zu: „Tatort – Salzleiche“, 16. November, 20.15 Uhr, ARD
In sieben Jahren und 13 Fällen ist die blonde Münchnerin zum
wahren Quotengaraten unter den „Tatort“-Ermittlerinnen geworden – im
Interview redet Maria Furtwängler über ihre Figur Charlotte Lindholm,
die erste „Tatort“-Ermittlerin mit Baby, den Spagat zwischen Beruf und
Familie und gemeinsame Dreharbeiten mit ihrer Mutter Kathrin Ackermann
Maria Furtwängler
„Ich gehe nach wie vor auch ungeschminkt aus dem Haus!“
Bereits als 17-jähriges Mädchen stand Maria Furtwängler (42) zusammen
mit ihrer ebenfalls schauspielernden Mutter Kathrin Ackermann (69) zum
Arbeiten vor einer Filmkamera. Damals war es für die ARD-Serie „Eine
glückliche Familie“ mit Maria Schell und Siegfried Rauch in den
Hauptrollen. Rund 25 Jahre später haben Mutter und Tochter dieses
Vergnügen nun erneut, denn Maria Furtwängler ist als niedersächsische „Tatort“-Kommissarin
Charlotte Lindholm zu einem Quotengaranten geworden – und Kathrin
Ackermann, Stieftochter des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, spielt in
den ARD-Krimis die Mutter der Ermittlerin. Im neuesten Fall „Salzleiche“
(16. November, 20.15 Uhr, ARD) gilt es, den Mord an einem
Sicherheitsbeschäftigen in einem Erkundungsbergwerk aufzuklären, wozu
für Maria Furtwängler auch ein Drehtag in einem Salzstock, 1.000m unter
Tage, zu absolvieren gewesen ist. Seit 1991 ist die sportliche Mimin,
die täglich Yoga-Übungen macht, mit dem Verleger Hubert Burda (68)
verheiratet und beide leben mit ihren Kindern Jakob (18) und Elisabeth
(16) in München. Im offenen Interview redet Deutschlands erste „Tatort“-Kommissarin
mit Baby über ihren persönlichen Spagat zwischen Beruf und Familie und
ihr privates wie berufliches Verhältnis zur Mutter Kathrin Ackermann:
War auch in Ihrem 13. Fall als Kommissarin Charlotte Lindholm, im
„Tatort – Salzleiche“ (16. November, 20.15 Uhr, ARD), wieder als
Glücksbringer das Amulett eines Buddhas dabei?
„Ja, ich habe es getragen. Das ist ein kleiner, silberner Buddha, an
einer roten Kette, wobei die Kette mal grün, mal rosa ist und auch schon
ein paar Mal gerissen war. Diesen Talisman habe ich zu Beginn meiner ,Tatort'-Zeit
von meiner Freundin Ursula Karven geschenkt bekommen.“
Ist so ein Talisman Ihnen speziell für diese Rolle wichtig oder
schätzen Sie Glücksbringer generell?
„Nein, das war bei dieser Rolle reiner Zufall und ansonsten bin ich da
nicht so. Ich bin insgesamt nicht sehr abergläubisch, aber hier hat sich
das mit dem Buddha so eingebürgert. Das hat ja so wahnsinnig gut
angefangen, mit 10,22 Millionen Zusehern, deswegen dachte ich, dass sah
gut aus und deshalb behalten wir das bei.“
Kann ein kleiner Teil des Quotenerfolges Ihres ersten „Tatort“-Films
vor sieben Jahren auch der Buddha gewesen sein?
„Nein, das glaube ich nun weniger, aber ich versuche insgesamt, nicht zu
sehr an der Figur herumzuschrauben. Ich möchte auch nicht, dass
Charlotte Lindholm in jedem Film einen neuen Mantel trägt.“
„Neulich ist das einer Schuhverkäuferin in Hannover aufgefallen. Da ist
die Kostümbildnerin hin und suchte einen Schuh für die Figur, weil
Charlotte Lindholm in ,Salzleiche' nach Barcelona reist und dort nicht
auch noch ihre Stiefel tragen muss. Und dann sagte die Schuhverkäuferin:
Für Frau Furtwängler? Ach! Die trägt doch als Lindholm die gleiche
Miu-Miu-Stietellette seit dem ersten Film! Das ist doch verrückt, die
hat tatsächlich gesehen, dass ich seit dem ersten Film die gleichen
Stiefel trage! Mit anderen Worten, ich versuche, da so auf ein paar
Sachen zu achten. Charlotte hat auch fast immer die gleiche Tasche. Ich
meine, sie ist Polizistin, da wäre es doch blöd, zu behaupten, sie würde
sich mehrmals im Jahr komplett neu einkleiden.“
Durch den NDR-„Tatort“ im Ersten lernen Sie in Niedersachsen immer
neue Regionen kennen – dieses Mal ermitteln Sie im Wendland. Haben Sie
Niedersachsen mittlerweile lieb gewonnen und gibt es Ecken, in denen Sie
auch gerne mal mit Familie Urlaub machen würden?
