Mysterious Women, copyright Sylvia Knelles

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zu: „Der ewige Thronfolger – Zum 60. Geburtstag von Prinz Charles“, 9. November, 16.00 Uhr, ARD

 
Anlässlich des 60. Geburtstages von Prinz Charles am 14. November gratuliert Deutschlands Adels-Experte Nummer Eins mit einer wunderbaren und kurzweiligen Reportage

 
Rolf Seelmann-Eggebert
„Ich möchte weder König noch Kronprinz sein!“

 
In diesem Jahr hat Prinz Charles ohne sein Zutun einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt. In der langen Geschichte des englischen Königshauses ist er nunmehr der Thronfolger, der am längsten auf die Krone wartet. Sein Ur-Ur-Großvater König Edward VII. war genau 59 Jahre und 74 Tage alt, als er die Nachfolge seiner Mutter, der Königin Victoria, antrat. Charles wird am 14. November 60 Jahre alt. Kein Wunder, wenn man ihn gelegentlich den „ewigen Thronfolger“ nennt. Schon der erste Film, mit dem Rolf Seelmann-Eggebert (71) seinen Ruf als Adelsexperte der ARD begründete, „Lehrjahre eines Königs“ (1979) galt dem Prince of Wales. Seitdem hat er den Thronfolger durch viele Höhen und Tiefen seiner Karriere mit der Kamera begleitet. „Viele glauben, dass Königin Elisabeth mit ihren 82 Jahren in absehbarer Zeit abdanken wird und ihr Prinz Charles dann als König nachfolgen wird. Ich glaube das nicht," sagt Rolf Seelmann-Eggebert. Es gebe dafür im Hause Windsor keine Tradition. Vielmehr erfülle man dort als Monarchin seine Pflicht bis zum letzten Atemzug.
Der in Berlin geborene Rolf Seelmann-Eggebert hat als 16-Jähriger seine ersten Rundfunkerfahrungen sammeln können, war später ARD-Auslandskorrespondent in Afrika und Programmdirektor des NDR, bevor er sich der Berichterstattung über die Königshäuser verschrieben hat. Der Anwaltssohn, der im Privatleben seit 44 Jahren mit Ehefrau Barbara verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, redet im Interview zu seiner kurzweiligen Dokumentation „Der ewige Thronfolger – Zum 60. Geburtstag von Prinz Charles“ (9.November, 16.00 Uhr, ARD) über sich und seine gute Kinderstube. Der Vollblut-Journalist erinnert sich aber auch gerne an seine Treffen mit Prinzessin Diana genauso wie an seinen Fauxpas am belgischen Königshaus:

 
Sie haben 1978 eine Reportage zum 30. Geburtstag von Prinz Charles gemacht. Wie sehen Sie diesen Tag und diese Arbeit in Ihrer Erinnerung?
 „Es ist schlicht und einfach so gewesen, dass ich mich nach acht Jahren Tätigkeit als Korrespondent in Afrika, plötzlich in Großbritannien wieder fand und eine neue Szene entdeckte. Und dazu gehörte eben auch ein Königshaus. Mit so etwas war ich in Afrika und auch vorher nicht vertraut gewesen. Und da ging mir durch den Kopf: Mein Gott, was für ein Regierungssystem. Ich war ja eher ein Produkt der Nachkriegszeit. Ich hatte miterlebt, wie bei uns ein Grundgesetz entstanden war und eine Republik entstanden war – und dann erlebte ich plötzlich, dass es etwas anderes gab als eine Republik und trotzdem ein demokratisches System. Das hat mich interessiert. Ich interessierte mich vor allem für die Frage, wenn jemand nun eines schönen Tages die Nachfolge dieser unerreichbaren Queen antritt, wie ist der auf seine Aufgabe vorbereitet worden? Und daraufhin habe ich es als Pflicht eines politischen Korrespondenten empfunden, ein Porträt zu machen und das hieß ,Lehrjahre eines Königs‘.“

