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zu: „Mein Gott,
Anna“, 5. September, 20.15 Uhr, ARD
Krankenschwester
war sie, Karrierefrau auch und Kommissarin ebenfalls – nun aber kommt
die muntere Kölnerin als Diakonissin in Schwesterntracht und redet im
Interview über erfundene Sünden, eine Tierfarm in Afrika und
Pflaumenkuchen essen mit Vater Willy und Dackel Hans-Günther
Mariele
Millowitsch
„Ich bin im
Allgemeinen diszipliniert!“
Nachdem die
Schauspielerin Mariele Millowitsch (52, „Nikola“) und Harald Krassnitzer
(47, „Der Winzerkönig“) bisher noch nie zusammen vor der Filmkamera
gestanden sind, könnte sich mit den beiden in Zukunft ein neues
Traumpaar des deutsches Films anbahnen: Harald Krassnitzer ist in der
zweiten Folge von Mariele Millowitschs neuer ZDF-Krimireihe „Marie
Brandt und …“ (Start am 29. Dezember, 20.15 Uhr) ihr Gegenspieler und ab
September drehen beide eine Ehegeschichte fürs ZDF in Berlin. Die
Bildschirm-Premiere aber steht noch in diesem Jahr an, denn auch in der
kirchlichen Komödie „Mein Gott, Anna“ (5. September, 20.15 Uhr, ARD)
sind sie zu sehen – Mariele Millowitsch als evangelische Diakonissin in
Schwesterntracht und Harald Krassnitzer als katholischer Priester mit
Doppelleben. Für diesen Film ist man nicht – wie üblich – mit dem
Angebot an Mariele Millowitsch heran getreten, sondern wie hat es sich
mit „Mein Gott, Anna“ (5. September, 20.15 Uhr, ARD) verhalten? „Man kam
mit der Idee auf mich zu und dann haben wir – die Autoren und ich – uns
ein paar Mal gtroffen und überlegt, wie man eine solche Geschichte
erzählen kann. Uns war relativ schnell klar: Das muss politisch
unkorrekt sein. Wenn man sich schon an das Thema Kirche heran wagt, dann
müssen kleine Seitenhiebe sein.“ Ist das auch so wie die
Hauptdarstellerin Glauben kennen gelernt hat und in ihrer Familie
religiös erzogen wurde? Durfte Marile Millowitsch Widerworte geben und
hat nicht zu allem Ja und Amen gesagt? „Das Thema Kirche wurde bei uns
durchaus widersprüchlich behandelt. Wir sagten immer: Das Bodenpersonal
macht uns Probleme und nicht der Chef – oder wer auch immer –, da oben.“
Ein Interview über
erfundene Sünden, eine Tierfarm in Afrika und Pflaumenkuchen essen mit
Vater Willy und ihrem Dackel Hans-Günther:
Hat Religion in
Ihrem Leben eine große Rolle gespielt? Wie haben Sie das Thema Glauben
und Kirche kennen gelernt?
„Im Religionsunterricht
in der Schule, und das war ganz locker, weil ich auf der
Montessori-Schule war. Als mir der katholische Unterricht nicht passte,
durfte ich bei dem Evangelischen mitmachen. Der hatte mehr mit mir zu
tun, weil er weltlicher war. Ich mochte das Verkrustete nicht und habe
auch als Kind schon festgestellt, dass die wöchentliche Beichte eine
ziemliche Heuchelei ist: Sonntags bekommt man die Sünden abgenommen und
montags fängt man damit von vorne an.“
Haben Sie die
Möglichkeit der Beichte, welche die Kirche bietet, schon mal in Anspruch
nehmen müssen?
„Sicher musste ich als
Kind zur Beichte gehen. Dann saß ich da in dem Beichtstuhl, der ja
durchaus etwas martialisches hat, mit seinem dunklen Holz, nur um den
Leuten gleich mal ein schlechtes Gewissen zu machen. Hinter dem Gitter
sitzt ein Mann, den man nicht erkennen kann und hält sich auch noch ein
Tuch vor das Gesicht, so, als ob man sämtliche bösartigen
Infektionskrankheiten hätte und Mundgeruch. Dann dachte ich: Was sagst
du denn hier jetzt? Und dann habe ich Sachen erfunden, denn mir ist
nichts eingefallen. Nach ,Eltern angelogen‘ und ,Widerworte gegeben‘ war
meist Schluss. Sonst macht man doch als Kind nichts ,Böses‘. Also habe
ich Sünden erfunden.“
Wie wichtig war in
Ihren Augen das Kostüm, um Anna, die Diakonissin, darzustellen?
„Das Kostüm war sicher
noch mal ein Hilfsmittel. Wir hatten natürlich darüber nachgedacht, denn
es gibt auch sehr viele Diakonissen, die keine Uniform tragen. Ich habe
mich dann aber entschieden, dass ,meine‘ Anna ihre Tracht als Sicherheit
braucht. Sie gibt ihr zusätzlichen Halt, ein Zeichen der Zugehörigkeit
zu einer Gemeinschaft, die die Frauen nie im Stich lässt. Die
Schwesternschaft in der Diakonie, die Frauen sind dort aufgehoben, wenn
sie krank werden, dann werden sie gepflegt, auch im Alter. Dieses
Miteinander ist für Anna sehr wichtig und das zeigt sie mit der Tracht.“
Gab es Drehtage, die
Ihnen bei der Produktion dieses Filmes besonders bevor standen?
Vielleicht die Sterbeszene mit der Mascha, weil Sie dadurch emotional an
das Sterben Ihrer Eltern erinnert worden sind?