„Ich bin von der Vielseitigkeit Niedersachsens völlig geplättet.
Wirklich, ich habe jetzt so viele unterschiedliche Gegenden kennen
gelernt. Die Gegend um Aurich, an der See und dann das Teufelsmoor und
Worpswede. Das nächste Mal wird es wieder nach Hannover und Umgebung
gehen und ich finde als Münchnerin durchaus auch das Wendland mit den
Elbauen wahnsinnig schön und beschaulich, auch mit dem Kontrast der
Politisierung durch Orte wie Gorleben. Ich freue mich, wenn wir mal
Richtung Harz gehen, das kenne ich noch nicht. Niedersachsen ist schon
überraschend vielseitig und dieses Bundesland hat sehr viele schöne
Ecken.“
Wäre das etwas für einen Familienurlaub?
„Ich würde das nicht ausschließen, aber man weiß, wie das ist, da, wo
man arbeitet, muss man nicht zwingend den Urlaub verbringen. Ich möchte
dann lieber irgendwo hin, wo ich ansonsten nicht hinkomme.“
Können Sie sagen, ob Sie sich in 13. „Tatort“-Filmen in sieben Jahren
auch persönlich verändert haben? Sollte man als TV-Kommissarin in der
Öffentlichkeit eine gewisse Vorbildfunktion haben und sollte privat
nicht unbedingt in München in zweiter Reihe parken?
(schmunzelt): „Ich glaube, ich habe mich einfach persönlich verändert,
nicht aber, weil mich die Rolle verändert hat, sondern weil man sich mit
den Jahren hoffentlich weiter entwickelt. Insofern hat sich die Figur
mit mir weiter entwickelt und ist ein Stück reifer und ein Stück weit
gelassener. Vielleicht ist sie sich auch ihrer eigenen Kraft bewusster
geworden.“
Aber Sie persönlich werden durch so eine Rolle als TV-Polizistin vor
einem Millionenpublikum nicht geprägt?
„Ich finde, ich lebe – ehrlich gesagt – sehr unbeeinflusst und
unbeeindruckt dadurch, dass ich sehr viel erkannt werde, weil ich mir
dessen nicht so bewusst bin. Das passiert immer nur, wenn Leute mit mir
sind und zum Beispiel meine Tochter sagt: ,Guck mal, Mama, die Leute
gucken alle.' Ich persönlich denke nach wie vor darüber überhaupt nicht
nach. Ich gehe nach wie vor auch ungeschminkt aus dem Haus oder so, in
zweiter Reihe parken, passiert sowieso. Da gibt es keine Veränderung.“
Sie haben bereits als 17-Jährige die Serie „Eine glückliche Familie“
zusammen mit Ihrer Mutter, Kathrin Ackermann, gemacht und nun spielen
Sie beide im „Tatort“ Mutter und Tochter. Ihre Mutter sagt über Sie, Sie
waren ein Self-Made-Produkt und sie musste Ihnen keine Tipps geben. Wie
erleben Sie das?
„Na ja, selfmade würde ich nicht sagen, sondern ich habe mir
Unterstützung geholt, aber nicht von meiner Mutter, weil ich glaube, das
ist zu nahe und das geht irgendwie nicht. Man kann nicht bei seiner
eigenen Mutter, die Schauspiellehrerin ist, Schauspielunterricht nehmen,
für mich geht das nicht. Aber ich habe durchaus mit Coaching gearbeitet.
Ich arbeite noch heute sehr intensiv mit einem Coach in Berlin. Für
mich ist die Weiterentwicklung als Schauspielerin conidtio sine qua non,
um diesen Beruf überhaupt weiter zu machen. Wenn ich das Gefühl hätte,
ich hätte mich jetzt fertig entwickelt und wäre jetzt schon ganz toll,
und bräuchte jetzt nur noch all das, was ich habe, andauernd
wiederholen, dann würde mich das nicht mehr interessieren. Ich glaube,
ich bin noch lange nicht da, wo ich hinkommen könnte, wenn ich es
schaffe mich weiter zu entwickeln.“
Passiert bei den Dreharbeiten zum „Tatort“ viel zwischen Mutter und
Tochter oder steht die Arbeit im Vordergrund?
„Nein, sie sitzt dann bei mir im Wohnmobil, weil das größer ist, als
das, was den kleineren Rollen zusteht. (lächelt) Das ist dann ein
kleines Stück Zuhause, aber unser Familienleben findet definitiv doch
eher in München statt.“
Über Ihre beiden Kinder, Jakob (18) und Elisabeth (16), haben Sie
gesagt, dass Ihre Tochter Ihren Beruf schon toll findet und Sie dafür
auch bewundert, während der Sohn eher den Vater zum Vorbild nimmt. Ist
das noch so?