 
War das bereits die Vorstufe zum Adels-Experten von heute oder eine ganz normale journalistische Arbeit für Sie?
„Nein, das war für mich ganz normal, wie alles andere, was ich im Anschluss tat, ganz normal war. Es war aber dann eben so, dass Prinz Charles bald darauf in der Öffentlichkeit mit der so genannten Lady Di in Erscheinung trat und ich gehörte eben auch zu dem Team, das 1981 die Hochzeit übertrug. Und auf diese Art und Weise bin ich dem Königshaus und insbesondere diesen beiden relativ wichtigen Person über lange Zeit treu geblieben, weil es halt nicht nur Übertragungen von sechs Stunden waren, wie damals bei der Hochzeit, sondern alles, was sich daraus im Anschluss entwickelte auch. Aber, man darf nicht vergessen, ich bin 1982 als Programmdirektor nach Hamburg zurückgekehrt und habe mir über manches Gedanken gemacht, aber wenig über Königshäuser.“ (schmunzelt)

 
Was war in Ihren Augen die interessanteste Zeit in Ihrem Berufsleben? War es der freie Journalist zu Beginn, war es der Korrespondent in Afrika, der Programmdirektor oder ist es der Adels-Experte?
„Ich denke, ganz ohne Frage, dass die erste Entsendung als Korrespondent, das war die nach Afrika, doch diejenige gewesen ist, die mich am meisten beeindruckt hat. Das war so ähnlich wie Feuer und Wasser. Ich kam aus einer behüteten Familie. Ich kam aus einem gut funktionierenden Staat und war dann plötzlich in Afrika. Das war eben ganz etwas anderes. Das war Dritte Welt. Das hatte positive Seiten, das hatte aber auch sehr viele negative und sehr viele traurige Seiten. Das war ein absolut anderer Teil der Welt. Ich sage immer gerne, als ich geboren wurde, gab es zwei Milliarden Menschen auf der Welt. Heute habe ich in meinen 71 Lebensjahren erlebt, dass sich die Weltbevölkerung mehr als verdreifacht hat, es gibt heute mehr als sechs Milliarden Menschen auf der Welt. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die an uns hier in Europa und in Deutschland völlig vorbei gegangen ist, aber an Afrika nicht und an den anderen Entwicklungskontinenten auch nicht. Ich glaube schon, dass das eine ganz besonders entscheidende Zeit in meinem Leben war.“

 
Ihre Zeit in Afrika hat Sie am meisten geprägt?
„Ganz sicher spielen im Gegensatz dazu Großbritannien und meinetwegen auch der Programmdirektor eine unter geordnete Rolle. Natürlich hat mir das sehr interessante Erfahrungen gebracht, aber der gravierendste Einschnitt in meinem Leben ist sicher Afrika gewesen. Das war auch die Zeit, die mich persönlich sehr verändert hat.“

 
Hat auch der Adels-Experte Sie verändert? Haben Sie vorher Bücher zum guten Benehmen studiert oder hatten Sie eine gute Kinderstube genossen und die war ausreichend? Gab es da zu Beginn Berührungsängste
„Eigentlich nicht, ich hatte immer den Eindruck, ich habe Glück gehabt, dass ich von Zuhause aus eine normale Kinderstube mitbekommen habe und mit der normalen Kindestube kam ich auch in den Königshäusern gut zurecht.“