„Sicher war die
Sterbeszene nicht ohne. So etwas zu drehen ist immer anstrengend. Dazu
kam auch noch, dass wir das an einem Tag gedreht haben, an dem der
Eisregen waagerecht kam. Und es war auch nicht wirklich Zeit, sich auf
die Gefühle einzulassen, da es auch noch dunkel wurde. Auf der anderen
Seite entwickeln sich aus solchen Situationen manchmal Emotionen, die
unter anderen Umständen nicht aufgekommen wären.“
Was war beim Dreh zu
„Mein Gott, Anna“ also eine Herausforderung?
„Eine echte Aufgabe war
für mich das ungesicherte Herumturnen in schwindelnder Höhe auf einem
Baugerüst am Kirchturm. Da hatte ich wirklich Herzklopfen, denn ich habe
Höhenangst ohne Ende.“
War etwa keine
Stuntfrau, die eingesprungen ist, wenn es ganz heikel war?
„Doch, in der Totalen,
als das Brett im Gerüst unter mir zusammen bricht, da war die Stuntfrau
am Werk, aber alles andere musste ich selber machen, da es Nahaufnahmen
waren. Sicher war unter meinen Füßen noch ein Brett, es war nicht
wirklich gefährlich. Aber ganz oben musste ich ungesichert herum
klettern und das war mir ein Gräuel: Da war ich froh, dass hinter jeder
Kiste ein Stuntman saß, was man natürlich als Zuschauer nicht sieht.“
Wenn Sie sagen, dass
private Probleme vor der Bühnentür bleiben müssen, kann Privatleben
während so einer Dreharbeit stattfinden oder gibt es Drehtage, die Sie
sogar für private Anrufe blockieren?
„Naja, das Privatleben
findet dann am Wochenende statt – da kann man auch schön ausgehen und
ein oder zwei Weinchen trinken, was unter der Woche nicht zuträglich
wäre. Telefoniert wird aber jeden Abend und das ausgiebig.“
Und hinterher findet
dann das komplett andere Leben wieder statt? Lassen Sie, wieder zurück
in Köln bei aller Disziplin, die Ihr Beruf erfordert, dann auch mal
Fünfe gerade sein oder geht das eher nicht?
„Ich würde sagen, ich
bin im Allgemeinen diszipliniert. Der große Unterschied ist, dass ich
nicht mehr nach der Uhr zu leben brauche, wenn ich Zuhause bin. Ich
ziehe meine Armbanduhr einfach nicht an und dann bestimmt nur noch
Hans-Günther, mein Hund, wann wir wohin gehen. Ansonsten mache ich dann
alles so, wie es mir in den Sinn kommt. Das ist für mich eine schöne
Form von Freiheit.“
Wie geht es dem
Hans-Günther, Ihrem Dackel?
„Mein Hund wird jetzt
vierzehn Leider hat er einen Leberschaden und seine anderen Organe sind
auch alle nicht mehr so ganz topfit, aber mit seinen diversen
Tablettchen kommt er ganz gut zurecht. Aber wenn es nicht mehr geht,
werde ich ihn nicht aus purem Egoismus irgendwie am Leben halten.“
Kommt danach ein
anderer Hund?
„Das weiß ich nicht, da
werde ich erstmal trauern. Hans-Günther, der alte Kumpel, der hat ja
noch mit meinem Papa Pflaumenkuchen gegessen. (lächelt) Willy bekam die
Pflaumen und Hans-Günther den Boden – daran erinnere ich mich noch gut.“
(schmunzelt
Dann können Sie sich
aber sicher nicht vorstellen, dass es nach Hans-Günther keinen Hund mehr
in Ihrem Leben gibt?
„Nein, eher nicht. Ich
muss nur bei jedem Hund schauen, dass ich jemanden finde, der das Tier
dann auch mal zeitweise übernimmt Ich möchte dem Tier nicht zumuten,
dass es überall ,mitgeschleppt‘ wird.“
Wenn theoretisch die
Möglichkeit bestehen würde, für eine Woche oder einen Monat das Leben
eines anderen zu führen, wessen könnte Ihnen spontan interessant
erscheinen?
(überlegt kurz): „Ich
hätte gerne ein Farm in Afrika, irgendwo Mitten in der Pampa. Ich hätte
viele Viecher, ich würde alles, was irgendwie angeschlagen ist, bei mir
aufnehmen und ich würde diese Tiere pflegen und hätte auch noch Leute
bei mir, die sich auskennen. Afrika hat eine besondere Anziehungskraft:
Das Licht, die Gerüche, natürlich die Tiere. Ein Jammer, dass es dort so
viele Krisengebiete gibt und die Menschen kaum eine Chance auf
dauerhaften Frieden haben.“
Können Sie beim
Anschauen einer Komödie mit sich über sich selbst lachen, wenn Sie denn
ein lustiger Mensch sind und es Ihnen auch leicht fällt, das zu
spielen?
„Wenn ich es das erste
Mal sehe, dann bin ich meistens nicht so losgelöst. Aber wenn ich mir
heute alte ,Nikola'-Folgen ansehe, dann muss ich manches Mal herzlich
lachen, über die Situationskomik. Ohne jetzt eingebildet sein zu wollen,
aber wir haben da keinen schlechten Job gemacht und ich freue mich immer
wieder über Walter Sittler oder über Frau Dr. Borstel, welche Kerstin
Thielemann so wunderbar verkörpert hat. Da lache ich manchmal laut auf
und das tut wahnsinnig gut.“ (lächelt)
©Wolfgang Wittenburg
- Infoauswertung honorarpflichtig (08/2008)
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