„Ehrlich gesagt, ich habe gerade ein Angebot für unsere Tochter
bekommen, ob sie etwas spielen will – und dann habe ich sie gefragt:
Hättest du denn Lust? Und sie antwortete: Ja, ja, ja! Also, mal gucken,
vielleicht macht sie in nächster Zeit mal etwas.“
Ist der Schritt in Richtung Schauspielerei heute in Ihrer Familie
einfacher, als er es bei Ihnen früher gewesen ist oder umgekehrt?
„Ja, da meine Mutter Schauspielerin ist, wurde ich auch als Kind einer
Schauspielerin gefragt: Willst du da nicht mitspielen? Damals gab es
noch keine Casting-Agenturen für Jugendliche. Ich habe es lange
verhindert, dass unsere Tochter spielt, ich kann mir jetzt aber
vorstellen, wenn sie will, dann soll sie spielen. Und meinen Sohn
interessiert das Ganze sowieso nicht.“
Nimmt die berufliche Richtung im Alter von 16 und 18 Jahren bereits
langsam Formen an? Wie beurteilen Sie das als Mutter?
„Ich würde mal sagen gemütlich. Man muss Kindern Zeit lassen. Kinder
sollen erstmal gucken, was interessiert einen im Leben und was nicht,
was möchte man gerne studieren? Ich hoffe meine Kinder fühlen sich frei
genug um die richtige Entscheidung zu treffen.“
Ihre Mutter hat gesagt, als Sie Baby waren, da gab es schon mal diese
Momente, in denen alles zusammen gebrochen ist, weil ein Zug sich
verspätet hat. Damals mussten Sie in der Tragetasche dann doch mit ins
Theater und in der Garderobe warten. Kennen Sie das als Mutter und
Schauspielerin auch? War Beruf und Familie mitunter mal so eine
Doppelbelastung?
„Beruf und Kinder ist immer eine Doppelbelastung, für jede Frau. Es ist
immer diese Zerrissenheit, werde ich meinen Kindern gerecht? Schaffe ich
das beides? Werde ich meinem Beruf gerecht? Mitunter konnte ich den Text
nicht lernen, weil ich dann doch lieber meine Kinder abends ins Bett
gebracht habe. Das ist immer eine Zerrissenheit, die aber auf der
anderen Seite auch einen großen Reichtum ausmacht, dass man eben beides
im Leben haben darf. Ich empfinde das als ein großes Privileg.“
(lächelt)
Finden Sie es auch gut, dass Sie als Kommissarin Lindholm nun die
erste „Tatort“-Ermittlerin mit Kind sind?
„Ja, natürlich, denn ich glaube, das ist durchaus ein Teil der
Wirklichkeit und es wird im Fernsehen viel zu wenig erzählt. Und deshalb
dachte ich, das sollten wir mal machen. Ich finde das ganz süß. Dieses
Film-Baby ist jetzt dreizehn Monate und es ist ein herrliches Gefühl, es
beim Drehen auf dem Arm zu haben. Es darf das Erzählen der Fälle nicht
beeinträchtigen und es darf die Spannung nicht beeinträchtigen, aber es
darf der Figur eine neue Dimension geben und das tut es.“
Kathrin Ackermann hat auch gesagt, dass sie durch den Beruf in der
Familie ziemlich reduziert war, aber dafür war sie daheim dann immer
fröhlich und gut gelaunt und keiner musste ihre Launen ertragen. Glauben
Sie, dass das bei Ihnen genauso ist?
„Unbedingt. Ich wäre als Mutter absolut unerträglich gewesen, wenn ich
keinen Beruf gehabt hätte, der mich erfüllt. Ich bin immer vom Drehen
nach Hause gekommen und war unendlich erfüllt und beglückt. Sicher gibt
es auch mal einen Dreh, wo das nicht so läuft, aber meistens, ist es so,
dass ich sage, wow, das ist ein wunderbarer Beruf! Dann komme ich wieder
nach Hause und sage: Oh, wie herrlich, meine Kinder!“ (lächelt)
In Ihrer Kindheit war es so, dass Ihre Mutter in der Erziehung viel
von ihrer Mutter übernommen hat, weil sie ein gutes Verhältnis gehabt
hat und ihre Mutter das sicher und stark gemacht hat. Wie ist das bei
Ihnen?
„Das ist wirklich eins zu eins. Wenn ich eine gute Mutter bin und ich
glaube, das bin ich, obwohl ich ziemlich chaotisch bin, dann hat das
damit zu tun, dass meine Mutter uns wirklich bedingungslos in den
Vordergrund gestellt hat. Meine Mutter hat uns nie das Gefühl gegeben,
erst kommt der Beruf, Schauspielerin sein, das ist ganz wichtig, sondern
wir Kinder kamen immer zuerst. Und bei mir ist das genauso, meine Kinder
sind uneingeschränkt die Nummer Eins in meinem Leben!“
©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (10/2008)