 
Gab es trotzdem Unannehmlichkeiten?
„Sicher gab es immer mal wieder einen Fauxpas wie zum Beispiel den, dass ich dem belgischen Königshaus vorgestellt wurde, also König Baudouin und seiner Frau Fabiola, und ganz selbstverständlich auf Fabiola zu ging und ihr Guten Tag sagte, während sie dezent eine Handbewegung nach links machte, um mir klar zu machen, dass ich eigentlich erst einmal dem König Guten Tag zu sagen hätte. Ich habe das einfach übersehen, weil ich gelernt hatte, dass man zunächst die Dame begrüßt und dann den Herrn. Später habe ich mit dem König, als ich ihn etwas besser kennen gelernt hatte, darüber gesprochen und gesagt: Tut mir Leid, Majestät, dass ich mich gleich mit einem Fauxpas bei ihnen eingeführt habe. Und dann hat er gesagt: Wissen sie, das war aus meiner Sicht kein Fauxpas, ich habe es auch so gelernt und ich finde es so auch viel vernünftiger.“

 
Gab es während Ihrer Arbeit als Adels-Experte magische Momente. Waren das die Begegnungen mit Prinzessin Diana?
„Nein, diese Treffen waren eher fröhlich. Ich habe sie ein paar Male getroffen, vor allem aber in Zusammenhang mit ihrem Deutschland-Besuch 1987. Und da habe ich etwas bemerkt, was mir vorher bei den offiziellen Auftritten nicht klar geworden war, sie war eine sehr spontane Person, sie war eine sehr offene Person, sie hatte Witz – dafür gibt es ein schönes Beispiel: Wir haben ihr damals, als sie uns im NDR in Hamburg besuchte, als Geschenk für die Jungs zwei Puppen einer Serie geschenkt. Ich gab ihr diese zwei Puppen und sagte, und hier ist eine Kassette, damit sie sehen können, wie die Puppen agieren. Und Diana sagte prompt: And These Are The Blue-Movies For Us, Are They? Zu Deutsch: Das sind die Erotikfilme für uns oder? Da habe ich gemerkt, dass sie wirklich Witz hatte und Esprit hatte. Das habe ich dann auch bei einer einwöchigen Reise durch die Bundesrepublik, bei der ich sie begleitet hatte, immer wieder gemerkt. Und mir wurde auch klar, weshalb der Palast nie Wert darauf gelegt hat, dass die Prinzess Of Wales in irgendeiner Weise in Erscheinung trat, die hatten immer Angst, dass da irgendwas kommt, was ihnen nur Schwierigkeiten bereitet.“

 
Haben Sie – vielleicht auch insgeheim – einmal das Bedürfnis oder den Wunsch gehabt, auf einem Schloss zu leben, sich eine Residenz zu leisten oder haben Sie davon so viel gesehen, dass lieber in Hamburg-Eppendorf geblieben sind?
„Sicher eher so. (lächelt) Ich überlege gerade, ich habe es nie erlebt, dass ich in einem dieser königlichen Schlösser gelebt, gewohnt habe oder eingeladen war. Ich habe immer gewusst, dass die Dinger zugig sind, dass sie unendlich viel Geld kosten, dass die Königin in England zum Beispiel abends noch durch die Gänge geht, die Lichtschalter ausdreht, um dafür zu sorgen, dass alles in Ordnung ist.“

 
Das war für Sie nie eine Verlockung?
„Nein, ich bin glücklich und zufrieden, dass ich in einem Fachwerkhaus in Lüchow-Dannenberg zu Hause bin, neben dem Eppendorfer Zuhause. Ich fühle mich so sehr wohl und sicher sehr viel wohler als in jedem Schloss.“

 
Trotzdem, wenn theoretisch die Möglichkeit bestehen würde, mal für eine Woche das Leben eines anderen leben zu können, wen würden Sie sich spontan wünschen?
„Ich möchte weder König sein, noch möchte ich Kronprinz sein, aber der jüngere Bruder des Kronprinzen. Das könnte mich verlocken, weil der jüngere Bruder des Kronprinzen meistens viele Rechte hat und nur wenige Pflichten.“ (schmunzelt)

