirklich auf sehr unterschiedlichen Ebenen arbeiten.“
Aber Sie beide leben zusammen
oder sagt sie, ihr Atelier ist im Nebenhaus und da bleibt es auch?
„Nein, wir leben zusammen und sie
hat ihr Atelier, in das sie auch immer gehen kann, aber da darf ich auch
hingehen. (schmunzelt) Da kann ich zum Beispiel ganz wunderbar Saxophon
spielen. Ich male nicht und sie spielt nicht Saxophon – so ist das bei
uns beiden.“
Wie haben Sie beide sich
kennen gelernt – wollen Sie das sagen?
„Wir haben uns auf einer
Ausstellung von Katharina Schnitzler in Berlin kennen gelernt. Ich bin
dahin geraten, weil mich eine Freundin mitgeschleppt hat und da hingen
Bilder von ihr. Dann habe ich sie gesehen und fand Katharina interessant
– und ich dachte, was ich ja nicht so oft mache, weil mich ja immer alle
kennen, spreche ich sie jetzt an oder nicht? Aber ich hatte irgendwie
Lust, diese Frau anzusprechen. Sie hätte mich nicht angesprochen, hat
sie mir später gesagt, weil Katharina wusste, die kennt man irgendwie,
da gehe ich nicht hin. Ich bin mir aber ziemlich sicher, irgendwie hat
sie mir signalisiert, ich kann sie ansprechen. Jedenfalls hatte ich ihre
Telefonnummer nach diesem Abend – und das war der Beginn einer großen
Liebe.“ (strahlt)
Wunderbar! Aber Katharina
Schnitzler kannte Sie schon oder hat sie nur gedacht, die kennt man
irgendwie und deshalb ist sie nicht auf Sie zugegangen?
„Also, Katharina hatte auch mal
einen ,Tatort' mit mir gesehen, aber sie ist jetzt nicht so
fernsehbesessen, vor allem aber hat sie durch ihre Familie und durch das
Leben in Berlin nie dieses ,Heilig tun, oh, das ist eine Schauspielerin!
Das war auch sehr gut für mich, denn sie ist mit mir ganz normal
umgegangen und ich war für sie keine Besonderheit, nur, weil ich
Schauspielerin bin.“
Das wäre meine nächste Frage
gewesen.
„Absolut nicht. Wir hatten
wirklich die Chance, uns als Menschen zu begegnen und das war total
klasse.“
Ab 15. Januar 2009 spielen Sie
im Hamburger „Ernst Deutsch Theater“ zusammen mit Suzanne von Borsody
das Stück „Spurensuche“. Das ist nach Ihrer Darstellung des Tods im
„Jedermann“ Open Air nun der Weg auf die Theaterbühne?
„Ja und ich bin froh, dass es
nicht so lange dauert, bis ich wieder Theater spiele, denn ich wollte
unbedingt dran bleiben. Und ich glaube, dieses En Suite spielen beim
,Ernst Deutsch Theater' ist ein gutes Training. Ich habe nach wie vor
ein bisschen Muffensausen, aber das Stück ist spannend, Suzanne von
Borsody ist eine wunderbare Kollegin, und wir haben in Claudia Prietzel
und Peter Henning auch eine gute Regie gefunden. Das fühlt sich gerade
alles sehr gut an. Ich bin voller Neugier und habe große Lust darauf.“
©Wolfgang Wittenburg - Jede
Infoauswertung honorarpflichtig (11/2008)