 
Sie mussten mal zwei Jahre auf ein Interview mit König Juan Carlos von Spanien warten und tun es auf eines mit der Queen heute noch. Haben Sie da wirklich noch die Hoffnung?
„Nein, habe ich nicht. Ich würde sogar sagen, es ist das Schlimmste, was die Queen tun könnte, wenn sie jetzt plötzlich umkippte und sagte, ich stehe für Interviews zur Verfügung. Sie hat das über so lange Jahre ausgehalten, seit 1952 im Grunde keine Interviews zu machen, wie sie das auch weiterhin tun sollte. Die Queen hat auf diese Art und Weise wirklich eine Distanz zum Journalismus gehalten. Auf der einen Seite dadurch, dass sie sich nicht selber geäußert hat, auf der anderen Seite aber auch dadurch, dass sie Journalisten an sich heran gelassen hat, dass sie die Türen der Paläste für Filme aufgemacht hat, dass sie ihre Hochzeit und die Krönung hat filmen lassen fürs Fernsehen. Das sind ja große Ereignisse gewesen, aber ich finde, dass die Queen sich persönlich so zurück gehalten hat, das ist schon richtig gewesen.“

 
Gibt es etwas in Ihrem Leben, was Sie überrascht hat? Wann und wo waren Sie von sich selbst überrascht? Eine langjährige und drei Kinder – sind das alles Dinge, die Sie neben dem Beruf immer haben wollten?
„Ich würde sagen, dass die Balance zwischen dem Berufsleben auf der einen und dem privaten Leben auf der anderen Seite sicher etwas schwieriges ist, aber ich bin insbesondere meiner Frau besonders dankbar dafür, dass sie mir diese Karriere ermöglicht hat. Ich denke, dass man als Journalist, Auslandskorrespondent nur dann sein kann, wenn man sich darauf verlassen kann, dass alles, was mit Familie zusammen hängt, von der Frau getragen wird. Das gilt natürlich für andere Funktionen auch, aber beim Auslandskorrespondenten ist das ganz besonders so. Ich bin in Afrika permanent auf Achse gewesen, ich bin in London viel unterwegs gewesen. Auch bei jedem Wechsel des Korrespondentenplatzes ist es zum Beispiel so gewesen, dass meine Frau die ganzen schwierigen Bürden hat nehmen und tragen müssen. Wenn ein Kind krank gewesen ist, dann war es krank, wenn ich nicht da war. Oder wenn es einen kleinen Verkehrsunfall gab, wenn es Ärger mit dem Personal gab – ich war nie da und meine Frau musste das alleine tragen. Ich kann also nur sagen, wenn man ein solches Leben beabsichtigt, zu führen, ist es wichtig, dass man in der Wahl seiner Frau besonders vorsichtig ist.“ (schmunzelt)

 
Und Ihr Resümee diesbezüglich ist, besser auch eine Journalistin als Partnerin oder lieber gerade nicht?
„Der Beruf ist völlig egal, aber man muss sich auf seine Frau verlassen können. Meine Frau ist keine Journalistin, obwohl als ich sie kennen lernte, sie Chefredakteurin der Schülerzeitung ihrer Schule in Wilhelmshaven war und die Zeitung hieß ,Die Pfütze‘.“ (lächelt)

 
Interessiert sich Ihre Frau für Adelsgeschichten oder ist das ein Thema, das für Sie privat nicht stattfindet?
„Das ist ihr ziemlich egal, glaube ich, was da ist, aber meine Frau interessiert sich selbstverständlich für das Material, das bei unserer Arbeit heraus kommt. Den Film guckt sie sich schon gerne an und ihre Kritik ist mir wichtig. Für mich ist es immer besonders wichtig, was die Familie sagt, am wichtigsten wahrscheinlich, das, was meine Frau sagt, aber auch, was Florian sagt – das sind meine beiden wichtigsten Kritiker. Keine Frage! Wobei der eine heutzutage sozusagen mit betroffen ist, denn wenn ein Film läuft, wie er läuft, dann sage ich immer: Hör mal zu, daran bist du auch beteiligt.“
©Wolfgang Wittenburg - Infoauswertung honorarpflichtig (11/2008)
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